Deutscher Blog Manaslu 2024

Hier findest du meine neusten Einträge zur ersten 8000er Expedition am Mount Manaslu. Falls du den offiziellen Blog unserer Expedition lesen möchtest, findest du diesen hier in Englisch. Zusätzlich dazu kannst du hier alle Informationen zu unserer Expedition, wie das Programm etc. nachlesen.

Sonntag, 1.September - Hotel Manaslu in Kathmandu

"Das Leben als Bergsteigerin kann bisweilen ganz leicht sein: sie sehen einen Berg, der sie interessiert, sie informieren sich über ihn und im besten Fall besteigen sie ihn.

Ich selber bezeichne mich nicht als Bergsteigerin, das ist die Idee von anderen. Ich bezeichne mich als Verfolgerin meines Lebenstraums. Dass ich da hin und wieder Berge besteige, qualifiziert mich für mich noch lange nicht, mich Bergsteigerin zu nennen. Ob sich das nach der nächsten Expedition ändern wird, denke ich ehrlich gesagt nicht.  

Es liegen noch 10 Tage zwischen mir und meinem Abflug nach Nepal, der Countdown nimmt also in 24h einstellige Formen an. Ich befinde mich noch mitten im Schulstart-Stress, was einerseits gut ist, da ich so keine Zeit zum Grübeln habe. Andererseits habe ich so auch nicht wirklich Zeit um intensiv zu trainieren, was eher kontraproduktiv ist." 


 Diese Zeilen schrieb ich im Zug, 10 Tage vor meiner Abreise, in die Notizen meines Handys.

Mittlerweile sind die besagten 10 Tage vorbei und ich sitze im Zimmer meines Hotels in Kathmandu. Die Zeit zu Hause verging wie im Flug, so viele Dinge mussten noch erledigt werden, so viele Freunde und Familie verabschiedet und "nebenbei" auch noch qualitativ guter Unterricht vorbereitet werden. Rückblickend denke ich, das ich das ganz gut hinbekommen habe. Trotzdem hat es mich einmal mehr selber erstaunt, wie lange meine To Do-Liste am Schluss war und wie viel Zeit das Abarbeiten ebendieser kostete. Immer wenn mich jemand fragte, ob ich bereit sei, antwortete ich mit derselben Phrase: "Ja, ich muss nur noch packen". Was das Wort "Packen" alles beinhaltet, habe ich aber nie erklärt. Folgendes hätte ich auch sagen können: Ich muss nur noch austesten, ob die Heizsocken in den Bergschuhen auch nach 2h noch sitzen. Natürlich getestet bei 35 Grad im Schatten. Oder: Ich muss nur noch ausprobieren, ob ich überhaupt in der Lage bin mit den Bergschuhen, und den montierten Steigeisen auf einer Aluleiter gehen kann. Oder: Ich muss nur noch überlegen, wie viele von welchen Snacks ich mitnehmen möchte, diese einkaufen, um- und logisch einpacken. Oder: Ich muss alle Medis zusammensuchen, für jede der rezeptpflichtigen, obligatorischen Pillen notieren, wofür sie sind und wie das identische Mittel in Amerika heisst, damit die Guides - und ich - wissen, welches Medi für welchen Notfall ist. Oder mein Favorit: Ich muss nur die Wäsche zusammenlegen, ein Geburtstagsgeschenk kaufen, andere Geschenke einpacken, ein Paket aufgeben, Dollars holen und überlegen, welche und wie viele Puzzles ich einpacken soll.
 Ihr seht, so eine Expedition beinhaltet eine Vorbereitung, die man nicht abschätzen kann, bis man nur noch 10 Tage vor der Abreise steht und realisiert, dass man in diesen Tagen auch noch 2 Sitzungen, ebenso viele Coachings und ein Buisnessmeeting neben den normalen Arbeitsstunden besuchen sollte.
 Der Tag der Abreise war also nicht nur der Start der Expedition, sondern auch das Ende einer langen und intensiven Vorbereitung und die Zeit im Flugzeug quasi die Verbindung dazwischen.
 Ich muss nicht erklären, dass das Abschiednehmen am Samstag morgen das Schlimmste an dieser Reise war und wahrscheinlich auch rückblickend sein wird. Man denkt zwar, man ist in irgendeiner Weise darauf vorbereitet, aber dann wirklich und wahrhaftig tschüss zu sagen, war schlichtweg fast unmöglich. In jedem Newsletter, den ich im Vorgang der Expedition erhalten habe, steht irgendwo der Satz: Und denke daran, bei so einer grossen Expedition ist oft der schwierigste Schritt, das Zuhause zu verlassen. Ich könnte es nicht besser formulieren, denn noch nie sass ich so traurig an einem Gate am Flughafen und harrte der Dinge die da kommen.
 Die zwei Flüge waren ruhig und unspektakulär, das kurze Transfer-Fenster in Doha war lang genug, um nicht vom ersten zum zweiten Flugzeug rennen zu müssen. Im zweiten Flug konnte ich dann wieder die Buisness class mit den grosszügigen SItzen und dem feinen Essen geniessen. Ich war dann tatsächlich die Erste, die aus dem Flugzeug stieg und somit auch die Erste beim Visa-Schalter. Glücklicherweise liess auch mein Gepäck nicht lange auf sich warten und so war ich schon 20 Minuten nach der Landung auf dem Weg aus dem Flughafengebäude, wo Mohan schon auf mich wartete. Mohan war schon bei der Ama-Reise die Willkommens- und Verabschiedungsdelegation und es war schön, ihn wieder zu sehen. Er wartete sogar mit einer Überraschung auf: ein Elektroauto brachte mich auf den leeren Strassen von Kathmandu um 1h zum Hotel.
 Im Zimmer musste ich dann fast 3/4 meiner Duffelbags leeren, weil ich mich nicht mehr erinnern konnte, wo ich mein Pijama hingepackt hatte. Immerhin war so schon fast alles bereit für den Materialcheck, der in den nächsten Tagen folgen sollte.
 Das Einschlafen ging dann nicht mehr so schnell, der Regen draussen half aber definitiv mit, dass ich trotzdem zu ein paar Stunden Schlaf kam.

Dienstag, 3.September - Hotel Manaslu Kathmandu

Ein weiterer Tag begann heute mit Sonnenschein. In der Nacht hörte ich einmal ein Donnern, ansonsten schlief ich ziemlich gut. Nun sitze ich im Garten unseres Hotels und geniesse die Ruhe vor dem Flug nach Samagaon.
 Gestern war mein erster ganzer Tag hier in Kathmandu. Ich schlief bis 8.30h und erkundete danach das Frühstücksbuffet. Wie immer auf solchen Trips muss ich mich zuerst wieder an das regelmässige Essen gewöhnen. Das Buffet hier ist zwar vielseitig und üppig, aber ich esse weder Würstchen, noch Bohnen oder Papaya zum Frühstück. Somit genügte mir Joghurt mit ein bisschen Müesli und ein Toast mit salziger Butter und viel zu süsser Marmelade. Hauptsache irgendwas im Magen. Danach plante ich eine ruhige Kugel zu schieben, mein Material in die Dufflebags zu packen, dann mit den anderen irgendwo zu MIttag zu essen und danach eine Massage zu geniessen. Wie immer sollte man in Nepal keine allzu grossen Pläne machen ;)
 Ich sah, dass meine ältere Dufflebag diverse Löcher hat und fragte kurz bei Dean und JC nach, ob sie die Everest Outfit-Duffles empfehlen könnten und wenn ja, welche Grösse. Sie meinten, dass die 150l-Tasche perfekt wäre, um nicht gross zu überlegen beim Packen, man könne alles einfach reinwerfen. Jedoch sei sie für die Gepäckmasse im Flugzeug zu gross.
 Kurz nach dem Gespräch schrieb uns Phunuru, dass wir die Duffles um 16.30h in der Lobby bereitlegen sollten, da sie eventuell schon vor uns nach Samagaon gebracht würden. Somit war mein Plan der ruhigen Kugel dahin und ich musste sofort los in die Stadt, um die Duffle zu kaufen, es wär nämlich schon halb 11h und um 12h wollten wir im Hotel nebenan zu Mittag essen. Also ging es direkt zu Seeing Hands, um meine lange ersehnte Massage trotz ein wenig Zeitstress zu geniessen. Sie hatten zum Glück gleich Zeit für mich und so kam ich eine Stunde später glücklich und zufriedern wieder aus dem Gebäude raus. Danach ging es gleich weiter zum Everst Outfit Store, wo ich die 150l-Dufflebag kaufte. Fast pünktlich um 12.15h war ich bei den anderen am Lunch-Buffet und konnte in Ruhe essen. Danach war das grosse Duffleshuffle an der Reihe, das unerwartet schnell funktionierte. Es gibt wieder eine Base Camp-Duffle, die zwar mit uns dabei ist, aber meist in irgendeinem Materialraum gelagert wird und dann erst am Basecamp wirklich zugänglich ist. Die andere ist die Trekking-Duffle, die ich in Samagaon im Zimmer haben werde. Die Zeit nach dem Packen nutze ich, um im Hotelgarten ein wenig zu ruhen, bis wir um 18h ins Yeti-Hotel gingen, wo wir im Resti auf der Dachterrasse unser offzielles Team-Dinner genossen. Wir waren am letzten Abend der Ama-Expedition schon da und das Essen war einmal mehr sehr lecker und die Aussicht sowieso mega!
 Wir nutzten den Abend danach noch, um gemeinsam in unserem Hotel etwas zu trinken, bevor es ins Bett ging. Ich hatte auch noch Gelegenheit in Ruhe mit Raphael zu telefonieren und nun bin ich ready, in die Berge zu gehen.
 Soeben haben wir eine Nachricht von Phunuru erhalten, dass wir in 20 Minuten in der Lobby bereit stehen sollen. Es sieht so aus, als ob wir die Flugbewilligung für den Heliflug erhalten hätten. Gestern hatten wir diese noch nicht, da sie wegen dem Wetter jetzt 2 Wochen nicht fliegen konnten. Es sieht also so aus, als ob es heute tatsächlich nach Samagaon gehen würde. Wir alle freuen uns, aus der Stadt raus zu kommen, da die Luft hier nicht die Beste ist; Dean ganz besonders, er mag grosse Städte nicht so wirklich.
 Ich werde hoffentlich im Verlauf der nächsten Woche noch ein wenig mehr Zeit haben, um meine Teamkollegen besser vorzustellen. Ich bin auf jeden Fall so happy mit dem Team, es hätte nicht besser sein können, ausser vielleicht wenn Stu von der Ama-Expedition noch da wäre. Aber vielleicht klappt das mit ihm als Western guide dann für den Everest :)

Mittwoch, 4.September - Hotel Norling Samagaon

Nachdem es gestern Vormittag plötzlich hiess, dass wir um 10.30h in der Lobby sein müssen, waren wir alle aufgeregt. Es sah gut aus mit der Bewilligung für den Heliflug und das Wetter zeigte sich ebenfalls von seiner schöneren Seite. Wir fuhren mit den Auto zuerst über Seitenstrassen in Richtung Flughafen. Die Hauptstrassen sind um diese Zeit nämlich immer ziemlich verstopft. So sahen wir auch wieder einen anderen Teil von Kathmandu und Strassen die weniger gut gepflegt werden wie die viel befahrenen. Dafür brauchten wir nur knapp eine halbe Stunde bis zum Ziel. Dort wartete schon ein Nepali, der uns noch beim Aussteigen aus dem Auto unsere Boardingpässe in die Hand drückte. Damit gelangten wir innert 5 Minuten in den Sicherheitsbereichs des Flughafens, wo wir vor dem Heli Everest Büro warten mussten bis der Papierkram erledigt wurde. Während der Wartezeit stiess noch ein weiteres Manaslu-Team zu uns, lustigerweise von der Schweiz-Nepalesisch geführten Firma Wild Yak Team. Auch sie gedachten, mit Heli Everest nach Samagaon zu fliegen. Nach etwa einer Viertelstunde ging es durch eine weitere Sicherheitskontrolle in den Warteraum, wo ich vor 7 Jahren schon 1.5 Tage mit Warten verbracht habe. Dieses Mal reichte die Zeit, um Wasser zu kaufen und ein paar Kekse zu essen. Schon wurden wir einen Schritt weiter auf das Flugfeld begleitet, wo wie aus dem Nichts ein Bus auftauchte, der uns über Umwege, unter startenden Flugzeugen und Rumpelposten hindurch zum Helipad chauffierte. Dort warteten schon die zwei Piloten auf uns und wir durften einsteigen. Ich durfte von JC den Fensterplatz erben, da es ihm egal war, wenn er in der Mitte sitzt. In der Wartezeit beim Büro hatte uns Phunuru noch mitgeteilt, dass wir einen kurzen Zwischestop auf dem Weg einlegen mussten, da es im Moment noch keine Bewilligungen für den Durchflug für Helis gibt. Wir konnten uns das nicht so ganz erklären, aber in Nepal laufen Dinge halt einfach ein wenig anders als wir uns das gewohnt sind. Die erste Hälfte des ruhigen Fluges führte uns zu einer Ansammlung von 5 Häuschen neben eine Brücke und einem Fluss. Wir mussten aussteigen und erst da verstanden wir die ganze Zwischenlande-Geschichte. Unsere Dufflebags, die gestern schon im Hotel abgeholt wurden, lagen schon bereit, umringt von diversen anderen Duffles, Schachteln, etc. Die Piloten und Einheimische räumten die Helis leer, rissen Sitzpolster und Kopfhörer heraus und füllten die 2 Helis bis oben hin mit dem Gepäck. Wir standen zuerst in der gleisenden Mittagssonne bis und klar wurde, dass der kurze Zwischenstopp wohl ein wenig länger dauert, da beide Helis 2x Gepäck transportieren mussten. So suchten wir uns unter der Brücke ein kühleres Plätzchen und harrten der Dinge die da kamen, während wir den Wolken zuschauten, die sich in der Zeit vervielfältigten. Als wir dann endlich wieder im Heli sassen, ging es durch Regen und knapp unter der Wolkenlinie nach Samagaon. Wir waren die einzigen Helis die unterwegs waren, anscheinend warten noch einige Gruppen auf ihre Bewilligung. Wir spazierten jedoch glücklich zu unserem Zuhause für die nächsten Tage, wo wir erst einmal essen bestellten und nach einer langen Wartezeit auch genossen.
 Danach war das Einrichten im Zimmer angesagt und ein wenig Ruhezeit. Zum Znacht gab es dann für mich nur noch eine Suppe und kurz darauf Nachtruhe. Leider konnte ich nicht wirklich schlafen, da ich eine starke Erkältung aus Kathmandu mitgebracht habe.
 Heute Morgen stand ich auf jeden Fall wie gerädert auf und genoss ein Neocitran zum Frühstück. Ich hoffe, das wird nicht noch schlimmer, da ich das so eigentlich in den nächsten 4 Wochen am wenigsten gebrauchen kann.
 Nach dem heutigen Frühstück machten wir uns auf auf eine kurze Wanderung zum nahegelegenen Brendrasee, der heilig ist. Man darf darin nicht schwimmen, oder ähnliches, was wir sehr schade fanden, denn die Sonne schien heute Vormittag so richtig stark. Wir bauten dafür ein paar Steinmännchen neben die vielen schon vorhandenen und besprachen die Route zum Basecamp, die man von hier teilweise sah.
 Nach etwa einer Stunde gings wieder zurück, mit einem Abstecher beim neuen Klostergebäude, das sie im Frühling fertig gestellt hatten. Das Nachmittagsprogramm war dann eher unspektakulär: Mittagessen, ein kurzer Rundgang durch das Dorf mit einem dorfeigenen Tiergefängnis. Dort werden Tiere hingebracht, die sicv dem Dorf zu fest annähern und dann muss der Besitzer sein Tier durch bezahlen einer Busse wieder auslösen. Im Gefängnis gibt es kein Futter, damit die Besitzer auch wirklich kommen. Andere Länder, andere Sitten 😂
 Ich sitze jetzt in meinem Zimmer, habe gerade das erste Buch fertig gelesen und warte auf das Abendessen. Morgen gehen wir auf eine längere Akklimatisierung und der Gang zum Basecamp ist geplant auf den Samstag, 7.September. Bis dahin sollten auch mehr Westler in Sama angekommen sein, im Moment sind es noch sehr wenige wegen den fehlenden Heliflugbewilligungen. Unsere hatten wir übrigens auch auf eher unkonventionelle Art erhalten, wie uns Phunuru im Nachhinein gestand. Die Bewilligung für den Flug nach Samagaon hatten wir erst erhalten, nachdem wir zwischengelandet waren. Schliesslich möchte man Touristen nicht irgendwo im Nirgendwo stehen lassen ohne Gepäck und nichts 🤷🏽‍♀️ man lernt hier so einiges, wenn es darum geht, das zu bekommen was man möchte…

Freitag, 6.September - Samdo - Samagaon

 

Einmal mehr sitze ich an einem Nachmittag im Schlafsack in meinem Zimmer und höre dem leichten Regen zu. Es ist nicht so kalt wie ich es erwartet hatte, aber im Schlafsack ist es bequemer als auf dem Schlafsack. Gestern am Vormittag sind wir nach dem Frühstück zum alten Kloster gegangen, um eine private Puja zu erhalten. Diese hat der örtliche Lama durchgeführt, der schon 84 Jahre alt ist. Die Puja ist dafür da, Schutz für unsere Besteigung zu erhalten. Sie dauerte etwa 40 Minuten und fand in einem schön bunten Raum statt. Dazwischen erhielten wir Reis, denn wir hin und wieder in die Lift warfen und die Segnung mit einem ortsüblichen Kata fehlte natürlich auch nicht. Im Basislager werden wir nächste Woche nochmals eine Puja haben, die dann ein wenig länger dauern wird. Nach der Segnung ging es zurück zum frühen Mittagessen, so dass wir genug Zeit hatten, um am Nachmittag nach Samdo zu wandern. Samdo liegt talauwärts und ist das letzte Dorf vor der Tibetischen Grenze. Es liegt 350m höher als Samagaon und eine Nacht dort sollte uns weiter auf die Höhe im Basislager vorbereiten. Der Weg schlängelt sich nebem dem Fluss die Weiden und den beiden Talseiten hoch, mit stetiger Steigung ist man in knapp 2.5h dort. Leider plagt mich das Mittagessen ein wenig, es scheint als ob ich mir einen Käfer eingefangen hätte. Magenkrämpfe und unzählige Gänge auf die Toilette waren leider die Folge. Lust auf etwas zu Essen in Samdo hatte ich dann natürlich auch nicht wirklich. Ich versuchte es mit Popcorn und einer kleinen Tomatensuppe. Leider schmeckte die Suppe nicht nach Tomaten, was es mir noch schwerer machte, davon zu essen. Ich schaffte immerhin einen Drittel und einen halben Teller Popcorn. Um 20h ging ich dann schon ins Bett, da ich mich wirklich unwohl fühlte. Leider war die Nacht geplagt von Krämpfen und weiteren Toilettengängen. Schlaf fand ich nicht wirklich und die Zeit schien stillzustehen zwischen meinen Klogängen. Immerhin schaffte ich es, regelmässig zu trinken, so dass sie Gefahr der Dehydration nicht so gross war. Als der Wecker klingelte, war ich auf jeden Fall froh, dass die Nacht vorbei war. Nach der starken Erkältung und der immer noch laufenden Nase hätte ich auf diese Magenverstimmung gut verzichten können. Zumal heute geplant war, dass wir am Vormittag weiter über 4000m hoch steigen für eine gute Akklimatisation. Zum Frühstück gab es aber erst einmal ein paar Corn Flakes und Tee. Da Dean eine ähnliche Nacht wie ich hatte und die Erkältung ebenfalls erwischt hatte, sahen wir wahrscheinlich am Frühstückstisch ziemlich bemitleidenswert aus. Trotzdem wollten wir versuchen, ein bisschen höher zu wandern, was wir auch alle geschafft haben. Ich mit Magenkrämpfen und 2 WC-Stopps im Gebüsch, aber trotzdem in einigermassem gutem Tempo. Ich stoppte auf 4000m, die anderen gingen noch etwa 60m weiter. Nach einer 30‘ Pause ging es wieder runter zum Teahouse, gerade rechtzeitig für meinen nächsten Toilettengang. Die Aussicht auf weitere 2h wandern gefiel mir gar nicht, aber es half nichts, der Plan war, nach einer weiteren Tasse Tee zurück nach Samagaon zu wandern. Ich konnte den Weg zurück nicht wirklich geniessen. Jedes Mal wenn ich was trank, kamen die Krämpfe wieder, und mein Klopapier-Vorrat neigte sich auch langsam dem Ende zu. Nicht zu erwähnen, dass das Energielevel auch nicht so wahnsinnig hoch war. Zum Essen eines Snacks konnte jch mich aber nicht zwingen, zu gross war die Angst vor weiteren Krämpfen. Um 11h waren wir dann wieder zurück in Samagaon, wo wir als erstes unser Mittagessen bestellten. Ich versuchte es mit Pommes, da es scheint, dass die frittierten Speisen sicherer sind. Ich schaffte es sogar, den halben Teller zu essen, und seither bleiben die Pommes auch schön brav im Körper. Vorher konnte ich sogar noch ein Stück Schokolade essen. Es geht also in kleinen Schritten aufwärts. Ich bin froh um den freien Nachmittag nach dem Mittagessen, den ich zum Lesen und Blog schreiben nutzte. Ich konnte sogar eine halbe Stunde schlafen und hoffe nun auf eine ruhigere Nacht mit gutem Schlaf. Beim Abendessen werden wir besprechen, wann es zum Baislager geht. Ich bin noch nicht so ganz zuversichtlich dass ich die 1100hm morgen schaffen werde, aber ich habe ja den ganzen Tag Zeit, von daher sollte das schon irgendwie gehen. Und schlisselich sollten die Krankheitstage jetzt auch mal vorbei sein, damit ich anfangen kann, die Natur zu geniessen.
 Vor dem Abendessen traf auch noch Dawa, ein weitere unsere Guides ein. Er war bisher im Basecamp mit dem Aufbau beschäftigt und wartet auch einen Privatkunden, der morgen mit dem Heli ankommen sollte, falls das Wetter mitspielt. Heute haben es immerhin 3 Helis bis nach Sama geschafft, das Teahouse ist also voller als noch vor unserem Samdo-Trip. 

Montag, 9.September - Manaslu Basecamp

Der Entschluss für einen Ruhetag war schnell gefallen und ich war ehrlich gesagt froh, dass ich nochmals einen Tag mehr Zeit erhielt, meine Magendarmprobleme in den Griff zu bekommen und vielleicht eine gute Runde Schlaf zu finden.
 Am nächsten Tag fühlte ich mich um
 Einiges besser. Ich konnte sowohl zum Frühstück, wie auch zum Mittag- unf Abendessen etwas zu mir nehmen. Auch wenn es nur ein bisschen Pancake und Pommes waren.. Trinken ging auch immer noch sehr gut. Ich gönnte mir nochmals eine Sprite zum Znacht, um das Essen noch besser runter zu bekommen. Neben dem Essen las ich viel und packte schon ein bisschen vor für morgen. Denn am Sonntag war endlich unser grosser Movingday, wir wollten nämlich endlich zum Basislager gehen. In Zahlen sind das 7km mit 1300hm was wir in ungefähr 4h hinter uns bringen wollten. Das Frühstück planten wir eher früh, damit wir dann im BC Mittagessen können. Leider waren alle Gruppen mit demselben Plan unterwegs, so dass wir erst eine Stunde später als geplant unser Frühstück erhielten und somit auch viel später loslaufen konnten. Bei mir hatte sich mein Magen über Nacht gedacht, dass es wieder Zeit für Party wäre, so dass ich einmal mehr mit Magenkrämpfen vor meinem Teller sass und mir überlegte, wie ich das nur essen sollte. Ich hätte nie gedacht, dass das Essen so ein Problem wäre. ich wurde so frustriert, dass ich sogar anfing zu weinen wegen dem Essen. Ich kann mich einfach nicht dazu zwingen, obwohl ich weiss, dass ich essen muss. Die Übelkeit ist aber immer stärker und dann quäle ich mich, um zumindest 2-3 halbe Gabeln runter zu bekommen. Die ganz Mühe war an drm Tag sowieso für die Katze, da ich vor Aufbruch fast alles wieder auf dem Klo losgeworden bin. So stand ich also im Hof zum Abmarsch bereit, mit Magenkrämpfen und dem Wissen, dass ich nun 4h extrem steil zum BC hochlaufen muss. Als wäre das nicht schon „schön“ genug, musste ich nach der ersten Pause auch noch gegen Übelkeit kämpfen. Eine lange Zeit lang wusste ich nicht, ob das Essen jetzt oben oder unten raus will. Dieser innere Kampf gegen das Kotzen begleitete mich bis fast ganz nach oben, jede Pause nutze ich, um aufs Klo zu gehen, in der Hoffnung, dass es mir mit leerem Magen besser gehen würde. Ebenfalls war der Trinkwille nicht sehr gross, der Rucksackgurt drückte mir auf den Bauch und viele  Westler versperrten mir den Weg, indem sie alle 5‘  anhielten, um zu Atem zu kommen. Ich jedoch wollte einfach sehr langsam, aber zumindest stetig zum BC hoch, damit ich wieder in der Nähe von einem Klo war und meinen Körper ausruhen konnte. Ich ging mein eigenes Tempo, Phunuru immer schön hinter mir, während die anderen drei ein wenig schneller unterwegs waren. Sie warteten zwar immer alle 30-45‘ auf mich, aber 2‘ nachdem ich angekommen war, ging es schon weiter. Pausen waren also rar und kurz und ich versuchte „einfach immer weiter zu laufen“. Soe wie Dory im Film singt: Keep on swimming, swimming, swimming… Nach knapp 4h Gehzeit war dann endlich auch der letzte Steilhang erklommen und die Zelte in Sicht. Ich bekam eine Tasse heisses Wasser in die Hände gedrückt und 10‘ später standen volle Teller vor uns. Für mich ganz klar zu früh, obwohl mein Magen mir Hunger signalisierte - mein Gehirn sagte etwas anderes. Ich begnügte mich mit dem Knabbern an einem Butterkeks,schaffte sogar noch einen zweiten mit viel Tee herunter zu spühlen. Zum Glück ist einer der Köche mein Essverhalten von der Ama schon gewohnt 🤦🏽‍♀️ nach dem Essen gab es noch Dessert, danach warteten wir auf unsere Dufflebags, damit wir unsere Zelte einrichten können. Und das braucht tatsächlich Zeit, wir haben nämlich dieses Mal Boxzelte, in denen man stehen kann, inklusive Vorraum, Licht, Steckdosen, Isolation, Matratze und Fenstern. Alles in allem etwa 6m2 gross und mit Kunstrasen ausgelegt. Was zum Henker haben die sich dabei gedacht? Für mich war das zu viel des Guten, ich war überwältigt und musste einfach weinen vor Glück. Die Qual vom Morgen und dann dieses 5-Stern-Paradies, dann der Anblick des Manaslu, der sich das erste Mal aus den Wolken schlüpfte… zu viel für mich und meine Emotionen. Es brauchte Stunden, um das Ganze zu begreifen und auch jetzt während ich diesen Blog schreibe und schon 24h vergangen sind, bin ich schon wieder fast am Weinen ob dieser Kleinigkeiten, die hier so viel grösser sind. Natürlich braucht man vieles davon nicht, ich meine common, ein Kunstrasenteppich… Aber es ist so viel einfacher, diese Expedition durchzustehen, wenn du dich wohlfühlst und gerne da bist.
 Um 18.30h war Zeit für die nächste Mahlzeit und diese wurde mit einem heissen Tuch eröffnet, um das Gesicht zu putzen. Was für eine überraschende Wohltat nach diesem physisch und emotional anstrengenden Tag. Es gibt meist auch eine Vorspeise, heute eine Pilzcremesuppe und dann Pasta mit Gemüse. Ich bekam eine kleine Portion und schaffte es sogar, den Teller leer zu essen. Das machte mich gleich nochmals ein wenig stolz. Eine weitere Überraschung war der Kuchen, den uns die Köche servierten. Keine Ahnung, wie die das ohne Ofen hinbekommen. Ich genoss ein Ministück und fand ihn sehr fein. Danach war für mich dann aber Ende Gelände, ich war wirklich sehr müde. Darum wollte ich gleich nach dem Kuchen ins Bett. Leider regnete es dann aber so stark, dass ich nochmals eine Tasse Tee trank, bevor ich in mein Paradies zurück kehren konnte, das ich am Nachmittag heimisch eingerichtet hatte.
 Kaum im Schlafsack eingekuschelt, konnte ich wieder nicht schlafen. Es wsren nicht die Regentropfen auf dem Zelt, oder die Steinschläge die man ständig hört, sondern wieder mal der Magen, der sich meldete. Der Klogang half ebenso wenig wie die warme Bettflasche, oder der Seitenlagenwechsel. Ich quälte mich also auch noch durch die Nacht mit Kurzschlafphasen, bis mich die Sonne um 7h weckte. Ein wenig gerädert setze ich mich auf und hatte ziemlich heiss. Das Anziehen ging dann ein wenig langsamer vonstatten, aber der Anblick der sich mir zeigte, als ich aus dem Zrlt schlüpfte, war atemberaubend. Man sah den riesigen Gletscher mit der gesamten Route wolkenlos vor sich. Einfach genial, so etwas zu erblicken nach einer weiteren mühsamen Nacht.
 Das Frühstück war um 8h angesetzt, ich ass nur 2/3 Fruchtstücke und 2 Löffel Joghurt, trank aber ein paar Tees, während Phunuru uns die Route erklärte. Danach machten wir in unserem Camp geneinsam eine Rundtour, damit alle wussten, was wo steht und wer wofür verantwortlich ist. Natürlich war das erste nach dieser Besichtigung der Duschentest. Endlich konnte ich meine Haare wieder mal waschen, seit Kathmandu ist ja schon ein bisschen Zeit vergangen 🤭 es war wundervoll, warm zu duschen und dann frische Kleider anzuziehen. Danach las ich noch ein wenig und schaffte es beim Mittagessen fast meine ganze Babyportion zu essen. Zur Verdauung versuchten Dean und ich uns am Erkunden des nahen Gletschers, wir fanden jedoch keinen gangbaren Weg. Nichtsdestotrotz tat es gut, sich ein wenig die Beine zu vertreten. Jetzt liege ich wieder im Zelt und mache jetzt fertig mit dem Eintrag, da ich wieder mal auf die Toilette muss. Diese ist leider sehr schlicht: ein blaues Fass mit einem Sack drin und der vergeblichen Hoffnung, dass alle beim Kniebeugen das Fass treffen. Wie an der Ama gilt hier wieder die Devise: urinieren irgendwo ausserhalb des Klozeltes, das grössere Geschäft, egal wie flüssig, ins Fass. Beides gleichzeitig am gleichen Ort machen, geht nicht 🤭 trotz diesem kleinen Negativpunkt fühle ich mich wie im Paradies.

Dienstag, 10.September - Manaslu Basecamp

Ein weiterer Ruhetag steht uns heute bevor. Der gestrige Tag ging einmal mehr mit Regen zu Ende. Am Nachmittag habe ich von Claudine den Tipp bekommen, ich solle versuchen, einfach mal eine Portion weissen Reis zu essen, um meinen Magen zu beruhigen. Die naheliegende Lösung scheint manchmal in der Höhe ganz weit weg. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, nach Reis, oder spezifisch nach etwas zu Essen im allgemeinen zu fragen. Ich harrte bisher einfach der Menüs, die da kamen 🤷🏽‍♀️

Nun fragte ich gestern also nach einer kleinen Portion Reis, die ich dann tatsächlich bekam und auch noch mit Hilfe von Aromat essen konnte. Die anderen wurden derweil mit Yaksteak auf dem heissen Stein überrascht. Was die aus der Küche jeden Tag zaubern, ist jenseits von Gut und Böse. Zum Dessert gab es gestern einen Fruchtcocktaim, den ich aber dankend ablehnte. Dafür konnte ich noch ein par Minuten mit Raphael telefonieren, da das Wifi zwischenzeitlich wieder funktionierte. Um 20h gings dann nochmals aufs Klo und ab in den wsrmen Schlafsack. Ich fand nach längerem hin- und her-figuretlen endlich eine bequeme Position zum einschlafen. Der Magen hielt mich nicht mehr die ganze Zeit wach und weckte mich nur 2-3x. Als ich mich mal in der Nacht aus dem Zelt schälte, sah ich einen Hauch von Licht aus der Ferne, das eine schöne Atmosphäre zauberte und mir zeigte, dass ich wieder mal mehr geschlafen, als wach im Schlafsack gelegen hatte.

Am Morgen schien wieder die Sonne und ich versuchte, ein weiteres erfolgloses Mal, auf dem Helipad normalen Handyempfang zu bekommen. Bei den Einheimischen scheint das zu klappen, bei mir leider nicht. So machte ich mich halt auch zum Frühstück, im meinen einmal mehr geleerten Magen mit Währschaftem zu füllen, dass endlich wieder mal ein Tag vergehen würde, an dem ich nicht mehrere Male im WC-Zelt verschwinden müsste. Ich fragte nach Toast und Früchten zum Frühstück. Es kostete mich zwar mehr als eine Stunde, aber ich konnte sowohl drei Portionen Früchte, wie auch einen Nutellatoast hinunter zwängen. Es brauchte Zeit und machte keinen Spass, aber es fühlte sich bei weitem weniger wie ein Kampf an, wie nocv 12h zuvor das Abendessen. Nach dem Frühstück wollte ich eigentlich ein paar Kleidungsstücke waschen, abet leider kam bald der Regen, so dass ich mehrheitlich versuchte, das Wifi zu nutzen, als es lief, die paar Minuten Sonne zu geniessen oder zu lesen und auf dem Handy zu spielen. So vergeht die Zeit auch irgendwie und im haöb 12 sass ich wieder am Mittagstisch für die nächste Portion Reis. Das Internet hat mich schlau gemacht, was neben Reis ebenfalls gut für den Magen wäre: schwarze Schokolade, lang gezogener Schwarztee und weisses Brot. Als Dessert gönnte ich mir also nach dem Reis mit Aromat ein paar Stücke meiner Toblerone, die ich eigentlich für die höherrn Camps mitgebracht hatte. Aber wenn icv meinen Magen nicht bald in den Griff bekomme, wird es keine höheren Camps für mich geben. Zudem teilte Phunuru mit uns lokale Medis, vom Dalai Lama höchstpersönlich gesegnet, damit wit ein langes und gesundes Leben haben. Ich bin extrem berührt ob dieser Geste von Phunuru, teilte er doch etwas sehr Wertvolles mit uns! Er hatte letztes Jahr nach jahrelangem Warten die Möglichkeit bekommen, mit seiner Familie den Dalai Lama in desser Winterpalast zu besuchen und erst gestern erzählte er uns mit glänzenden Augen von diesem für ihn so wichtigen Augenblick. Phunuru ist sehr gläubig, betet sehr viel und achtet extrem auf seine Mitmenschen. Er hat es in meinen Augen verdient, sein grosses Idol zu treffen und sogar zu berühren.

Nun hoffe ich, dass diese Medizin mit dem Reis das Seine tut, damit sich mein Magen endlich, endlich beruhigt. Den Nachmittag verbringe ich nun gerade in meinem Zelt, da mir im Esszelt kalt wurde. Schön eingemummelt im Schlafsack versuche ich ein Stündchen zu schlafen und dann weiter zu lesen.

Donnerstag, 12.September - Manaslu Basecamp

Es ist Donnerstag, der 12.September um kurz nach 14h. Vor ein paar Minuten habe ich mich wieder in meinen Schlafsack eingekuschelt, nachdem ich fast mehr als 6 Stunden in unserem Esszelt gesessen bin. Heute ist unser Ruhetag und wie es scheint, auch der Ruhetag der Sonne. Heute Morgen weckte mich nämlich schon der Regen, der seither nicht aufgehört hat. Zudem ist es deutlich kühler als an anderen Tagen hier im Basecamp. Trotzdem ist heute der erste Tag seit wir Kathmandu verlassen haben, an dem ich mich wieder 100% gesund fühle. Dafür nehme ich den stundenlangen Regen und die Kälte noch so gerne in Kauf. Aber da meine Füsse im Esszelt langsam aber sicher zu Eiswürfeln mutierten, entschied ich mich vorher für den Platzwechsel. Und im Schlafsack habe ich nun auch ein wenig Lust, euch auf den neuesten Stand zu bringen.
 Stehen geblieben waren wir ja am Dienstag Abend vor unserem letzten Akklimatisierungshike, nachdem ich es geschafft hatte, zu jeder Mahlzeit den Teller leer zu essen: Reis zum Mittag- und Abendessen und einen Toast zum Frühstück. An besagtem Abend sass ich wie üblich nach dem Essen noch ein bisschen im Esszelt um zu lesen, dort hatten wir nämlich eine kleine Heizung. Doch ich war müde vom Tag und beschloss deshalb nach einem Kapitel, zurück zum Zelt zu gehen. Auf dem kurzen Weg merkte ich schon, dass ich sehr bald wieder im Klozelt landen würde. Es reichte gerade noch, um kurz meinen E-Reader und das Handy ins Zelt zu legen und dann sah man mich zum Klozelt rennen. Zum Glück ist der Knopf meiner Hose den ganzen Tag schon offen, weil das viele Sitzen sonst unbequem wäre.. Da man im KloZelt generell schon versucht, so wenig wie möglich zu atmen und ich noch dazu meinen Buff vor der Nase hatte, kam ich ziemlich kurzatmig wieder aus dem Zelt raus, nur um Sekunden später abartige Magenkrämpfe zu bekommen. Gerade stehen ging nicht mehr, gehen  nur sehr langsam und atmen war auch nicht gerade einfach. So stand ich da draussen im Dunkeln und fragte mich, ob ich einfach stehen bleiben oder ins Zelt gehen sollte. Also lehnte ich mich an die Steinmauer gleich neben mir und hoffte, dass die Schmerzen so schnell wieder weggehen würden wie sie gekommen waren. Nach ein paar Minuten wurde mir kalt und ich versuchte, die Schmerzen mit einem weiteren Toilettengang loszuwerden. Leider ging dieses Vorhaben nicht auf und so legte ich mich schmerzgekrümmt in meinen Schlafsack, mit der heissen Wasserflasche auf dem Bauch, in der Hoffnung, das würde die Situation verbessern. Ich konnte so tatsächlich eine einigermassen bequeme Stellung finden, die - zumindest für ein paar Minuten - aushaltbar war. Trotzdem war die Aussicht auf eine Nacht mit Schmerzen dieser Art keine Option. Ich überlegte mir, was ich tun könnte, ob ich Phunuru wecken sollte oder einfach Schmerztabletten einwerfen sollte. Doch die Entscheidung wurde mir abgenommen, denn mir wurde mittlerweile auch noch übel von den Schmerzen und der Magen grummelte wieder gefährlich und auf gar keinen Fall wollte ich mein Zelt ruinieren. Also quälte ich mich halb krabbelnd aus meinem Schlafsack wieder nach draussen und rein ins Klozelt. Immerhin war ich dort wie immer zielgenau, jedoch nahm die Übelkeit dort drin noch zu. Also sprang ich sobald ich wieder angezogen war, so schnell wie möglich aus dem Zelt um die gesamten mühsam gegessenen Mahlzeiten vom gesamten Tag wieder rauszuwürgen. War ich froh, dass mittlerweile halb 11 und ich ganz alleine draussen war. Mir ging es hundselend, Magenschmerzen hoch zehn und die gesamte Überwindung zum Essen und zum Trinken für die Katze. Ich holte meine Wasserflasche, spühlte meinen Mund und nahm ein Lutschbonbon, damit ich den fahlen Geschmack wegbekommen konnte. Zurück im Zelt fühlte ich mich ein wenig besser, schwach zwar, aber die Schmerzen waren bis auf ein bisschen immerhin weg. Nun musste ich wieder anfangen zu trinken, und die Gedanken fingen an zu kreisen, denn wo sollte ich nun die Energie für den nächsten Tag aufbringen? Ich hatte danach Mühe einzuschlafen, aber als es dann soweit war, wachte ich bis die Sonne aufs Zelt schien nicht mehr auf.
 Jeden Morgen müssen wir Phunuru kurz berichten, wie es uns geht. Mir graute davor, ihm von meiner Nacht zu erzählen, denn heute war unsere letzte Akklimatisierung geplant vorbder Rotation am Berg. Er war natürlich nicht sonderlich begeistert, und mekte nur, dass uns langsam die Zeit davon laufen würde. Das war mir schon gestern klar gewesen, weshalb ich angefangen hatte, Antibiotikum zu nehmen und die Hoffnung auf das Medikament war nun meine einzige Hoffnung auf Besserung, die mir noch blieb. Zum Frühstück ass ich wieder Toast mit Nutella und beim Bereitmachen für die Wanderung fühlte ich micv alles andere als energiegeladen. Ich wollte aber trotzdem zumindest einen Teil mitmachen, weil der Plan war, bis zim Steigeisenpunkt der Route zu gehen. Die ersten 20 Minuten waren Horror, meine Beine sehr schwach und der Weg sehr steil. Aber nach der ersten Pause schien sich mein Körper zu besinnen, dass er es von meinen Wanderungen in der Schweiz gewohnt ist, mit leerem Magen zu gehen. Ich ging zwar ein wenig langsamer wie die anderen, aber einmal mehr schön stetig dem Ziel entgegen. Rund 1.5h später trafen wir beim Crampon-point auf 5285m ein und ich war überglücklich, dass ich es geschafft hatte und mich nocv dazu einigermassen gut dabei gefühlt habe. Der Crampon point ist der Ort, wo wir auf den Gletscher kommen und die grossen Bergschuhe, inklusive Steigeisen und Klettergurt montiert. Die Schuhe haben wir mitgebracht und in einer Tonne verstaut, so dass wir sie nicht jedes Mal hochtragen müssen. Nach einer längeren Pause, bei der wir auch die weitere Route teilweise betrachten konnten, ging es in rund 40‘ wieder zum Basislager runter, wo ein weiterer Teller Reis auf mich wartete. Am Nachmittag kam dann wieder der Regen, so dass ich mehrheitlich im Schlafsack döste, las oder auf dem Handy spielte und auch kurz noch in der Cafeteria vorbei schaute. Das ist ein weiteres Zelt, das extra für uns, die 14peaks und die Seven Summit treks-Leute aufgestellt wurde und eine Kaffemaschine und viel frisches Gepäck bereit hat. Man kann sicv eifach bedienen, Kaffee bestellen und sich mit den anderen Bergsteigern austauschen.Das Bewegen hat uns allen gut getan und ich fühlte mich viel besser als noch am Morgen. Ich hoffte einfach, dass ich nicht wieder dieselbe Geschichte erleben müsste nach dem Abendessen. Die Angst war unbegründet, denn icv war nach dem nächsten Teller Reis so müde, dass ich schon um 20h im Schlafsack lag und kurz darauf - ohne Grumeln im Magen oder Schmerzen - einschlafen konnte. Und nun ist eben besagter Donnerstag, an dem ich micv das erste Mal nacv dem Aufwachen sehr gut fühlte.
 Sich nach über 40 Minuten scheinen hat der Regen nocv nicht aufgehört und gemäss Vorhersage wird er das bis morgen Abend auch nicht. Wir werden es sehen. Morgen steht für uns nach dem Frühstück die Puja an. Wir sind so ziemlicv die letzte Expedition, die diese durchführt, alle anderen sind darum auch schon auf dem Berh am Akklimatisieren oder werden morgen wieder ins Basislager klmmen. Wir werden also im Regen um die sichere Besteigung anfragen. Ich werde die Puja trotzdem geniessen können, da ich von diesem Ritual schon viele Stunden gelesen habe und es erst meine zweite Puja nach der an der Ama ist.
 Gleich nach der Puja werden wir uns dann aufmachen, um unsere Rotation zu beginnen. Dafür geht es morgen zum Crampon point, wo wir unsere Bergschuhe aus dem Fass holen. Dann geht es über den Gletscher noch etwa 1.5h weiter bis zum Camp 1. dort werden wir 2 Nöchte bleiben. Am Tag dazwischen werden wir ruhen, oder uns ein bisschen im Gletscher austoben. Am Sonntag geht es dann weiter ins Camp 2, wo wir ebenfalls 2 Nächte verbringen werden, wenn alles nach Plan läuft. Am Montag möchten wir in richtung Camp 3 gehen, un die Akklimatisierung voll auszunützen. Am Dienstag geht es dann wieder den ganzen Weg zurück ins Basislager, wo wir uns von der Rotation ausruhen werden können. Soweit der Plan. Nun beende ich meine Ausführungen, wärme meine Hände ein wenig im Schlafsack und döse vielleicht eine Runde. Mir geht es endlich wunderbar und ich freue mich sehr, endlich den Berg erkunden und kennenlernen zu können. Er scheint absolut machbar und ich bin bereit, mich dieser Herausforderung zu stellen und voller Vorfreude auf die Rotation über das Weekend.

Sonntag, 15.September - Manaslu Basecamp

 

Ich liege im warmen Zelt auf 5761m im Camp 1 und höre dem wuseligen und hektischen Geschehen draussen zu. Die Sonne scheint ohne Erbarmen auf mein zu Hause, weshalb ich alle Fenster offen habe. Gerade eben habe ich ein Puzzle gemacht und ein paar Fotos mit den Theos. Obwohl die Devise ist, dass wir so wenig wie möglich mittragen, konnte ich die Theos nicht 4 Tage im Basislager lassen. Bis jetzt gefällt es ihnen auf jeden Fall. 

Wir haben unsere komplette Rotation um einen Tag verschieben müssen, da das Wetter am Freitag miserabel war. Unaufhörlicher Regen, Windböen und das den ganzen Tag. Die Puja war für alle eine Herausforderung. Zuerst musste aus Leitern und einer Blache ein dichter Unterstand gebaut werden. Dann die Matratze für den Lama und seinen Assistenten trocken zum Unterstand gebracht werden. Der Juniper war nass und musste angezündet werden, während die Opfergaben ebenfalls einigermassen zrocken zum Pujastein gebracht werden mussten. Alle Sherpas halfen mit, trotzdem fingen wir ein wenig verspätet an. Die Puja dauerte rund 2h, in denen der Lama und sein Assistent unaufhörlich die Gebete sangen, oft mit Trommelunterstützung. Die Gebete sind immer abhängig von der Umgebung, denn nicht nur der zu besteigende Berg ist wichtig, sondern auch alle die darum herum liegen. Am Manaslu sind das einige Dinge, die zu besingen sind. Zwischendurch werden immer wieder Getränke und Esswaren in den Himmel georgen, Kerzen angezündet und mehr Juniper verbrannt. Irgendwann werdenn dann die Gebetsfahnen ausgepackt, an einen Pfosten gebunden und in 5 Richtingen über das Camp gehängt. Und all das passierte im strömenden Regrn. Gegen Schluss wird Reis und Mehl verteilt und auf Kommando in die Luft geworfen. Danach wurde jeder einzelne Teilnehmer noch separat mit einem Glücksbändeli und einer weissen Kata gesegnet, dass wir eine sichere Passage am Berg haben werden. 

Wir konnten auch noch ein Gruppenfoto mit dem Lama machen, bevor er zur nächsten Puja ging. Der Arme hatte sn dem Regentag 3 Pujas und danach bekam er bei uns im Esszelt noch etwas zu Abendessen, und einen Schlafplatz, bevor er am nächsten Tag um 6h wieder zurück nach Damagaon spazierte. 

Wir wärmten uns nach der Puja erst mal ein wenig suf im Esszelt, bevor ich mich kns Zelt zurückzig, um den Rest für die Rotation zu packen.  Am Samstag wachten wir dann wieder mal ihne Regentropfen auf. Es war ein schöner Morgen, den wir gemütlich in Angriff nahmen. Erst ftühstücken, nochmals den Weg besprechen, fertig packen, ein leichtes Zmittag essen und dann um kurz nach 12h gingen wir los. Der Weg war sehr nass und kurz vor dem Basecamp-Ende lag dchon Schnee. Trotzdem gibg es gut zum Laufen. Beim Crampon point wechselten wir unsere Schuhe und gingen nochmals 2h weiter bis zum oberen Camp 1. das untere wäre zwar näher gewesen, abee nochmals 150m tiefer. Im Camp 1 angekommen erwartete uns schon heisser Tee und ein tolles Esszelt. Leider fühlte ich mich nach der Ankunft nicht mehr so toll, was dann wieder in einem Magenleeren gipfelte. Das Abendessen fiel für mich darum aus und ich landete schon um 18h im Bett. Ich versuchte in der Nacht regelmässig zu trinken, was mir auch gelang. Aber essen konnte ich nicht. Auch quälten mich heftige Kopfschmerzen, aber die Tabletten hatte ich schon rausgekotzt, deshalb wollte ich krinr mehr nehmen. Nichtsdestottotz konnte ich auch  ein wenig schlafen und als mich die Sonne um kurz vor 6h weckte, fühlte ich mich ganz okay. Ich konnte zum Frühstück sogar ein paar Cornflakes verdrücken. Nach dem Frühstück machten wir uns bereit, um ein bisschen in den Gletscher in Richtung Camp 2 zu gehen. Das Ziel war, ungefähr 1 Stunde hoch zugehen und wir endeten am Fuss der ersten sehr langen steilen Stelle. Dort staute es sich etwas, weshalb wir beschlossen, dort umzukehren. Bis dahin waren wir rund einen Kilometer und 230 Höhenmeter weit gekommen. Ich vermute, dass es etwa ein Viertel des Weges zum Camp 2 war. Ob ich Recht habe, werden wir morgwn herausfinden. Es war sehr heiss, weshalb ich schon ein wenig litt heute. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ich wieder fast nicht gegessen hatte. Zurück brauchten wir dann nur noch eine halbe Stunde und so sasssn wir um 11h schon wieder im Esszelt. Kurze Zeit später bekamen wir Mittagessen. Ich ass nochmals Cornflakes, weil das am Morgen so gut runter ging. Zum Abendessen versuche ich dann wieder was Richtiges zu essen. Heute kommen sehr viele vom Basislager hoch, weshalb Duzende Zeltplattformen geglättet und Zelte aufgebaut werden. Mal schauen, wie die Nacht mit so vielen Leuten hier oben sein wird. 

Wir haben uns in Samagaon mit Allan und Tim von Everest One angefreundet, die jeweils einen Tag hinter uns im Plan sind. Gestern sind sie auch zum Camp 1 hochgekommen. Leider bekam Tim beim Aufstieg so starke Rückenschmerzen, dass es ihn ganze 7h kostete bis er endlich ankam. Danach hat er sich gleich in den Schlafsack gelegt und seitdem konnte er nicht mehr gehen oder stehen vor Schmerzen. Essen geht auch nicht und atmen nur sehr schwer. Es tut uns allen leid, ihn so zu sehen und wir alle hofften, dass er uns nach unserem kleinen Wandersusflug heute im Esszelt begrüssen würde. Leider geht es ihm überhaupt nicht besser, auch mit Media nicht. Zum Glück konnte Phunuru im Verlauf des Nachmittags einen Rettungsflug organisieren. Wenn das Wetter hält, was es verspricht, wird Tim morgen früh mit dem Heli abgeholt, und mit einem Zwischenstopp im Basecamp, wo seine Taschen eingeladen werden, dorekt ins Spital nach Kathmandu geflogen. Allan versucht mitzufliegen, aber wahrscheinlich geht das aus versicherungstechnischen Gründen nicht. Falls dem so ist, wird er morgen nach dem Abflug von hier zum Basecamp gehen, seine Taschen packen und dann weiter nach Samagaon runter gehen, wo er dann hoffentlich übermorgen einen Heli nehmen kann, um Tim wieder in Kathmandu zu treffen. Tim geht es mit dieser Entscheidung gut, Sicherheit geht vor und ein solcher Flug ist viel weniger risikoreich als von Camp 2, oder noch schlimmer, irgendwo dazwischen. Wir fühlen mit ihm mit, und hiffen, dass es ihm bald besser geht und mit dem vielen Sauerstoff in der Stadt auch wieder atmen kann. Diese Geschichte zeigt, wie schnell der Traum der Besteigung zu Ende sein kann und wie glücklich wir uns für die letzten 2 Wochen schätzen können. 

Ich habe nun auch schon zu Abend gegessen (ein wenig fried rice konnte ich essen) und liege jetzt wieder im nicht mehr so warmen Zelt, wo ich noch ein paar Kapitel lesen werde, bis ein wenig Ruhe im Camp einkehrt. 

Mittwoch, 18.September - Manaslu Basecamp

Die zweite Nacht im Camp 1 war ein wenig lauter als die erste. Neben meinem Zelt war kurz vor dem Eindunkeln noch ein weiteres Zelt hingestellt worden und darin befand sich offenbar ein guter Schnarcher. Trotzdem kam ich auf einige Stunden Schlaf in meinem kleinen gelben Zuhause. Wir hatten vor, am nächsten Tag zum zweiten Camp aufzusteigen und ich freute mich auf den Tag im Eisfall. Wir assen zuerst unser Frühstück, bei mir war das wieder ein bisschen Cornflakes mit Schwarztee, und packten unser Material das wir im Camp 2 brauchten in einen Sack. Unsere Sherpas Ang Karma, Chirrin und Mingma würden unsere Schlafsäcke, Daunenhosen und dicken Daunenjacken für uns ins nächste Camp bringen. Wir trugen unsere Regenklamotten, Getränke und Snacks hoch. Die Gewichtverteilung ist natürlich in einem riesigen Ungleichgewicht, aber wir taten unser Möglichstes, um so wenig wie möglich mit zu nehmen. Wir verabschiedeten uns auch noch von Tim und Allen, die damit rechneten, dass Tim in den frühen Morgenstunden ausgeflogen werden würde. Dass der rettende Heli erst am nächsten Vormittag kommen würde, wusste bis dahin noch niemand. Phunuru liess uns extra mit Ang Karma losgehen, damit er den erwarteten Heli einweisen könnte. Er wartete im Camp 1 bis halb 1 und als das Wetter nicht besser wurde, kam er uns trotzdem nach, anstatt weiter darauf zu hoffen, dass der Heli kommt. Die Wolkendecke zwischen Basislager und Camp 1 war leider einfach zu dick für den Flug. Wir bekamen davon nichts mit, waren wir doch inmitten des Gletschern, umzingelt von Spalten unterwegs. Immer schön gesichert an den hervorragend angebrachten Fixseilen. Die Route ist ziemlich einfach erklärt. Zuerst schlängelt sie sich für ca. 20 Minuten um die Spalten. Dann geht es 5m steil eine Eiswand hoch, bevor es wieder einigermassen flach zum ersten Steilstück kommt. Dieses ist ungefähr 30m lang und für uns gut zu begehen. Danach kommt die einzige Leiter, die es zu überqueren gibt, etwa 7m lang und über eine nicht wirklich sichtbare Spalte. Danach geht es wieder zweimal 5m steil hoch, bevor die nächste kurze Traverse zum nächsten langen Steilstück führt. Dieses ist wiederum etwa 25-30m vertikal. Dort mussten wir leider ca.20Minuten warten, da die Gruppe vor uns nicht gerade die schnellsten Kletterer dabei hatte. Leider haben wir nach dem Überwinden dieser Vertikalen gleichzeitig Pause gemacht, wie die Langsamen vor uns. Das rächte sich nämlich bei der dritten Steilstelle. Diese ist ca.60m hoch und hat wie alle anderen Steilstufen jeweils ein Fixseil zum Aufsteigen und eines zum Absteigen. Wenn jetzt also ein Kletterer am Aufstiegsseil hängt und sich nicht mehr bewegen kann oder will, heisst das für alle Stopp. Wir konnten dem ganzen Treiben volle 40 Minuten zuschauen, bis auch wir endlich an der Reihe waren. Zum Glück war das Wetter okay und keinem war kalt. Wir verloren unseren Humor nicht, wussten aber, dass wir in Zukunft diese Situation vermeiden müssen, da es schnell kippen könnte wegen der Sicherheit.

Nach dem letzten Steilstück folgen nochmals ca.40 Minuten Traversen, bis man den unteren Teil des Camp 2 erreicht. Wir gingen jedoch weiter über einen letzten Hügel, da unsere Zelte am oberen Ende des Camp 2 stehen. Diese erreichten wir etwa nach 4h und in bester Gesundheit. Niemand von uns litt an der Höhe, und jeder hatte die Kletterei trotz Wartezeit in vollen Zügen genossen. Wir hatten nun alle Zeit der Welt unsere Matratzen aufzupumpen, den Schlafsack auszurollen und so viel zu trinken und zu essen wie nur möglich. Auf Anfrage wo man hinpinkeln dürfte, schnappte sich Ang Karma gleich eine Schaufel und baute uns eine kleine Toilette. Den Rest des Nachmittags dösten wir, las ich oder schauten wir den Wolken zu, wie sie über die vielen hohen Berge zogen. Die gesamte Aussicht zeigte sich uns an diesem Tag noch nicht. Trotzdem schien mehrheitlich die Sonne und im Zelt war es entsprechend warm. Um kurz nach 3 stand plötzlich Phunuru vor meinem Zelt mit einem riesigen Grinsen. Wir hatten eigentlich nicht mehr damit gerechnet, dass e4 hochkommt, da wir über Funk mitbekommen hatten, dass kein Heliflugwetter war. Er wollte uns aber wohl nicht alleine hier oben lassen. Auch er war ein wenig im Stau gesteckt, war aber wohl weniger geduldig als wir es waren. Um kurz vor 18h bekamen wir eine scharfe Gemüsesuppe zum Abendessen, das bei mir mit Reis abgerundet wurde. Ich schaffte immerhin die Hälfte der Schüssel in meinen Magen zu bekommen. Danach wurde es schnell kalt und ich verschwand in meinem Schlafsack für meine höchste Nacht ever. Denn auf all meinen Bergabenteuern war meine höchste Nacht auf 6000m und heute stiegen wir bis auf 6269m hoch.

Grundsätzlich schlief ich gut, obwohl ich oft erwachte. Als ich mich einmal zum Pinkeln aus dem Schlafsack schälen musste, wurde ich dafür mit einem wolkenfreien Himmel belohnt. Die Hügel oberhalb Camp 2 vom Vollmond beschienen und wunderschön. Genau wegen solchen Momenten möchte ich weiterhin nicht in eine Pinkelflasche im Zelt pinkeln, sondern nehme die paar Minuten Kälte ausserhalb des Schlafsackes in Kauf. Gemäss Phunuru sind alle Camps sicher und flach genug für mein Vorhaben. Mal schauen wie das weiter oben wirklich ist.Auf jeden Fall weckte mich um kurz vor 6h mein Wecker aus dem Schlaf. Der Plan für den nächsten Tag war einfach: Frühstück um6h und je nachdem wie es uns allen geht, geh5 es entweder den Berg hoch ode4 den Berg runter. Da wir uns alle prächtig fühlten, beschlossen wir, eine Stunde in Richtung Camp 3 zu gehen und dort eine lange Pause zu machen. So stapften wir also im gemächlichen Tempo gen Camp 3 und anscheinend schafften wir in der Zeit fast die Hälfte der Strecke. Phunuru überliess uns die Entscheidung, ob wir noch ganz zum Camp gehen wollten, aber die Aussicht war so schön und der Weg bis zum Basislage4 noch so weit, dass wir uns entschlossen, nicht weiter hoch zu gehen. Wir blieben also fast eine Stunde auf knapp 6489m und genossen schlicht die fantastische Aussicht der vielen verschiedenen Bergketten.

Danach ging es in knapp 15 Minuten wieder zum Camp zurück, wo wir Tee bekamen und unser ganzes Material wieder zusammen packten. Den Schlafsack bekam ich erstaunlich schnell in den Packsack, verglichen mit der Höhe in der wir uns befanden. Um kurz nach 10h machten wir uns auf den Weg zu unserem vertrauten Basislager, um die Rotation erfolgreich zu beenden.

Was wir nicht wussten, ist dass quasi die halbe Bevölkerung des Basislagers an diesem Tag im Aufstieg zum Camp 1 ode4 Camp 2 war.. schon bei der ersten Steilstufe mussten wir einige Minuten warten, bis das Abstiegsseil leer war. Bei der nächsten Stufe war es noch schlimmer. Beide Seile wurden von seeeehr langsamen Aufsteigern benutzt, die sich noch dazu gegenseitig blockierten. Wir warteten sicher eine halbe Stunde bis endlich ein Seil leer war und Phunuru sich nach unten bewegen konnte. Er machte dort unten relativ schnell die Bedingungen klar und ermöglichte es uns, uns endlich abzuseilen. Auch bei der nächsten Abseilstelle war das gleiche Bild zu sehen, nur dass wir nur auf 3-4 Kletterer warten mussten. Bei den Traversen kreuzten wir Duzende sehr langsame Kletterer mit ihren Guides und uns war allen klar, dass wir um jeden Preis verhindern müssen, dass wir hinter einer dieser Gruppen auf unserem Gipfelversuch stecken bleiben.

Im Camp 1 gab es nach den knapp mehr als 2 Stunden Abstieg dann Suppe und Snacks mit Tee und wir gingen unser gesamtes Material nochmals durch. Viele Dinge können wir hier für den Gipfelversuch zwischenlagern. Danach ging es mit dem Abstieg nochmals eine Stunde runter bis zum Crampon Point. Auch hier kreuzten wir Duzende, zum Teil sehr langsame Kletterer. Der Schuhwechsel beim Crampon point war eine Wohltat und die restlichen 45 Minuten Richtung Basislager ein gemütliches Auslaufen der Rotation. Im Lager angekommen waren wir alle sehr zufrieden mit den vergangenen Tagen und wir alle drei waren happy Wiedereinstieg der Zivilisation zu sein. Sofern man das im Vergleich zum Alltag zu Hause so nennen kann.

Zuerst genossen wir ein verspätetes Mittagessen, es war schon nach 14h und danach konnten wir der Reihe nach eine heisse Dusche geniessen. Was für eine Wohltat nach 10 Tagen ohne Dusche. Meine Haare wussten zuerst gar nicht, wie ihnen geschah ;)

Nach der Dusche verbrachten wir Zeit im warmen Esszelt, um uns nicht wegen der nassen Haare zu erkälten und um der Aussenwelt zu berichten, dass wir wieder zurück sind.Zum Abendessen gab es chinesisches Essen vom Feinsten. Für mich zuscharrt, aber die anderen genossen es in vollen Abzügen. Und ehrlich gesagt war es auch schön, neben Reis und Karotten mal was anderes dazu zu bekommen. Nach dem Essen kamen dann unsere Sherpas auch noch vorbei, um gemeinsam auf die erfolgreiche Rotation anzustossen. Um 20h war bei uns dreien aber dann Ende Gelände, wir waren vom langen Tag und der eher kurzen, unerholsamen Nacht zu müde um noch länger wach zu bleiben. So verabschiedeten wir uns von unseren Helden und schlüpften allesamt glücklich in den Schlafsack.

Donnerstag, 19.September - Manaslu Basecamp

 

Die erste Nacht zurück im Basecamp war herrlich erholsam. Ich schlief fast durch und fühlte mich am Morgen sehr ausgeruht, obwohl es erst kurz vor 6h in der Früh war. Ich nutzte die Ruhe vor dem Frühstück, um noch ein wenig zu lesen. Heute war unser erster geplanter Ruhetag und dieser sollte für uns völlig stressfrei sein. Um 8h sass ich dann im Esszelt und im Austausch wurde offensichtlich, dass alle eine super Nacht hatten. Ich bin darüber extrem froh, denn es ist für die Gruppe noch viel besser, wenn es allen gut geht. Phunuru war auf jeden Fall ebenfalls sehr happy, als er hörte, dass wir alle super geschlafen haben. 

Die aktuellen Resttage sind hauptsächlich dazu da, so viel wie möglich zu essen, zu ruhen und wieder zu essen. Da sich mein Magen und mein Kopf mittlerweile beruhigt haben, fällt mir das äsen deutlich weniger schwer. Ich kann mich ein wenig überwinden und sogar ein wenig über den Hunger hinweg essen. Nicht dass ich – abgesehen von gestern Abend – mal Hunger gehabt hätte… 

Aber egal. Da heute wunderschönes und sonniges, Wolkensteins Wetter war, nutzten wir den Tag, um ein wenig Wäsche zu machen. Das geschieht hier sehr Oldschool. Man bekommt einen seiner mit heissem Wasser und dann jeweils eine Schüssel, die man nach Bedarf mit dem warmen Wasser füllt. Dann nimmt man ein Kleidungsstück und eine Seife und los gehts. Unser Stiel war hauptsächlich, den Klamotten einen besseren Geschmack zu geben. Sauber mussten sie nicht sein, aber sauberer riechen als zuvor ;) 

Ich hatte eigentlich noch genug Kleider, aber trotzdem wusch ich einiges, damit ich auch nach dem Gipfelsturm in Samagaon vielleicht noch ein frisches Shirt anziehen kann. Ma n Weiss ja nie, wie lange man auf dem Rückweg irgendwoher Dusche stecken bleibt. Ich sage das, weil ich euch nämlich noch den Rest der Geschichte von Tim und Allan schulde. Vielleicht erinnert ihr euch an Tim, den man im Camp 1 mit dem Heli abholen sollte. Das Flugwetter war ja am Montag nicht gut und so musste der arme Kerl bis Dienstag Vormittag im Zelt ausharren. Also alles was er zusammen gepackt hatte, wieder für die Nacht auspacken und am nächsten Tag wieder einpacken. Er wurde etwa zur gleichen Zeit nach Kathmandu ausgeflogen, wie wir in Richtung Camp 3 unterwegs waren. Der Heli machte im Basecamp noch eine Zwischenlandung, um seine Sachen dort ebenfalls mitzunehmen. Unser Küchen-Goldschatz Devras hatte seine Taschen am Tag zuvor gepackt. 

Allan’s Odyssee ist jedoch noch nicht beendet. Nachdem der Heli weg war, machte er sich mit Dawa, ihrem Nepali Guide, zu Fuss auf den Weg zum Basecamp. Bei einer Rettung ist es dem Piloten nämlich nur erlaubt, genau die eine Person mitzunehmen, sonst gilt es nicht mehr als Rettungsflug, sondern als Personentransport und dann zählt die Bewilligung nicht und die Versicherung bezahlt auch nicht. Ziemlich viel Bürokratie für so ein Land. Als Allan und Dawa im Basecamp waren, packten sie ihre 7 Sachen und gingen gleich weiter nach Samagaon. Offensichtlich sind sie immer noch dort und warten auf einen Heli, den man füllen kann. Denn im Moment braucht es diese nicht und einen leeren Heli zu chartern, kostet um die 4000$. Im schlimmsten Fall wird Allan immer noch in Samagaon stecken, wenn wir von unserer Gipfeltour zurück sind. Er tut mir ein wenig Leid, da er sich so auch nicht wirklich um Tim kümmern kann in Kathmandu. 

Nun wieder zurück zu unserem Tag im Basecamp. Das Waschen war gemütlich und wir hatten genug Seile um unsere nassen Shirts, Socken, etc in die Sonne zu hängen. Diese war sehr stark, so dass am Abend der grösste Teil auch schon trocken war. Wir sassen auch danach noch bis zum Mittagessen in der Sonne und tauschten uns untereinander und mit anderen Expeditionsteilnehmer aus. Es sind im Moment zwar viele am Berg, aber irgend jemand ist ja immer da. Ich hatte auch die Gelegenheit mit einer Legende zu sprechen. Kamirita Sherpa sollte jedem ein Begriff sein, der schon mal über Rekorde im Himalaya gelesen hat. Er hat in diesem Jahr den Everest 2x bestiegen und nun total 30 Besteigungen in seinem Portfolio. Nicht zu reden von den Dutzend anderen 8000m Gipfeln, die er erfolgreich bestiegen hat. Ich bewundere Kamirita schon seit Jahren, denn er besteigt die Gipfel jeweils mit Kunden und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er alle 30x gute, fitte, demütige Personen dabei hatte. Er strahlt eine gewisse Ruhe und ein natürliches Interesse aus und es war mir wirklich ein Ehre, dass er sich die Zeit nahm, mit mir zu plaudern. Er und Phunuru sind seit Jahrzehnten miteinander befreundet und schon sehr viel Zeit miteinander am Berg verbracht. Ich konnte nicht widerstehen und musste ein Foto mit dieser Legende machen. Ähnlich wie Roger Federer für das Tennis ist Kamirita Sherpa der Einfluss für die Nepali Sherpas. Also wer bisher noch nie was von ihm gehört hat, der sollte ihn schnellstmöglich googeln. 

Das Mittagessen diente zur Füllung unseres Energiespeichers und war ein Burger mit Kartoffeln. Ich ass ihn ganz auf, obwohl es für mich zu viel Käse drin hat. Aber eben: Kalorien müssen sein und wenn das Überwinden schon klappt, dann nutze ich das auch schön aus. 

Am Nachmittag kamen langsam die Wolken und ich schlenderte von Zelt zu Esszelt zu Cafezelt und wieder zurück. Ich wollte mein Buch fertig lesen, machte wieder mal eines der mitgebrachten Puzzles und telefonierte noch ein paar Minuten mit meiner Schwester und Mutter. Heute beginnt nämlich die Puzzle Weltmeisterschaft, die ich leider dieses Jahr verpasse. Es fällt mir schwer, heute nur rumzusitzen und zu essen, während ich eigentlich an der WM meinem letztes Jahr knapp verpassten Top10 Platz holen könnte. Aber es ist Part of the game, dass ich für mein Everestprojekt hin und wieder auf andere tollte Erlebnisse verzichten muss. Das ist mit ein Grund weshalb ich irgendwie auch froh bin, wenn der Everest nicht mehr Allan, sondern Erinnerung ist. Bis dahin geht es aber noch ein bisschen und das muss ich aushalten können. Heute fällt mir das gerade sehr schwer, vor allem als ich die Puzzles in der ersten Runde sah. Ich hätte das so was von gerockt! 

Nun denn, ich hatte ja noch ein spannendes Buch, das ich fertig lesen konnte. Buch Nr.4 ist nun fertig. Zum Abendessen bekamen wir Spaghetti auf heissem Stein mit Spiegelei und Kartoffeln. Der Menüplan des Kochs ist durchschaubar: Kohlenhydrate und Proteine an den Ruhetagen ;) 

Danach schrieb ich gestern endlich den Blog fertig für die Tage am Berg und versuchte ein wenig im Livestream meine Mutter zu spotten. Da das Wifi zu schwach dafür war, klappte das leider nicht so ganz. Immerhin schaffte ich es die Resultateseite zu laden, so dass ich vor dem Zubettgehen wusste, wie sie angeschnitten hatte. Meine anschwebtet war als nächstes dran, aber das war dann zu spät für mich. Ich konnte danach zwar lange nicht einschlafen, aber das war nicht so schlimm. 

Heute skorten wachte ich trotzdem erholt auf und das erste was ich machte, war natürlich, die Resultate der WM zu checken. Auch meine Schwester schaffte das Puzzle fertig, was mich richtig stolz auf die beiden macht. Leider qualifizierten sich beide in ihren Qualigruppen nicht für die Halbfinals, aber sie hatten Spass und das ist die Hauptsache. Heute um 16h steht das Paar an und da sind sie viel besser. Ich hoffe, der Livestream wird heute Abend klappen. 

Für uns stand um 8h wieder Frühstück an. Dieses Mal Toast und Bananenlassi, wovon ich sogar Nachschlag bestellte. Jetzt ist es knapp 9.30h und mein Plan ist es nachher diesen Blog hochzuladen und dann in der Sonne ein wenig zu streichen. Es ist wieder ein Prachtstag und das müssen wir geniessen. Die Wetteraussichten für die nächsten Tage sind gut und es steht eigentlich nichts mehr zwischen uns und dem Gipfelversuch, ausser die Resttage. Was ich noch vergessen habe: gestern Nachmittag, ungefähr um 15.30h hat das Fixingteam den Gipfel erreicht. Das heisst, die Route ist offen und der wichtigste Teil bei der Besteigung eines 8000m Gipfels erreicht. Die Jungs sind mittlerweile wieder sicher im Basecamp zur Erholung. Ich bin ihnen unendlich dankbar, dass sie diesen so schwierigen, anstrengenden und gefährlichen Job für uns machen. Ohne sie wäre nicht mal das Träumen des erreichen eines solchen Gipfels möglich. 

Samstag, 21.September - Manaslu Basecamp

 

Seit meinem letzten Eintrag ist nicht so wahnsinnig viel passiert. Am Donnerstag war ich den ganzen Vormittag mit meinem Mätteli in der Sonne. Habe gedehnt und gelesen und getrunken. 

Nach dem Mittagessen war das Programm etwa dasselbe, nur dass ich hauptsächlich auf dem Stuhl draussen gesessen bin. Zusätzlich haben wir am Nachmittag noch unsere Snacks für den Gipfelsturm bereit gelegt. Das Ziel ist es, nicht zu viel und nicht zu wenig dabei zu haben. Wir durften im Logistikzelt so viele Snacks wie wir wollten auswählen. Ebenfalls musste das Abendessen in Camp 4 gewählt werden. Ich habe dafür von zu Hause was mitgebracht, da ich fast sicher war, dass die Auswahl meinem Magen nicht entsprechen würde. Ich hatte Recht, deshalb bin ich froh, über meine Voraussicht und der Packung Nudeln mit Gemüse. Von den Snacks habe ich nicht wirklich viel ausgewählt. Ich halte mich lieber an meine gewohnten Riegel und M&m‘s. 

Nach der Auswahl mussten wir diese in 2 Säcke aufteilen: C3 und höher wird von unseren Sherpas morgen hochgetragen und C1-C3 von uns mitgetragen. Ebenfalls mussten wir bis zum Abendessen unsere Gipfel-Handschuhe, Handwärmer, Gipfelsocken, etc bereit haben, da das unsere Sherpas ebenfalls morgen mitnehmen. Das Ziel ist ein leichter Rucksack für uns, damit wir Energie sparen können und somit genug im Köcher haben für den Gipfel. 

Zum Abendessen gab es feine Kartoffeln und ich schaffte einmal mehr, den Teller leer zu essen. Aber ich freue mich jetzt schon darauf, wenn ich nicht mehr 3x am Tag essen muss. 

Die Nacht auf Freitag war wieder schön erholsam, auf dieser Matratze schlafe ich wirklich gut. Die Helligkeit weckt mich jeweils rund um 6h. Was nicht so schlimm ist, da um diese Zeit das Wlan meist ziemlich zuverlässig funktioniert. Gestern habe ich die Zeit genutzt, um mich wieder auf den neusten Stand der Puzzle-WM zu bringen. Gestern Nachmittag war das Wlan nämlich unbrauchbar. So erfuhr ich erst am Freitag morgen, dass meine Schwester und Mutter in der Paarkategorie die Quali für die Halbfinals um 10 Sekunden und ein fehlendes Teil verpasst haben. Das finde ich für die zwei extrem schade! Sie werden dir Zeit in Valladolid aber sicher weiter geniessen können. 

Gestern war nach dem Frühstück für uns Zeit, uns mit dem Sauerstoffsystem bekannt zu machen. Ab Camp 3 werden wir mit Sauerstoff zu schlafen beginnen und auch das Gehen wird ab da mit Sauerstoff geschehen. Zuerst hatte ich eine Maske in Grösse M, die mir fast bis zu den Augen reichte. Sie fühlte sich irgendwie nicht ganz so passgenau an. Deshalb machte sich Phunuru auf die Suche nach einer S-Maske, die er auch schnell fand. Diese schmerzt zwar ein wenig auf dem Nasenrücken, aber passt viel besser. Der Schmerz wird dann wahrscheinlich in der Höhe ausgeblendet werden können oder ich muss mich darauf einstellen. Aber das bekomme ich schon hin. Es fühlt sich ein wenig so an wie die Kindertaucherbrillen von früher. Die Maske ist aus Hartgummi und das fühlt sich noch ein wenig komisch an. Die Regulation und Kontrolle ob der Sauerstoff richtig fliesst, wissen wir jetzt auch. Für den Fall der Fälle weiss ich also was zu tun ist. Wir werden 1800l in 7kg-Flaschen benutzen. Was uns auch bei hoher Flussrate locker reichen sollte. Ich bin gespannt darauf, wie das laufen und schlafen damit sein wird. Ich hoffe, es ist wirklich eine Erleichterung und nicht ein Erschwernis. 

Nach der Sauerstoffübung war schon wieder Zeit für das Mittagessen: Tagliatelle mit Kartoffeln. Ich habe dieses mal sogar 2x Nachschlag genommen und sass danach kugelrund am Tisch. Meine Hose wird wieder ein wenig unbequem, ich habe also die Ruhetage brav genutzt, um wieder ein wenig Energie zuzulegen :) 

Den Nachmittag verbrachte ich in meinem Zelt. Denn es regnete wieder ein wenig und da wird es im Esszelt immer ein wenig kühler. So spielte ich also ein wenig, las weiter in meinem mittlerweile 5.Buch und machte mrine Apotheke noch bereit. Ich muss ja nicht die ganze Ration Tabletten und Pflaster mitnehmen. Auch hier gilt: nicht zu viel und nicht zu wenig. Ebenfalls konnte ich ein letztes Mal vor dem Gipfel kurz mit Raphael telefonieren. Es fällt mir aber mittlerweile ziemlich schwer, nicht über den Gipfelversuch nachzudenken. Es fühlt sich an wie wenn ein grosser weisser Elephant konstant mit mir mitlaufen würde und ich den völlig ignorieren soll. Das wird je länger je mühsamer. Darum bin ich froh, dass wir am Samstag, also heute losgehen können. 

Die Nacht war wieder super, ich konnte relativ schnell einschlafen und wachte nur 2-3x kurz auf. 

Der Plan für heute ist einfach: Frühstücken, Rucksack packen, alle Geräte laden, frühes Mittagessen und dann zwischen 12.30 und 13h los zum Camp 1. morgen geht es dann von c1 zum C3, mit kurzer Trinkpause in C2. Am Montag gehen wir das lange Stück von C3 bis C4 und in der Nacht auf Dienstag geht es von C4 auf den Gipfel und dann alles wieder runter. Mein Ziel ist es, am Dienstag Abend wieder im Basislager zu sein. Wir werden sehen, ob meine Beine und mein Kopf das auch so mitmachen werden. Wenn es nicht geht, werde ich irgendwo im C2 oder C1 übernachten und am Mittwoch im Basislager zurück sein. Im Groben trennen mich rund 20h Gehzeit vom Gipfel und 30h Gehzeit von der Rückkehr ins Basislager. Das sollte zu schaffen sein, oder?! Ich bin guten Mutes und ein wenig nervös. Aber ich habe mich gut vorbereitet und fühle mich auch sehr gut. Die ersten Gipfelstürmer sind in den letzten beiden Tagen ins Basislager zurück gekommen, was hörbar gefeiert wurde. Das hat mich schon ein wenig eifersüchtig gemacht. Zudem frage ich mich oft, wie ich mich nach der Rückkehr fühlen werde, egal ob ich den Gipfel erreiche oder nicht. Und Asha, eine junge indischstämmige Amerikanerin ist gestern schon in Richtung Gipfel aufgebrochen. Ich wäre am liebsten mitgegangen, weil die Ruhetage echt nicht ganz ohne sind. Wir werden Asha am Montag kreuzen und ihr hoffentlich gratulieren dürfen. Der Grund weshalb ich lieber gestern als heute losgegangen wäre, ist das Wetter. Ab dem 25.abends soll eine grosse Gewitterfront kommen, die sich bis zum 1.Oktober halten soll. Ich sehe uns schon in Samagaon für ein paar Tage festsitzen weil die Heli nicht fliegen können. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ich das ganz schlimm finden würde. Denn nach einer Expedition zieht es mich immer nach Hause. Darum hoffe ich jetzt einfach, dass mit dem Gipfelversuch alles gut läuft und wir danach vielleicht ein Quentchen Glück bei der Rückkehr nach Kathmandu haben. 

Nun ist es aber erst mal Zeit für das letzte Basecampfrühstück bis Mittwoch 🤗 

Samstag, 21.September - Manaslu Basecamp zum Camp 1

 

Heute ging es los mit unserer Gipfelrotation. Wir starteten den Tag wie gewohnt mit dem Frühstück um 8h. Wir würden erst nach dem Lunch loslaufen, weshalb wir den Tag gemütlich angingen. Jeder ladete noch seine Sieben Elektrosschen, damit wir am Berg auch sicher Fotos machen könnten. Ich ging danach in mein Zelt, um nochmals meinen Rucksack in Ruhe zu packen und sicherzustellen, fass ich nicht zu viel und nicht zu wenig dabei haben würde. Danach las ich noch ein bisschen, bis ich dachte, es sei bereit füt den Lunch. Es gsb Frühlingsrollen mit Kartoffeln und Eiern und ich gsb meine Frühlingsrollen gerne ab. Dafür nahm ich noch eine zweite Portion Nartoffeln. Nach dem Lunch gab es nochmals eine kleine Mini-Puja, bevor wir aufbrachten. Diese Mini-Pujas machen mich immer extrem emotional, denn man weiss halt einfach nie, ob sie einem wirklich den Schutz gibt, den man sich dabei erhofft. Die ersten Meter waren dann schwierig, da mir vollkommen bewusst war, das es jetzt wirklich und wshrhaftig losgeht. Den Weg zum Crampon Point kennen wit schon in und auswendig. Heute war der Schnee wieder bis zum Fass mit unseren Schuhen weg geschmolzen und wir kamen in 1h ind 10 Minuten schon dort an. Der Schuhwechsel war auch schnell erledigt und weiter ging es Richtung Camp 1. wuf dem Weg passiert nichts Nennenswertes, ausser dass eine Spalte nun zu gross war um darüber zu springen. Deshalb gibt es jetzt einen 50m Unweg und eine Leiter liegt auch schon bereit, für den Fall dass sich die Situation noch mehr verändert. Nach knapp 4.5h standen wir schon im Camp 1, ready unsere Ruhezeit hier auszunutzen. Wir richteten unsere Zelte ein, bekamen diverse Tassen Tee und assen früh zu abend. Ich schafftr dieses Mal, mit Hilfe meines mitgebrachten Meersalzes, meine ganze Schüssel weissen Reis. Ich war stolz und wusste, dass ich gut schlafen würde. Ich fühle mich bereit für den anstrengenden Tag morgen, denn wir würden von Camp 1 direkt zum camp 3 gehen. 

Sonntag, 22.September - Camp 1 zum Camp 3

 

Der heutige Tag war darauf ausgelegt, dass wir im Eisfall nicht im Stau stehen würden. In unserer Rotation standen wir bei 2 von 3 Steilwänden lange rum, weil es nur ein Seil für den Aufstieg und viele unerfahrene/unfähige Personen vor uns gab. Diese Situation wollten wir vermeiden, weshalb wir schon um 5.45h von Camp 1 losgingen. Frühstück war um 4.30h und wurde uns, inklusive heissem Tee, direkt ins Zelt gebracht. Ich hatte mich für Müsli entschieden und das ging nicht mal so schlecht auf. Mit genügend Tee ist es nicht zu trocken und es gibt immerhin ein bisschen Kalorien. Wir waren nicht die Ersten, die das Camp verliessen, aber da die meisten im Moment ihre Ruhetage im Basislager geniessen, oder schon vom Gipfelbestieg zurück sind, war es ziemlich ruhig. Wir konnten uns bei jeder Steilwand Zeit nehmen und uns so kontinuierlich fortbewegen. Die Leiter war nun nicht mehr waagrecht, sondern abgeschrägt, was es einfacher machte, sie zu begehen. Daneben ist aber ein ziemlich schräger Serac, der nicht ganz so beruhigend aussieht. Wir nehmen an, dass der dann nicht mehr dastehen wird, wenn wir wiedeg absteigen. Wir werden es sehen. Ansonsten war der Aufstieg zum Camp 2 stressfrei und toll. In Camp 2 hiess es dann 2h ausruhen, da wir weiter in Camp 3 gehen wollen. Wir bekamen heisse Getränke, was zu essen und da wir nicht viel Erholung haben werden, war geplant, dass wir ab C2 mit Sauerstoff gehen werden. Ich finde das zwar semi toll, aber so kann ich das System wenigstens auf einer Strecke testen, die ich schon halb gegangen bin. Beim Testen der Masken im Basislager konnte ich mir das Gehen mit dem ganzen Krimskrams noch nicht so ganz vorstellen. 

Und so standen wir knappe 3h nach Ankunft in C2 bereit, mit den Sauerstoffmasken im Gesicht, den Flaschen im Rucksack, in Richtung Camp 3 zu fliegen. Es ist eine Sache, eine Maske im Gesicht zu haben, eine andere, plötzlich 7.5kg im Ruckssck zu haben. Trotzdem ging das Gehen erstaunlich gut. Nach etwa einer Stunde bekam ich Seitenstechen, da ich anscheinend nicht genug ausatmete. Das gleiche Problem hatte ich schon beim Schwimmen im Studium, aber da ich wusste, worauf ich mich achten muss, konnte ich das in den Griff bekommen, bevor wir in Camp 3 ankamen. Unterwegs mass Phunuru auch noch unseren Sauerstoffwert jnd siehe da, ich hatte eine Söttigung von immer noch 92% auf rund 6500m. Der Weg von C2-C3 dauerte nur 2h und als wir die Zelte sahen, war ich schon froh, waren es doch knappe 1000hm, die wir in ca.6h hinter uns brachten. Als wir ankamen, wsren wir mitten im Wolkenmeer, aber nach ein paar Stunden, hatten wir eine Bombenaussicht. Ich nutzte die Ruhezeit auch wieder, um ein Puzzle zu machen. Ich brachte 3 mit ins Basislager, aber nur eins nehme ich mit auf dir Gipfelrotation. Ich schaffte es sogar, ein Pick-up-Foto vor dem Berg und vor der Aussicht zu machen. Da wir morgen früh losgehen würden und Phunuru gerne 12h Ruhezeit einplant für uns, legte ich mich schon un 16h hin und versuchte ein wenig zu dösen. Das klappte mit der Maske ebenfalls einigermassen, aber ich lag länger wach, als dass ich in der Nacht geschlafen habe. 

Ich denne, nun ist der richtige Zeitpunkt ein kleines Geheimnis zu erzählen. Ende Juli hatte ich bei Phunuru einen Schlafsack bestellt. Seine Freunde von Everest Outfit stellen solche nach Kundenwünschen her. Ich weiss, seit ich Allie Pepper und ihre sauerstofffreien Gipfelversuche auf 8000ern verfolge, dass es möglich ist, Schlafsäcke in violett zu erhalten. Deshalb habe ich mir einen violetten Schlafsack mit mittigem Reussverschluss für -40 Grad machen lassen. Diesen Schlafsack holten wir vor unserem Flug nach Samagaon im Laden ab. Als ich die Farbe sah, komnte ich nicht widerstehen, und fragte nach, ob sie mir nicht auch einen Daunenanzug massgertigen könnten. Normalerweise dauert das mindestens 4 Wochen und davor noch 2-3 Wochen bis der Entwurf auf dem Papier steht. Da ich aber schon seit der Ama darüber nachdachte, mir einen Anzug schneidern zu lassen (und zu Hause immer auf das vernünftige Ende kam, dass das nicht nötig ist), wusste ich genau wie der Anzug auszusehen hatte. Ich erklärte es dem Besitzer von Everest Outfit, er fragte 2-3 Sachen nach und schon 2h später hatte ich den Entwurf per Wattsapp über Phunuru. Mit dem Anzug kommen 3 Badges, die icv ebenfalls bestimmen konnte. So wurde also ab dem 2.September fleissig an meinem Anzug gearbeitet, mit dem Ziel mir diesen vor unserem Gipfelaufstieg ins Basislager zu schicken. Phunuru kennt fast jeden Piloten, trotzdem hätte ich nicht damit gerechnet, dass das zeitlich klappt. Erinnert ihr euch an den armen Tim, der mit dem Heli aus Camp 1 ausgeflogen werden musste? Genau jener Heliflug bescherte mir nämlich 40 Geburtstage zusammen. Der Pilot brachte nämlich meine Sonderlieferung mit. Und alles was ich sagen kann ist, es dauerte erwa 5 Sekunden bis ich weinen musste, als ich meinen perfekten Anzug sah! Er ist schöner als ich ihn mir erträumt habe und die Badges sind perfekt! Mehr ich geht gar nicht, finde ich zumindest! Es war die beste Entscheidung, mir den Anzug machen zu lassen und ich bereue es keine Sekunde. Morgen werde ich ihn das erste Mal tragen können und ich freue mich schon riesig darauf! 

 

Montag, 23.September - Camp 3 zum Camp

Steil. Ich glaub jeder, der das liest hat eine eigene Definition. Jeder der meinen Blog zum Gipfeltag an der Ama gelesen hat, denkt dass er eine Ahnung von Steilheit in den Bergen hat. Jeder der schon mal mit mir im 2CV gesessen ist, weiss dass damit mit einer Tankfüllung nicht so wahnsinnig steile Strassen gefahren werden können. Früher wurden übrigens die Tour de France-Etappen mit einem 2CV abgefahren und je nach Gang, der benutzt wurde die Steilheit im Kursbuch notiert: 1 war hier sehr steil. Ich würde die heutige Bergetappe mit 0 klassifizieren. Kein 2CV wäre je einen Meter dessen was wir heute geklettert sind, gefahren, unsbhängig von def Unterlage. Teilweise kamen tatsächlich Erinnerungen an den Ama-Gipfeltag hoch. Wir wussten, dass der Weg von C3 zum C4 unsere Königsetappe sein würde, aber irgendwie hatte nie jemand erklärt warum 😉

Nun, wir können es jetzt erklären: nach 15 Minuten gehen war ich schon klatschnass vom Schweiss und das änderte sich auch die nächsten 5 Stunden nicht. Von C3 zum C4 geht man mit dem Daunenanzug, weil man ihn sonst hochtragen müsste. Steil+Daunenanzug = sehr warme Innentemperatur. Da spielt es fast keine Rolle, dass es im Moment fast windstill ist am oberen Berg und die Lufttemperatur ebenfalls nur im einstelligen Minusbereich ist. Ich habe also meinen eigenen See diesen steilen Berg hochgetragen 😂 und dit meine ich in meinem nagelneuen Anzug. Ach was war ich froh, dass ich sowohl an den Beinen, wie auch inter den Armen grosse Lüftungsschlitze habe.

Aber nun zur Steilheit des Tages. Gleich zu Beginn geht es gemütlich los mit einer kleinen moderaten Steigung und einer Traverse. Kommt man um die Ecke, geht es mit dem Steil, ähm Spass los. Meter für Meter muss man sich hochhieven. Natürlich mit grossen Stufen, sonst würde ich es nicht erwähnen. Meterhohe Stufen wie an der Ama blieben zwar aus, aber für eine eher kleine Dame sind die Stufen einfach ein wenig zu gross. Ich rechne es mir hoch an, dass ich mich erst nach 2.5h bei meinem Sherpa Chirrin darüber beklagt habe… keine Ahnung, was er sich dachte, als ich in einer Pause nicht atmen, sondern über die Stufengrösse diskutieren wollte. Es ist übrigens derselbe Chirrin, der an der Ama dabei war und mit mir den Abstieg ab C2 absolvuerte. Immerhin gab es dieses Mal ein wenig Abwechslung: Steil im blauen Eis, steil in festem Schnee und mein neuer Liebling: steil im weichen Schnee. Da darf man jeden Schritt gleich nochmals halb machen, weil es so toll ist, abzurutschen. Das macht einen riesen Spass, wenn man den See noch hinzunimmt…

Ironie beiseite, das Lustige ist, dass es mir tatsächlich den Spass nie ganz verleidet hat. Ich habe wieder gelitten, wegen meinem Ascender, immerhin erst heute so richtig und nicht schon früher. Krafttraining für die Arme steht definitiv auf dem Plan in den nächsten 6 Monaten.  Aber meine Beine sind fit, die mögen auch nach 4.5h noch die letzte steile Rampe erklimmen. Meine Schultern machen ebenfalls mit, wenn es darum geht, den Rucksack mit den 1800l Sauerstoff in der Flasche darin zu tragen. Aber eben, dieser verflixte Ascender… immerhin war ich heute so intelligent, dass ich links und rechts abgewechselt habe. Jetzt sind zwar beide Arme müde, aber ich kann sie zumindest noch nutzen.

Die Aussicht auf dem Weg zum C4 wurde immer besser. Zuerst waren wir auf gleicher Höhe mit dem Bergausläufer neben C3. Dann war dieser plötzlich in den Wolken verschwunden. Dann sahen wir nur noch ein Wolkenmeer und als wir 5‘ von Camp 4 entfernt waren, waren wir mitten in einer dicken Wolke. Diese ist jetzt strahlendem blauen Himmel gewichen und die Route Richtung Gipfel ist zumindest teilweise sichtbar. Gemäss Ang Karma ist es am Gipfeltag viel leichter. Nur 3x steil und der Rest Nepali flach. Ich weiss nicht ob ich den Begriff schon mal erklärr habe: Nepali flach heisst dass es alles andere als flach ist. Es geht rauf und runter, aber nie steil. Denn dann würde es Nepali steep heissen. Das war übrigens die Erklärung vom heutigen Tag: es war 5h und 11 Minuten lang Nepali steep. Zumindest für mich. JC kam etwa 10‘ nach mir an, Dean brauchte nochmals eine Stunde länger. Sein Körper braucht mehr Erholung von den Aufstiegstagen, aber die bekommt man hier oben nicht immer. Er hat es aber bis hierhin geschafft und am Manaslu sagt man, wer es ins C4 schafft, schafft es auch auf den Gipfel. Wir sind nun gespannt, ob diese Aussage auch auf uns zutrifft. Ich denke, dass ich es schaffen werde. So viel Steil von heute soll sich gefälligst lohnen 😉

Der ursprüngliche Plan von heute wäre eigentlich der folgende gewesen: um 5h losgehen, in 5h ins C4 gehen. Dort 2h Pause machen und dann die zweiten 5h zum Gipfel gehen, so dass wur kurz vor Sonnenuntergang dort sind. Danach in das Camp runter gehen, das einem am sympathischsten ist. Die Gründe für diesen Plan sind folgende: ab dem Abend von mirgen Dienstag kommt schlechtes Wetter mit viel Schnee auf und alle im Basislager am Ruhetage Geniessende haben das auch mitbekommen und sind auf dem Weg hier hoch. Die Rede ist von ungefähr 300 Personen. Die Lage am Manaslu-Gipfel ist so: es gibt einen false und einen true summit. Wer im letzten Jahr ein wenig Zeitung gelesen hat, hat das sicher mitbekommen. Vom false summit geht es etwa 10m runter und dann traversiert man 10m und dann geht es ca.15m steil hoch zum true summit. Diese knapp 30m sind mit einem einzigen Seil gesichert. Wenn man daran kreuzen will, muss man bombenfest stehen. Denn rutscht man ungesichert ab, geniesst man eine ziemlich lange Rutschbahn. Das wollen wir natürlich nicht riskieren. Wenn jetzt nur 10 Personen beim false summit warten, kann man das gut koordinieren. Bei 300 gibt es sicher irgendwelche Idioten, Ungeduldige, sich überschätzende, egoistische Personen, denen die Sicherheit anderer egal ist. Wir möchten auch nicht 2h am false summit warten, um zum true summit zu gelangen. Deshalb dachten wir, unser Plan wäre gut. Da wir aber den Gipfelerfolg als Team feiern möchten, wird der Plan ein wenig angepasst. Die 300 Personen sind noch weit weg, wir werden also sehen, wie es ausgeht. Bis dahin liegen wir im C4 im Zelt, atmen brav unseren Sauerstoff und trinken regelmässig, damit wir uns schnellstmöglich regenerieren können, so gut es geht.

Gerade kam Phunuru vorbei und erklärte uns denn neuen Plan: Dean wird um 23h losgehen, JC und ich um 24h. Es sind in den letzten 2h doch noch einige Leute ins Camp gekommen. Wir versuchen diesen zuvor zu kommen, weshalb wir so früh losgehen. Wir rechnen mit 5-6h bis zum Gipfel, werden also hoffentlich im Hellen die Aussicht geniessen können.

Montag, 24.September - das Leben in Camp 4

 

Es ist jetzt schon 2 Tage her, seit ich auf dem achthöchsten Gipfel der Welt stand. Noch immer fehlen mir die Worte zu dieser Leistung. Andererseits möchte ich nicht zu lange warten, um das Erlebte aufzuschreiben. Vielleicht gelingt es mir dann zu begreifen, was ich gerade geleistet habe. 

Aber beginnen wir doch von vorne. Wir  hatten im Basecamp unser C4-Abendessen aussuchen dürfen, das wir schon um 17.30h im Zelt serviert bekamen. Dieses Mal teilten wir drei uns ein Zelt, was mich überhaupt nicht störte. Jeder hatte genug Platz für seine Matte, Schlafsack und die Sauerstoffflasche. Den Rucksack nahmen wir jeweils ans Kopfende als Kissen. So lagen, oder sassen wir also wie Sardinen nebeneinander im Zelt und nahmen unser Abendessen entgegen. Während JC und Dean sich für Ramensuppe mit Nudeln und Reis entschieden, hatte ich Nudeln mit Gemüse aus dem Transa in Basel im Gepäck. Die Packung war eigentlich für 2 Personen, aber es war das einzige Vegi-Essen das ich finden konnte  und der Plan war, einfach so viel zu essen wie ich kann. Leider haben die Sherpas die Instruktion entweder nicht gelesen, nicht gesehen, oder nicht verstanden. Auf jeden Fall war viel zu wenig Wasser in dem Pack, so dass die Nudeln gerade durch waren, das Gemüse jedoch überhaupt nicht. So war der Prozess des Essens noch langsamer, da ich jede Makkaroni einzeln mit dem Löffel herausfischen musste. Aber wir hatten ja Zeit da oben in dem Zelt… ich glaube ich ass etwa die Hälfte der Teigwaren und fand es nicht einmal so schlecht. Der Fokus lag und liegt jedoch bei mir in der Höhe eher beim Trinken als beim Essen. Auch das klappte reibungslos und immer wenn die Flasche fast leer war, brachten uns die Sherpas neues heisses Wasser. Nach dem frühen Abendessen galt es für uns, Bettruhe zu halten. So wenig wie möglich bewegen, vielleicht sogar ein wenig schlafen und immer schön die Sauerstoffmaske tragen. Ich hielt mich grundsätzlich daran, ging aber trotzdem aus dem Zelt zum Pinkeln und nutzte den schönen blauen Himmel mit der Sonne auch, um ein paar Fotos zu machen. 

Ich konnte in der Nacht - oder besser gesagt am Abend - sogar ein bisschen schlafen. Ich wachte nämlich auf, als Dean begann sich bereit zu machen um 22.30h. Ich legte mich nochmals ein wenig hin und versuchte mich mental auf 5h Hochlaufen bereit zu machen. Am Nachmittag machte ich mir darüber Gedanken, wie lange der Gipfeltag wohl dauern würde. Auf dem Weg von C3 zum C4 hatte ich nämlich eine kleine Spielerei gemacht: ich machte von meiner Uhr ein Foto unterhalb des letzten steilen Stücks und danach nochmals am oberen Ende, um zu wissen, wie lange ich für wie viele Höhenmeter brauchte. Es stellte sich heraus, dass ich für 130hm rund 32 Minuten brauchte. Am Gipfeltag mussten wir nochmals 700hm überwinden, diese seien aber gemäss Sherpa-Aussagen nicht mehr so steil wie am Tag zuvor. Als rechnete ich aus, dass wir keine 5h haben würden am Gipfeltag. Aber ich wusste natürlich nicht, ob ich Recht habe oder nicht. Das würde die Nacht zeigen. 

Um 23h tauchte Chirring mit zwei Schalen Tee für mich und JC auf. Ich war gerade auf der Suche nach meiner Schlafsackhülle, da ich darin die Sonnencreme versorgt hatte. Ich war so doof meine Schale Schwarztee “nur kurz” auf meinem Schlafsack abzustellen und natürlich leerte ich dabei fast einen Drittel über meinen Schlafsack und den Reissverschluss aus. 15 Minuten bevor das geschah, dachte ich, es wäre gut, meine Innenschuhe in den Schlafsack zu legen, damit diese ein bisschen aufwärmen könnten. Natürlich floss jetzt der Schwarztee durch den Reissverschluss direkt in meinen rechten Innenschuh. Das Disaster war perfekt. Jetzt hatte ich nasse Thermohosen und einen nassen Innenschuh kurz bevor wir auf den Gipfel aufbrechen würden. Ich versuchte die Sauerei so Gut wie möglich mit Klopapier zu putzen, ohne das ganze Papier zu benutzen. Wie zu Corona-Zeiten ist Toilettenpapier hier nämlich eine rare Sache und ohne ist man schlicht aufgeschmissen oder sitzt wortwörtlich in der Scheisse. 

Nach dem Aufwischen war der Tee immerhin trinkwarm und eine weitere Schale mit Müesli war in Chirrins Händen im Zelteingang aufgetaucht. Ich schaffte diese zu essen, obwohl ich mich immer noch ein wenig wegen dem ausgeschütteten Tee nervte. Aber es half ja nichts, der Innenschuh war jetzt nass, aber für den schlimmsten Fall trug ich Heizsocken, die ich einschalten könnte. 

JC und ich machten uns nach dem Frühstück weiter fertig. Das beinhaltete, sich aus dem Schlafsack zu schälen und in den Daunenanzug zu kämpfen, ohne einander in den Weg zu kommen, oder die Sauerstoffmaske von der Flasche zu reissen. Ich trug auf der Stirn auch noch Sonnencreme auf, für den Fall dass wir langsamer wären als angedacht. Weiter mussten wir unsere Handschuhe, die Skibrille, die Riegel und die Wasserflaschen für unsere Sherpas bereitlegen, da sie das Material für uns tragen würden. In unserem Rucksack sollte nur die Sauerstoffflasche sein. Ich legte auch noch den Sack mit den Theos bereit, schliesslich gehören sie ebenso auf das Gipfelfoto, wie der Gipfel selbst. 

Danach zog ich meine Schuhe an und versuchte sie so fest wie möglich zu binden, trotz ein wenig kalten Händen. Ich habe nämlich auf der Rotation gemerkt, dass ich beim Runtergehen extrem viel Spiel im Schuh habe. Das wollte ich heute verhindern. Als Nächstes wälzte ich mich aus dem Zelt, um noch ein letztes Mal zu pinkeln, damit ich meinen Klettergurt anziehen konnte. Ich hatte mir nach der Ama einen Leichtgurt zugelegt, den man locke4 im Stehen anziehen kann, ohne mit den Füssen durch die Beinschlaufen durch zu müssen. Diese kleine Investition hat sich bisher sehr bewährt und machte das Ankleiden auf 7421m so viel einfacher. Ich rede von einer Höhe, in der man ohne Sauerstoff gut reden oder langsam gehen kann. Aber als ich zum Beispiel am Vortag kurz ausrutschte und mich fangen konnte, war ich 2Min ausser Atem. Ich musste zum Glück nicht gross auf die Toilette hier oben, aber wie anstrengend das sein könnte, konnte ich bei meinem Gang in Camp 3 erahnen. JC hatte nicht so grosses Glück und war ziemlich ausser Atem, als er schon ein paar Minuten wieder im Zelt sass. 

Nach dem Gurt fehlte eigentlich nur noch das Anziehen der Steigeisen. Diese waren ein wenig gefroren, aber das Anziehen funktionierte trotzdem gut. Auch das bringt einem übrigens ausser Atem. Schon das Runterbeugen ist anstrengend, nicht davon zu reden, den Riemen richtig anzuziehen. So war ich also um kurz vor Mitternacht ready und Chirring half mir, meinen Rucksack anzuziehen. Er hatte nämlich in der Zwischenzeit meine Sauerstoffflasche gewechselt, sie in den Rucksack gepackt und alles festgezurrt. So legte ich mir also meinen Schutzpanzer an und die Maske über mein Gesicht. Die Handschuhe waren ebenfalls eine neue Errungenschaft und mit Heizdrähten ausgestattet. Ich schaltete sie vorsichtshalber ein, da ich nicht wusste, wie lange ich warten musste bis wir losgehen konnten. JC war auf jeden Fall auch schon ausserhalb des Zeltes und im Begriff seine Steigeisen festzumachen. Chirring fragte nochmals kurz nach, ob ich ihm alles bereit gelegt hatte und packte seinen Rucksack. In der Ferne sahen wir von C3 einige Gruppen hochkommen, auf der Strecke oberhalb Camp 4 waren ebenfalls ein paar Stirnlampen zu sehen. Ich fragte mich, ob unser Zeitplan wohl aufgehen würde, und wir die Massen umgehen können. 

Dienstag, 24.September - Summit of Manaslu 8163m

 

Wie früher schon erklärt, hatten wir die Info, dass der Gipfeltag weniger anstrengend wäre als der Tag zuvor. In Samagaon sagte uns Phunuru damals, dass der Weg zum Gipfel nur 4h sei. In den letzten Tagen geisterte aber eine andere Anzahl umher. Diverse Personen sagten, zu. Gipfel sei es mindestens 5h, wenn nicht sogar 6h. Noch am Nachmittag im Camp 4 hörte ich dass viele Guides ihren Kunden das Gleiche sagten. Ich stellte mich also auf 6h leiden ein, als wir um kurz nach Mitternacht von Camp 4 aufbrachen. Durch die kurze Wartezeit hatte ich kalte Finger, weshalb ich schon vor dem Abmarsch meine Heizhandschuhe anschaltete. Ich war gespannt, ob sie in dieser Höhe funktionierten und ich wurde nicht enttäuscht. Schon nach kurzer Zeit spürte ich Sonjas wie Wärme an meinen Fingern. 

Der Start des Trails war schön gleichmässig ansteigend, perfekt um in einen guten Rhythmus zu kommen. Chirring führte unser 4-er Grüppchen in perfektem Tempo an. Nach etwa 10 Minuten kamen wir an einem Grüppchen von Zelten vorbei. Ich war überrascht, da ich eigentlich dachte, dass Camp 4 nur an einem Ort stationiert wäre. Bei den Camps 1 und 2 gab es immer einen oberen und einen unteren Teil, wobei wir immer im oberen Teil logierten. Dieses obere Camp 4 war gerade wuselig wie ein Bienenstock. Die grosse Gruppe die ich hochkommen sah, als wir uns bereit machten, machte anscheinend hier spasse. Ich weiss noch wie ich Erleichterung spähtet, dass sich die Masse die Richtung Gipfel zieht gerade verkleinert hatte. Zudem muss ich zugeben, dass einige der Westler ziemlich kaputt aus der Wäsche guckten, oder eher schon apathisch, wie sie sp regungslos auf ihren Rucksäcken hockten. Uns kümmerte das aber wenig, schliesslich hatten wir rund 12 Stunden Ruhe in Camp 4. in der Ferne sahen wir einige Lichtkegel auf dem Weg, aber ich versuchte mich auf mich zu konzentrieren. Ich stapfte also durch die Dunkelheit, immer schön darauf bedacht, in die Fussstapfen von Chirring zu treten. Es hatte viel Schnee, aber der Weg war sehr gut ausgetreten. Man sackte nie ein und alle 50m steckte ein kleines Fähnchen imSchnee, dass man sich auch bei schlechtem Wetter nicht verirrte. Apropos Wetter: als wir uns im Camp bereit machten, kam ein wenig Wind und Schneegestöber auf. Ich nehme an, der Aschenputtel war einfach aufgewirbelter Schnee und kein wirklicher Niederschlag. Der Wind beruhigte sich aber nach etwa einer Stunde. Alles was man hörte, war das Klicken der Sicherheitskarabiner, das Knirschen der Steigeisen auf dem Schnee, das Reiben der Ascender auf dem Seil und das Atmen oder Husten der Kletterer. Alles in allem habe ich die Atmosphäre als sehr friedlich in Erinnerung. Ich kann nicht mehr genau sagen, was ich in diesen Stunden dachte. Ich fühlte mich aber grossartig. Hatte keine Mühe das Tempo aufrecht zu halten, konnte in den Pausen mein Atmen extrem schnell in eine normalen Rhythmus bringen und fühlte mich pudelwohl. Auf anderen Gipfeln behagte mir das Gehen im Dunkeln nie wirklich. Ich hielt immer Ausschau nach dem ersten Licht, das im Horizont erscheinen sollte und bis dahin war das Leiden immer ein wenig grösser. Dieses Mal war es überhaupt nicht so. Ich schritt dahin und genoss es so richtig. Und das auf über 7500m. Ich konnte es selbst nicht glauben während dem Gehen und jetzt - ein paar Tage später - noch immer nicht. Bald kam der erste Steilhang, der sich aber schön sanft immer mehr neigte. Chirring verlangsamte automatisch den Rhythmus, ohne mehr Pausen einzulegen. Hier fing es auch an, dass immer wieder Sauerstoffflaschen im Lichtschein auftauchten. Diese sind an den Ankerplätzen befestigt, an denen auch die Seile angeknüpft sind. Sherpas haben diese zuvor hochgetragen und an strategisch guten Orten abgelegt. Die Sauerstoffflaschen sind jeweils mit Klebern der Firma gekennzeichnet, so dass man nicht plötzlich die Falschen nimmt. Dieses System funktioniert hier offenbar gut. Für uns stehen auf dem Weg zum Gipfel jedoch keine Flaschen bereit, da wir unsere vor Aufbruch gewechselt haben. Auch wenn wir diese voll aufdrehen würden, hätten wir mehr als genug Sauerstoff für den Auf- und Abstieg bis Camp 4. Dort liegen dann mindestens eine Ersatzflasche und jeweils unsere halbvollen Flaschen vom Aufstieg aus Camp 3, die wir im Notfall benützen könnten. 

Da ich aber mit meiner Ration von 2.5l pro Minute super zurecht kam, machte ich mir über meinen Sauerstoff auf dem Aufstieg keine Gedanken. Ich war nur überrascht, wie vielen bereit gelegten Flaschen ich begegnete. Am Ende des ersten steilen Stückes fragte mich Chirring, ob ich eine Pause wollte. Ich fühlte mich aber gut und sah darum keinen Grund, den Rhythmus zu unterbrechen. Also stapften wir im Einklang weiter in unserem kleinen Universum, das vom Licht der Stirnlampe gebildet wird. Ich schaute selten nach links oder rechts, fokussierte mich voll auf Chirrings Fussabdrücke und meinen Atemrhythmus. Allmählich begann ich mich zu fragen, ob der gesamte Aufstieg wirklich so gechillt sein würde, denn ich fühlte mich wirklich fantastisch. Ich versuchte mich zurückzuhalten und dachte, dass ich schon früh genug darauf kommen würde, falls ich noch leiden müsste. Ab und zu schaute ich hoch zum unbekannten Teil der Route und da wir hin und wieder Leute überholten, wurde die Anzahl Stirnlampen vor uns immer weniger. Als ich einmal kurz vor dem zweiten Steilstück einen Blick zurück wagte, weil ich Mingma und JC fragen wollte, wie es bei ihnen so läuft, musste ich feststellen, dass sie weit hinter uns zurück waren. Sie hatten anscheinend ab und zu eine Pause eingelegt. Also beschloss ich, Chirring mitzuteilen, dass wir am Ende des zweiten Steilstücks auch eine Pause einlegen könnten. Das dauerte zwar noch ein bisschen, war aber sicher gut, denn auch wenn ich mich super fühlte, wollte mein Körper wahrscheinlich trotzdem mal ein wenig Flüssigkeit. Also setzten wir uns neben die Route und ich trank ca. 2dl Wasser. Wir sassen vielleicht etwa 10 Minuten da und in dieser Zeit überholten uns einige sehr viel langsamer gehende Kletterer uns wieder. Ich dachte mir, dass das nicht so schlimm wäre, da wir ja vorher schon gut voran kamen und das Überholen kein Problem war. Vielleicht hier als Info: vom Camp 4 ist nicht die ganze Strecke mit Fixseilen gesichert, da der Steilheitsgrad nicht überall hoch ist. Nur die 3 steilen Teilstücke, plus die letzten 120hm sind etwa gesichert, der Rest mit Fähnchen markiert. Wenn man also an den umsteigen Strecken überholen will, geht man einfach rechts im tieferen Schnee vorbei. Das bedeutet zwar, dass man für ein paar amounted ziemlich ausser Atem ist, jedoch is5 man ziemlich Safe, was die Gefährlichkeit angeht. Wenn man nun aber hinter einer langsamen Gruppe an den steilen Stellen hängt, dann ist es besser, wenn man einfach deren Rhythmus übernimmt und halt langsamer wird. Genau das machten wir nun also nach unserer Pause. Ich versuchte nicht zu ungeduldig zu werden und dachte mir einfach, dass ich so Energie sparen konnte für den anstrengenden Teil des Gipfelanstiegs. Denn diesen erwartete ich jederzeit, geprägt vom Leiden des Gipfeltages an der Ama vom letzten Jahr. In einer der Pausen schaute ich wieder mal nach oben an den Anfang der Schlange am Fixseil und glaubte Dean zu erkennen. Ich sah jemanden mit weissem Rucksack und rotem Daunenanzug sich umständlich hinzusetzen und daneben einen Sherpa, der aussah wie Ang Karma. Es kostete uns nochmals etwa 25 Minuten bis wir nah genug waren, um zu sehen dass ich Recht hatte. Es stellte sich heraus, dass der Ascender von Dean nicht mehr richtig funktionierte. Das ist ziemlich blöd an so einem Berg, denn der Ascender ist das einzige Werkzeug, das verhindert, dass man im Falle eines Falles den Berg runter rutscht. In der Aufwärtsbewegung rutscht er ungehemmt übers Seil, in der Abwärtsbewegung graben sich kleine Dornen in das Seil, um es zu arretieren. Nun sass Dean also auf knapp 8000m, noch mindestens eine Steilrampe vor sich, ohne dieses Bremswerkzeug. Da ich mich immer noch unglaublich gut fühlte und Chirring sowieso eine Maschine ist, schlug ich vor, meinen Ascender an Dean zu geben. Er wollte nicht, Ang Karma war unschlüssig, oder verstand mich nicht, Chirring war es egal. Leider ist das Wechseln nicht ganz so einfach, da de4 Ascender sehr gut befestigt und mit dem Sicherheitskarabiner verbunden ist. Der Wechsel würde also das ganze System betreffend. Während ich mir überlegte, wie wir das Problem lösen konnten, tauchte auch schon Phunuru neben uns auf. Er war als Schlusslicht unserer Gruppe gestartet, hatte irgendwann Mingma und JC überholt und als er gesehen hatte, dass wir uns um Dean scharrte, hatte er noch einen Zacken zugelegt, um zu uns zu gelangen. Er meinte zu Chirring Und mir, dass wir weitergehen sollen, er kümmere sich um das Problem. Also gingen wir weiter und liessen die anderen hinter uns, um das Problem zu lösen. Die Zeit der Diskussion nutzen leider weitere langsame Kletterer, um uns wieder zu überholen. Nun steckten Chirring und ich also hinter ca. 20 Schleichern in der dritten Steilphase fest. Da es für ihn ebenfalls der erste Manasluaufstieg war, wussten wir beide nicht, wie lange wir noch unterwegs sein würden. Mittlerweile waren knapp 3h vergangen und meine Uhr zeigte beim Stopp mit Dean und AngKarma eine Höhe von 8021m an. Offenbar war Chirring ähnlich ungeduldig wie ich, denn nicht lange nachdem wir wieder gestartet war, kehrte er sich um und fragte, ob alles gut sei. Ich antwortete „alles perfekt“ und dann sagte er, dass wir ein wenig schneller gehen würden. Er klickte meinen Sicherheitskarabiner, klickte ihn bei sich ein, löste den Ascender und low ging es mit uns auf die Überholspur, aka in den Tiefschnee rechts neben der Normalspurig. Schon nach wenigen Schritten war ich ausser Atem, aber ich wusste, alle die wir jetzt überholen, würden am Gipfel nicht vor uns in der Schlange stehen. Nach etwa 15 Personen brauchte ich aber eine kurze Atempause. Also scherten wir wieder in der Schlange ein und gaben uns dem langsamen Tempo der anderen hin. Ich überlegt3 mir zwischenzeitlich dass es ja eigentlich egal wäre, wenn wir am Gipfel warten müssten. Schliesslich war es erst ungefähr halb 4 und noch immer stockdunkel. Ich wollte nicht im Dunkeln auf dem Gipfel stehen und nichts sehen. Da das Wetter ideal war und nicht kalt, würde es mir auch nichts ausmachen, am Gipfel ein wenig zu warten. Aber nach ein paar Minuten in der Schlange wurden wir beide wieder ungeduldig und unruhig und so machten wir uns auf auf einen zweiten Sprint, um nochmals ein paar Schnecken zu überholen. Kurz danach waren wir am Ende des steilen Stücks angekommen und de4 Weg schlängelte sich moderat steigend weiter. Nun tauchten immer wieder Minigipfel im Lichtschein auf und jedes Mal fragte ich mich, ob das jetzt der falsche oder richtige Gipfel sei. Einmal war ich so überzeugt, den Gipfel in der Ferne zu sehen, dass ich ihn Chirring zeigte. Er nickte nur und ging weiter. Keine Ahnung ob er wusste, dass es nicht der Gipfel sein kann. Da vor 7 s nur noch ganz wenige Stirnlampen z7 sehen waren, war es für 7 s auch schwierig einzuschätzen, wo es weiter oben durchgeht und wo die Route fertig wäre. Nach gefühlt 10 Minuten trafen wir auf eine Gruppe von ungefähr 6 Personen, die auf irgendetwas zu warten schien. Ich dachte mir, das sei der falsche Gipfel und dass sie dort darauf warteten auf den richtigen Gipfel zu steigen. Aber daneben sah ich keine Erhebung, als nahm ich an, dass ich falsch lag. Gleich neben dieser Gruppe ging die Route in eine schmale Traverse über. Knapp 20cm breit, quert diese eine sehr steil abfallende Schneewand. Man konnte das Ende der Wand nie und nimmer sehen, aber mein Gefühl sagte mir, dass es da ziemlich sehr weit und steil runter geht. Ich setzte jeden Schritt meiner Elefantenschuhe seeeehr genau, hier willst du definitiv nicht mit den Steigeisen einhängen, rutschen, stolpern oder sonst was Dummes anstellen. Wie lange die Traverse ist, kann ich nicht mehr sagen. JC sagt 15-20m, ich meinte, es müsst3n etwa 50m sein, denn irgendwo in der Mitte war ein Ankerpunkt, wo man den Sicherheitskarabiner umhängen muss. Dieser Anker ist in Fels gehauene und Chirring und ich mussten hier für ein paar Minuten waren. Ich schaute den Fels an und wusste sofort, egal wie weit vom Gipfel wir sind, ich muss ein Stück von diesem Felsen haben. Also nahm ich meinen Ascender und schlug wie eine Wildgewordene auf den Felsen ein. Chirring drehte sich erstaunt um, verstand aber augenblicklich. Den schon kurz nach Ankommen im Camp 4 schlug ich mit meinem Ascender auf einen Felsen neben dem Zelt ein, um ein Stück Stein zu bekommen. Dort wusste ich noch nicht, ob ich oberhalb des Camps noch Gelegenheit haben würde. Ich versuche nämlich von jedem Berg den ich besteige, ein Steinstück mit nach Hause zu nehmen, vorzugshalber vom Gipfel… 

Chirring verstand also, was ich erreichen wollte und nahm ebenfalls seinen Ascender, um ein Stück Fels rauszuhauen. Sein Vorhaben war schnell von Erfolg gekrönt und er legte mir 2 kleine Stücke Fels in die Handschuhe. Ich verstaute diese mit einem Lächeln in einer Beintasche mit Reissverschluss, bereit weiter zu gehen. Aber irgendwie war die Abluft bei den Kletterern vor un§ raus. Sie bewegten sich sehr träge und als wir bei der nächsten Biegung ankamen, wussten wir auch wieso: der Gipfel war keine 7m über uns. Vor uns nur ca. 6 Personen, die alle gebannt nach oben schauten. Ich weiss noch, wie mir verschiedene Dinge durch den Kopf gingen: „Ist das wirklich der Gipfel?“ „Wo geht es weiter, respektive wo gehen die Leute vor uns hin?“ „Wenn das der Gipfel ist, müssen sie ja umkehren, aber uns ist bis jetzt keiner entgegen gekommen“ „Ist das eine Nepalflagge da oben?“ „Wie zum Teufel kommen die am gleichen Seil runter wie wir hochkommen.? Hinter uns geht es schliesslich sehr steil und sehr tief runter“ 

Und dann traf mich beim Warten dass sich oben irgendjemand bewegt plötzlich die Erkenntnis. Ich bin tatsächlich und wahrhaftig auf 8163 minus 7m Höhe und im Begriff auf dem Gipfel des achthöchsten Bergs zu stehen. Ich hatte es geschafft, war den ganzen Aufstieg über am Geniessen, keine Sekunde am Leiden und würde auch die letzten 7m nicht leiden. Ich hatte es wirklich geschafft. Ich, ein Normalo, die einfach ein wenig grössere Träume hat als die anderen und so dumm ist, die auch noch zu verfolgen. Alle die mich kennen oder mit mir auf einem Gipfel gestanden sind, können erahnen, was dann passierte. Ich stand da, wartend und heulte Rotz und Wasser auf und in meine Sauerstoffmaske. Mir war egal, wie lange die da oben an ihrem Platz standen, Fotos machten oder sich umpositionierten. Ich liess meinen Tränen freien Lauf und versuchte mich davon zu überzeugen, dass das alles echt ist. Ich bin ehrlich, es gelang mir nicht, es fühlte sich einfach so unreal an. Ich so nah an einem Gipfel eines 8000er, ohne leiden und sogar das Weinen funktionierte ohne Luftschnappen. Ich versuchte mich wieder zusammen zu nehmen, denn von oben kam Bewegung in die Wartenden. Erst da sah ich das zweite Seil, das rechts von dem gespannt war, an dem ich hing. Es war das Seil das vom Gipfel wegführt und an dem versuchte sich gerade einer ungelenk herunterzuhangeln. Ich stieg zur Seite und Chirring dirigierte mich zu ihm hoch, dass wir schnell bereit sein würden, wenn der Platz auf dem Gipfel frei wird. Der Platz da oben ist wirklich sehr limitiert, vielleicht ein Quadratmeter, inklusive Ankerplatz der Seile und der Gipfelflagge. Die Kletterer direkt vor uns waren sehr umständlich und schwerfällig und angepisst, da sie sich nicht so positionieren konnten wie sie wollten. Chirring ging ihnen zusätzlich noch auf die Eier, weil sie nicht vorbereitet waren. Ich hatte mein Handy griffbereit in meinem Anzug verstaut und alle meine Fotoutensilien im Camp 4 in einem Säckchen für Chirring vorbereitet. Als ich dann ganz oben war, ging es ganz schnell. Innerhalb von wenigen Minuten hatte ich meine Wunschbilder im Kasten. Mir war wichtig, dass auch Chirring gute Gipfelfotos bekam. Also war es an mir, ihn nun so zu dirigieren, dass er mit meinem Werk zufrieden war. Wir hatten Glück, dass wir gelenkiger und spritziger als die anderen waren uns so konnten wir die 15 Minuten auf dem Gipfel voll ausnützen. Zum Schluss hängten wir die Gebetsfahnen auf, die der Lama an der Puja gesegnet hatte. Auch das etwas, das ich auf jedem hohen Gipfel bisher gemacht habe. Ich genoss die Zeit auf dem Gipfel sehr, nur eines kam nicht zu. Zug: das geniessen der Aussicht. Denn wir waren schlicht zu schnell für die Sonne, es war immer noch stockdunkel. Wir brauchten 4.15h zum Gipfel, es war also noch nicht einmal halb 5h morgens. Kein einziger Lichtschein konnte uns ein Detail der Landschaft unter uns zeigen. Also galt mein Blick nur kurz der Dunkelheit hinter den Gebetsfahnen und der Nepalflagge, bevor ich mich an den Abstieg machte. 

Dienstag, 24.September - der Abstieg vom Gipfel

Sophie Lavaud, die Schweizer Bergsteigerin, die letzten Sommer den letzten aller 14 8000er bestiegen hat, hat für jeden Berg die gleiche Devise: „on doit rétourner pour raconter l’histoire“: man muss zurück kommen, um die Geschichte zu erzählen. Ein weiteres Zitat, das ich immer im Herzen trage, wenn ich innerhalb meines Projekts unterwegs bin, ist folgendes: Der Gipfel ist freiwillig, die Rückkehr obligatorisch. Dies soll versinnbildlichen, dass ich nun zwar auf dem Gipfel des Manaslu stand, aber das alles überhaupt nichts wert ist, wenn ich mir nicht genauso viel Mühe gebe beim Abstieg wie beim Aufstieg. Auf dem Gipfel ist erst Halbzeit, und zwar hat man normalerweise den leichteren Teil hinter sich und den schwereren Teil vor sich. Zum Glück bin ich stärker in der zweiten, als in der ersten Halbzeit. Soll heissen, ich bin so viel besser im runtergehen, als im Hochgehen. Es fühlt sich so an, als ob sich meine Batterien auf dem Gipfel wieder vollständig aufladen würden. Trotzdem sammle ich jeweils auf dem Gipfel für einen Moment meine ganze Energie und fokussiere sie auf den Abstieg, damit ich diesen konzentriert beginnen kann. Am Manaslu begann ich damit, meinen Sicherheitskarabiner in das rechte Seil umzuhängen und die ersten Schritte sicher und fest in das steile Gelände zu setzen. Nach etwa 4 Schritten klopfte mir jemand auf die Schulter und ich sehe einen strahlenden Phunuru in meinem Lichtkegel. Er gratuliert mir herzlich mit einer Umarmung und zeigt auf Dean, JC, Mingma und Ang Karma hinter sich. Wir umarmen uns alle und beglückwünschen uns kurz. Für längere Feierlichkeiten hatten wir später noch genug Zeit, nun war erst der sichere Abstieg an der Reihe. Trotzdem genoss ich die paar Sekunden gemeinsame Freude auf dem Gipfel, denn wir waren in den letzten Wochen doch wie eine Familie zusammen gewachsen. Ich freute mich extrem für alle die den Gipfel erreicht hatten und ganz besonders für Dean und JC deren Traum, einmal gemeinsam auf einem 8000er zu stehen, gerade in Erfüllung gegangen ist.

Die 7m mit dem zweiten Seil waren schnell zu Ende und jetzt folgte die Alptraum-Traverse die ich vorher schon beschrieben hatte. Man erinnere sich: eine 20cm breite Wegspur mit einem Fixseil. Ja genau, ein Fixseil. Es hängen also sowohl diejenigen Kletterer mit dem Karabiner am Seil, die zum Gipfel wollen, wie auch diejenigen, die vom Gipfel wieder absteigen möchten. Platz zum Überholen gibt es eigentlich nicht, einen anderen Weg auch nicht. Das heisst, man geht um die Aufsteiger herum. Im Detail heisst das: Karabiner einhängen, anderen Bergsteiger umarmen und hinter ihm den Ascender einhängen. Dann den Sicherheitskarabiner vor dem anderen Kletterer lösen und einen Schritt weiter gehen. Da mein Ascenderband ein wenig zu kurz war, funktionierte diese Weise bei mir nicht. Ich schaltete also mein Gehirn aus, und umarmte jeden Kletterer und hielt mich jeweils am Seil fest. Vor jedem Kletterer schrie ich ihn an, er solle sich auf keinen Fall bewegen. Jeder hielt sich brav an meine Anweisung. Chirring folgte mir dicht auf den Fersen und hielt meinen Sicherheitskarabiner bei sich eingehängt. Das behagte mit zwar überhaupt nicht, denn wenn er abrutschen würde, wäre ich der Erdanziehungskraft ausgeliefert und hätte keine Chance. Erst jetzt beim Schreiben merke ich, dass es umgekehrt genau so gewesen wäre.. er war also überzeugt, dass ich nicht rutschen würde. Ich fokussierte mich einfach auf alles andere: dass ich guten Griff hatte, die Kletterer genug laut anschrie und die Füsse gut setzte. Ich denke, wir waren vielleicht 10Minuten in der Traverse und als wir den letzten Kletterer überholt hatten, konnte ich nicht anders und kurz anhalten, um ein Foto der gesamten Szenerie zu machen (siehe oben). Danach ging es ohne Gegenverkehr aus der Traverse raus und zurück auf den Weg im weniger gefährlichen Gelände. Uns kamen zig Kletterer entgegen, einige davon in ziemlich müdem Zustand und seeeehr langsam unterwegs. Diese hatten wir grösstenteils im Aufstieg überholt und mir graute vor der Vorstellung, dass ich die im Schlimmstenfall alle vor mir stehen gehabt hätte beim Gipfel, wenn wir nicht früh genug aufgebrochen wären. Da war ich das erste Mal dankbar für den Zeitplan, und die Enttäuschung dass wir im Stockdunkeln auf dem Gipfel waren, schrumpfte ein wenig. Auf dem Weg zum Camp 4 kamen uns weitere Kletterer entgegen. Die paar, die vor uns auf dem Gipfel waren, überholten wir ziemlich bald. Einige sassen völlig ausgelaugt neben der Spur und die Guides versuchten ihnen  ein bisschen Tee aus der Thermos einzuflössen. Auch von den Aufsteigern traffen wir immer wieder kleine Häufchen Elend an oder sahen, wie die zuvor deponierten Sauserstoffflaschen gewechselt wurden. Alles in allem kamen uns mehr Personen entgegen, als ich gerechnet hatte und einige Male war ich froh, dass wir oben nur ca.15 Minuten anstehen mussten. Die Vorstellung in der Traverse warten zu müssen, oder so lange ausharren zu müssen bis man friert, behagte mir überhaupt nicht. Um kurz nach 5h sah ich ein erstes Mal einen leichten Streifen am Horizont, ein Zeichen dafür, dass der Tag endgültig anzubrechen scheint. Das war der Moment an dem ich kurz dachte, dass wir eigentlich dumm waren, dass wir nicht doch ein wenig langsamer unterwegs gewesen waren. Denn dann hätten wir vielleicht vom Gipfel doch noch Aussicht gehabt. Aber bis es genug hell wurde, dauerte es nochmals eine halbe Stunde und wenn man es logisch rechnet, wären wir so 1.5h irgendwo am Warten gewesen. Ich denke nicht, dass das eine Situation ist, aus der wir ohne Probleme wieder raus gekommen wären. Also trabte ich weiter gen Camp 4 und versuchte die wunderbare Aussicht zu speichern, die sich mir mehr und mehr bereitete. Ich nahm Hügel und Schnee neben der Route wahr, die beim Aufstieg verborgen waren. Und dann die Wolkendecke, die sich unter uns ausbreitete… Das Gefühl, höher als alles andere zu sein, wollte ich schon auf dem Aconcagua nicht glauben, war aber einmal mehr absolut fantastisch. Alle paar Minuten musste ich stoppen, um das Gesehene mit dem Handy festzuhalten. Ein mikriger Versuch, so etwas Grosses als immerwährende Erinnerung festzuhalten. Aber Chirring war extrem geduldig und ich wollte so viele Impressionen wie möglich mit nach Hause nehmen. Rund zwei gemütliche Stunden nach dem Aufbruch auf dem Gipfel standen wir wieder vor dem Zelt im Camp 4. Mir war vom Abstieg ziemlich warm und am liebsten wollte ich gleich weiter gehen. Chirring meinte aber, dass wir auf die anderen warten müssten. Deshalb ging ich kurz pinklen und verzog mich ins Zelt. Ich finde es spannend, dass mein Körper während er die Leistung abrufen muss, perfekt funktioniert und kaum ist der Effort fertig, reagiert er wieder auf Bedürfnisse. Ich hatte während der ganzen Gipfeltour genau die 2dl Wasser getrunken in der einen Pause und trotzdem nie Durst oder Drang zu pinkeln. Kaum hatte ich den Rucksack vom Rücken gehoben, meldete sich die Blase. Nach ein paar Minuten im Zelt meldete sich der Hunger, den ich mit 2 Schokoriegeln und ein paar M&M‘s stillen konnte. Chirring tauchte bald darauf mit meinen beiden Flaschen auf, die er vergebens zum Gipfel getragen hatte. Wir mussten beide lachen, dass er das Gewicht unnötig getragen hat, aber er meinte nur „lucky summit bottle“ mit einem riesigen Smile. Schon an der Ama hatte er meine Flaschen fast für die Katz hoch getragen. Das scheint unser Ritual zu sein…

Ich nutzte also die Zeit, in der ich auf die anderen warten musste, um meine Thermosflasche zu leeren und auch meine Nalgeneflasche musste daran glauben. Ich dachte, es sei nicht schlecht, den Flüssigkeitshaushalt wieder auf Vordermann zu bringen, denn mein Ziel für heute war es eigentlich, bis zum Basecamp runter zu gehen. Ich hatte das Phunuru schon während der Rotation gesagt, da ich weiss dass ich nach einer Nacht irgendwo in einem Camp viel weniger motiviert und konzentriert wäre, am nächsten Tag weiter runter zu gehen. Am Kilimanjaro habe ich das das erste Mal versucht und obwohl ich am Schluss die Füsse nicht mehr gespührt hatte, geschweige denn gewusst hätte, wie ich sie noch richtig aufsetzen sollte, hatte es sich dort in jedem Fall gelohnt bis ganz nach unten zu gehen.

Mit der Zeit wurde es im Zelt ungemütlich warm, also zog ich meinen Daunenanzug aus und versuchte ihn so auszulegen, dass das Innenfutter von meinem Schweiss ein wenig trocknet. Ich hatte zuvor schon vorsorglich meinen Schlafsack und die Luftmatratze zusammengepackt, damit wir gleich nach Ankunft der Anderen wieder aufbrechen können. Mit der Zeit wurde es jedoch ziemlich kalt, weshalb ich mich unter den Schlafsack der anderen verzog. Immer wieder spähte ich nach draussen, um die anderen zu spotten, wenn sie über dem Hügel auftauchten. Als ich sicher war, sprang ich aus dem Zelt und winkte. Leider stellte sich heraus, dass ich falsch lag, da die Gruppe links in Richtung Camp 3 abbog. Nach 1h 15 Minuten kamen sie endlich in unsere Richtung gestapft. Langsam aber stetig näherten sie sich dem Camp. Mir blieb genug Zeit, den wieder trockenen Daunenanzug anzuziehen und meinen Rucksack fertig zu packen, damit Dean und JC nichts im Weg war bei der Ankunft. Endlich komnten wir uns alle in Ruhe beglückwünschen, umarmen, und ein wenig hochleben lassen. Ich machte ein paar Videos und Fotos von JC und Dean, in der Hoffnung, dass ihnen so ein paar Erinnerungen bleiben, wie sie sich bei der Ankunft in Camp 4 gefühlt haben. Sie sahen ziemlich müde und kaputt aus und liessen sich froh ins Zelt fallen. Phunuru hängte sie gleich wieder an die Sauerstoffmaske, damit sie sich einigermassen erholen können. Meine Erwartung, dass wir losgehen können, sobald die anderen angekommen waren wurde bitter enttäuscht. Die Sherpas mussten sich erst um heisses Wasser und was zu essen für Dean und JC kümmern und danach besprechen, wer was und wie viel den Berg herunter tragen würde. Ich genoss also ebenfalls nochmals ein bisschen Tee und verdrückte noch einen Schokoriegel und versuchte mich in Geduld zu üben. Schlussendlich bekamen Chirring und ich um 9.15h grünes Licht zum Abmarsch und nur ein paar Minuten später stand ich schon bereit. Ich würde die Sauerstoffmaske so lange tragen, bis die Flasche leer ist, ich beschloss aber, dass spätestens in Camp 3 genug des Guten ist. Zudem habe ich Chirring schon vor unserem Aufbruch im Basislager versprochen, respektive erklärt, dass ich auf dem Abstieg alle meine Materialien selber tragen werde. Als er vor dem Aufbruch fragte, wo meine Sachen sind, war er trotzdem erstaunt, als ich auf meinen Rucksack zeigte. Er zuckte kurz mit den Schultern, drehte sich um und begann loszulaufen. Einige Minuten danach begann es zu winden und nur wenige Minuten später marschierten wir in dichtem Schneegestöber den Spuren nach. Ich war froh, dass Chirring die Führung übernahm, den ich sah fast nichts mehr. Die Spuren waren innert Minuten verweht und das Einzige was uns auf der Spur hielt, waren die Fixseile und die Fähnchen, die hin und wieder im Horizont kurz zu sehen waren. Die fleissige Leserin erinnert sich vielleicht noch an den Blogeintrag über den Weg von Camp 3 zu Camp 4. Steil war da das entscheidende Stichwort. Jetzt kommt neben steil noch das Stichwort Schneegestöber hinzu. Es war keine Freude, den Steilhang einigermassen kontrolliert herunter zu gelangen. Hunderte Male rutschten wir aus, oder mussten wir uns ausbalancieren, weil wir unverhofft im Tiefschnee landeten. Ich regte mich ein wenig auf, dass wir ganze 3 Stunden bei schönstem blauen Himmel und Sonne im Camp 4 verbraten hatten und jetzt in diesem Sturm unseren Weg nach unten finden mussten.  Aber aufregend nützt ja nichts, das schadet nur der Konzentration. Also versuchte ich, diese negativen Gedanken mit dem Wind wegblasen zu lassen und den Fokus darauf zu legen, jeweils einen sicheren Schritt zu machen. Das ging nur so lange gut, bis wir zum ersten Mal an einem Anker warten mussten. Natürlich waren viele Kletterer vom Gipfel direkt weiter abgestiegen, ohne einen Halt in Camp 4 zu machen. Dies beinhaltet auch die müden, abgekämpften Häufchen, die wir auf dem Weg zum Camp 4 überholt hatten. Diese waren jetzt leider fast nicht mehr fähig ihren Sicherheitskarabiner umzuhängen und an besagtem Anker wäre es angesagt gewesen, sein Abseilgerät richtig einzuhängen und sich abzuseilen. Mit Hilfe des Guides war das Einhängen möglich, aber der Prozess des Abseilens dauert eeeewig. Wir versuchten Ruhe zu bewahren und einen einigermassen sicheren Stand zu halten. Nach etwa 15 Minuten war besagte Person am nächsten Anker angekommen und wir konnten weiter. Mit 2-3 schnellen Schritten neben der Route konnten wir die Schleichis überholen, die Freude war jedoch nur von kurzer Dauer, denn ein Schleichi kommt offenbar an einem 8000m selten allein. Beim übernächsten Anker sahen wir uns einer noch grösseren Warteschlange gegenüber. Wir waren zu weit hinten, um mitzubekommen, was das Problem war. Ich schloss automatisch aus der Situation, dass wahrscheinlich eine Gruppe am Aufstieg ist und da es nur ein Seil gibt, müssen die Absteiger so lange warten, bis das Seil wieder frei ist, also alle oben am Seil angekommen sind. Man erinnere das Stichwort steil, es dauert ewig, bis sich eine Gruppe an einem Seil ans Ende hoch gehievt hat. Meine Theorie geriet aber ins Wanken, als sich die Warteschlange langsam und zäh in Bewegung setzte, ohne dass uns irgendwelche Aufsteiger entgegen kamen. Als wir an der Reihe für das Abseilen waren, sahen wir was das Problem war: eine unfähige Kletterin, die nichts, aber auch gar nichts selber hinbekam. An beidem Handgelenken baumelten zusätzlich Handschuhe, die beim Umhängen störten, die Sauerstoffmaske schräg im Gesicht und die Folge davon: eine angelaufene Skibrille. Die Arme hatte also die schlechtesten Bedingungen, um schnell abzusteigen, auch wenn sie die Fähigkeiten dazu gehabt hätte. Das war leider nicht der Fall. Ihr Guide war entsprechend ungehalten und ungeduldig und schiss sie im 2-Minutentakt zusammen. Eher unproduktiv in dieser Situation aber irgendwie trotzdem auch verständlich. Ich glaube, ihr Guide hat das Terrain unterschätzt mit vier Seillängen an denen man nicht, oder nur unter grösstem Risiko überholen kann. Viele Sherpas die alleine unterwegs waren, nahmen das Risiko auf sich. Ich zog das zähe Warten dem Risiko vor, auch wenn es fast nicht auszuhalten war. Unser aller Glück war, dass nicht noch eine Gruppe am gleichen Ort aufsteigen wollte. So hielt uns die Dame zwar unnötig auf, aber die Sicherheit war zumindest für Chirring und mich jederzeit gewährleistet. Beim letzten Anker konnten wir das ungleiche Duo zum Glück überholen und wieder in unserem Tempo weiterziehen. Weiter unten kamen uns dann plötzlich immer mehr Kletterer entgegen, fast schon eine kleine Karawane. Es hatte sich anscheinend vor 2 Tagen im Basecamp herum gesprochen, dass heute der letzte einigermassen gute Gipfeltag sein würde und so zogen scheinbar sämtliche im Basislager verbliebenne Kletterer nun an uns vorbei in Richting Camp 4. Das Ausweichen an dem einzigen Fixseil glich zeitweise einem kleinen Ballett: Einhängen, aushängen, bei Chirring einhängen, Seilseite wechseln, wieder zurück, mit den Händen am Seil entlangtasten, oder mit Augenkontakt herausfinden, ob der Gegenverkehr kurz ausklinkt, oder ich das machen sollte. Auch auf dieser Strecke liess ich es mir nicht nehmen, ab und zu einen Fotostopp einzulegen, da ich nicht vorhabe, an den Manaslu zurück zukehren, so schön er auch ist zu besteigen. Abgesehen vom grossen Gegenverkehr, wurden wir von weiteren unfähigen oder müden Absteigern verschont und kamen schon bald an die letzte Abseilstelle kurz vor Camp 3. Hier hatte das Fixteam ein sehr rauhes Seil gewählt, was beim Aufstieg kein Problem ist. Will man sich aber mit dem Abseilgerät abseilen, weist es ziemlich grosse Reibung auf. Wenn dann da ein eher kleines Mädchen daran hängt, passiert rein gar nichts. Zum Glück hatte ich in meinem Rucksack ein bisschen Gewicht und mit Hängen und Würgen und Ziehen und Stossen schaffte ich es irgendwie auch noch bis ans Ende dieser Seillänge. Dies führte dazu, dass ich einmal mehr schweissgebadet in meinem Daunenanzug stand und mich fragte, wann es wohl in dieser Expedition so richtig kalt werden würde. Gefühlt hatte ich in den letzten paar Wochen mehr geschwitzt als gefroren. Chirring brachte mir bei der Ankunft eine Tasse Tee und liess mich wissen, dass Phunuru gesagt hat, dass wir in Camp 3 bleiben sollten, es sei denn es hätte keine freien Zelte mehr. Camp 3 war ziemlich geschäftig, es erinnerte mich mehr an ein Bienenhaus als an ein Berg-Camp. Die Entscheidung, noch ein Camp weiter abzusteigen fiel uns nicht schwer. Er musste aber zuerst unseren Reissack finden, in dem wir beim Aufstieg Dinge deponiert hatten, die wir oberhalb von Camp 3 nicht mehr benötigen würden. Auf meiner Seite war das zum Beispiel ein Thermoshirt oder der Ebook-Reader, die zweite Nalgeneflasche, die Hochtourenhosen oder Ersatzsocken. Da ich in Camp 4 ein wenig komisch gepackt hatte, konnte ich nichts von meinen Sachen in meinen Rucksack packen, ausser die Trinkflasche. Zum Glück musste Chirring nur meinen Krimskrams einpacken und konnte den Rest der anderen wieder zurücklegen und deponieren. Jeder Sherpa trägt nur Allgemeingeräte plus die Dinge der zugeteilten Kunden. Wir wollten ursprünlich in Camp 3 auch unseren Daunenanzug in die normalen Klettersachen tauschen. Aber da kein Zelt frei und das nächste Camp in der Nähe war, verzichteten wir darauf. Ich versorgte nun auch meine Sauerstoffmaske im Rucksack und stellte der Flasche den Saft ab. Chirring war zwar nicht so begeistert, liess mich jedoch gewähren. Ich wollte zumindest den Weg von Camp 3 ins 2 ohne Sauerstoff bewältigen, nachdem ich beim Aufstieg diesen benutzen musste. Das Gute an diesem Wegabschnitt ist, ist dass er kurz und mässig steil ist. Nur zwei Steilwände und ein paar moderate Hügel trennten uns vom nächsten Camp. Noch immer arbeiteten meine Beine super zuverlässig und ich verspührte keine grosse Müdigkeit in ihnen. Meine Arme hingegen fühlten sich schon ein wenig träger an als noch vor 12 Stunden. Aber ich hatte ja extra dafür zahlreiche Stunden im Fitnesscenter verbracht, wusste also, dass mich auch meine Arme in nächster Zeit nicht im Stich lassen werden. Um kurz nach 12h kamen wir schliesslich im Camp 2 an. Ich einmal mehr völlig verschwitzt, obwohl ich im Camp 3 sämtliche Lüftungsreissverschlüsse von meinem Anzug geöffnet hatte. Chirring ging es wahrscheinlich ähnlich, er sagte aber nichts dazu. Gleich bei der Ankunft wies er mir ein Zelt zu und meinte, ich solle mich einrichten. Auf meine Frage, ob wir nicht weiter gehen könnten, meinte er Nein, wir müssten auf die anderen warten. Ich wusste, es brachte nichts zu diskutieren, fragte aber trotzdem zur Sicherheit nochmals nach. Die Antwort blieb dieselbe. Und weil ich unbedingt pinkeln musste - zuverlässiges System, immer schön bei Ankunft im Lager - liess ich die Antwort auf sich beruhen.

Wie gut die Shetpas von IMG sind, kann man an zahlreichen Beispielen aufzählen. Eines davon ist simpel, immer nach Ankunft in einem Lager ist das erste Anliegen, dass wir Kunden etwas zu trinken haben, also gehen sie schnurstraks ins Küchenzelt und holen dir eine Tasse heissen Tee, zudem nehmen sie dir gleich danach sämtliche leeren Flaschen ab um sie mit heissem Wasser zu füllen. Das passiert völlig automatisch, egal in welchem Camp. Im Basislager stehen 24h 2 grosse Thermoskaraffen bereit, so dass man sich seine Flaschen selbständig füllen kann.

Ich gab meinen Wunsch, direkt ins Basislager abzusteigen noch nicht ganz auf, kümmerte mich aber erst einmal um ein anderes Problem: ich zog meinen schweissnassen Daunenanzug aus und versuchte ihn wieder im Zelt auszulegen um ihn zu trocknen. Mittlerweile kam wieder ein bisschen die Sonne raus, was das Zelt innen angenehm wärmte. Ebenfalls wechselte ich die Klamotten unter dem Daunenanzug und zog meine Hochgebirgshose plus das Thermosshirt an, das ich in Camp 3 gelagert hatte. Die nassen Kleider hängte ich wahllos im Zelt auf, in der Hoffnung dass sie während dem Warten trockneten. Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich wohl warten müsste, versuchte es mir aber im Zelt so gemütlich wie möglich zu machen, ohne meine Matratze oder den Schlafsack auszupacken. Einen klitzekleinen Hoffnungsschimmer hatte ich nämlich noch, dass ich weitergehen dürfte. Chirring kam bald vorbei und fragte, ob ich noch mehr Tee oder was zu essen wolle. Ich hatte mich schon den gesamten Auf- und Abstieg auf eine Portion Popcorn gefreut, mein Traditionsessen, wenn ich im Basislager ankomme. Da ich ziemlich wahrscheinlich hier in Camp 2 für heute feststeckte, fragte ich Chirring nach einer Portion Popcorn. Er stutzte kurz, zuckte mit der Schulter und verschwand in Richtung Küchenzelt. 2 Minuten später kam der Koch raus und kam zu mir, um zu fragen, ob ich wirklich Popcorn wolle. Ich bejahte dir Frage und fügte hinzu, dass ich auch schon mit einer kleinen Schale zufrieden wäre. Er schaute zwar verdutzt, kam aber 10 Minuten später tatsächlich mit einer Schale wunderbarem Popcorn zurück. Eine halbe Stunde später stand er sogar mit Nachschub vor meinem Zelt. Dies versüsste mir die Wartezeit erheblich und so genoss ich auf knapp 6000m Popcorn mit heissem Tee und las weiter auf meinem Ebook in meinem Roman.

Dienstag, 24.September - Camp 2 bis Basecamp

 

Ich weiss nicht wie viel Zeit vergangen war, auf jeden Fall stand plötzlich Chirring vor meinem 

Zelt, um mir mitzuteilen, dass er mit Phunuru gefunkt hatte. Wir müssten zwar auf sie im Camp 2 warten, da noch einiges wegen dem Material und dem Heruntertragen der Lasten diskutiert werden müsste. Danach dürfte ich aber mit ihm weiter absteigen. Ich freute mich riesig und war extrem froh, dass ich meinen Rucksack noch nicht ausgepackt hatte. Denn ich war kurz zuvor, mich dem Schicksal hinzugeben und mich im Zelt auszubreiten. Es war nämlich mittlerweile schon 15h und meine Hoffnung auf die Weiterreise ziemlich auf dem Nullpunkt. Nun wusste ich, dass ich wach bleiben musste und bestellte gleich nochmals einen Schwarztee. Die anderen waren mittlerweile im Camp 3 angelangt, würden auch eine Teepause machen und dann zu uns kommen. Es dauerte nochmals mehr wie eine Stunde, bis JC im Camp ankam, ziemlich müde und am Ende. Dean folgte langsam am Horizont. Er hat seit einigen Monaten massive Probleme mit seiner Achillessehne und das Bergablaufen zerrt massiv an seinen Kräften. Er hat bei jedem Schritt Schmerzen und er verdient meine absolute Hochachtung, dass er es in diesem Zustand schaffte, so schnell in Camp 2 zu sein! Als er ankam, halfen wir ihm mit dem Abnehmen der Steigeisen und verfrachteten ihn und JC schnellstmöglich in ihr Zelt. Es dauerte nur wenige Minuten bis auch sie einen heissen Tee in den Händen hielten. Sie würden heute keinen einzigen Schritt mehr machen und das Ziel war nur, die beiden noch wach zu halten, sie sie eine Nudelsuppe gegessen hatten. 

Für mich hiess es, Rucksack neu packen, damit noch mehr Material darin Platz hat, nochmals ein paar M&M‘s und einen Riegel essen und meine Trinkflasche neu füllen lassen. Ich schaffte es, alle meine Kleider im Rucksack zu verstauen. Das einzige, was von den Sherpas also herunter getragen werden musste, war mein Daunenanzug, eine leere Nalgene-Flasche und die Thermosflasche. Als der Rucksack gepackt war und ich meine Steigeisen montierte, teilte mir Phunuru mit, dass auch Mingma mit Chirring und mir in Richtung Basecamp gehen würde. Das war für mich kein Problem. Ich wäre auch alleine abgestiegen, wusste aber, dass mir das niemand erlauben würde. Um kurz nach 16.30h waren alle startklar. Mein Daunenanzug fand in keinem Rucksack Platz, was aber für mich kein Problem war. Er würde am nächsten Tag mit dem Rest ins Basislager gelangen, und sicher nicht im Camp liegen bleiben. Da wir eher spät unterwegs waren, erwarteten wir,dass wir gut durch den Eisfall kommen würden. Ich rechnete mit ca. 5 Stunden bis zum Basislager, dass wir also im Dunkeln ankommen würden. Das war für mich kein Problem, ich wäre auch noch länger gewandert, wenn es hätte sein müssen. Ich fühle mich halt einfach erst im Basislager wieder zu 100% sicher und darum gilt in meinem Kopf der Berg erst als erfolgreich bestiegen, wenn ich wieder mit beiden Füssen im Basislager bin. Vorher erlaube ich mir keine grosse Feier und bleibt die Konzentration hoch. Ebenfalls sehnte ich mich danach, meinen Freunden und Familie die ersehnte Nachricht zu schicken, dass es mir gut geht und ich wieder heil zurück bin. Bis jetzt hatte ich noch keinen Empfang, sie waren also alle seit Samstag im Ungewissen. Ich wusste auch nicht, ob IMG seinen Blog schon aktualisiert hatte oder nicht. Ich weiss nie, wer mit der Ungewissheit besser umgehen kann. Diejenigen die zu Hause sitzen und überhaupt keine Ahnung haben, wo ich bin oder wie es mir geht. Oder ich, die weiss, dass alles gut ist und das unbedingt schnellstmöglich mitteilen möchte. Es geht mir nicht darum, ihnen zu sagen, dass ich auf dem Gipfel war, sondern, dass ich wohlbehalten wieder zurück bin. Denn wie schon mehrmals geschrieben: was bringt einem der Gipfel, wenn man nicht zurück kommt? Für mich zählt er dann nämlich genau nichts. 

Als wir losliefen, konnten wir ein gutes Tempo anschlagen, denn der Einstieg in den Eisfall ist noch nicht allzu steil. Die erste Abseilstelle kam bald und trotz schwerem Rucksack meisterte ich diese ohne Probleme. Nach dem Umhängen am Anker kommt man um eine Ecke und dort sah ich schon ein paar Sherpas stehen. Das ist an sich noch nichts Besorgniserregendes. Als wir näher kamen, fragten Mingma und Chirring nach, was denn los sei. Nach kurzer Unterhaltung war klar, dass einfach ein Westler ein bisschen länger brauchte und man ihn nicht am parallel hängenden Seil überholen wolle, da. An nicht wisse, wie er reagiere. Er war mit seinem Kletterpartner unterwegs, der ihn unterstützte. Da wir wussten, dass alle Anwesenden ziemlich schnell am unteren Seilende ankommen würden, sobald das Seil frei wäre, nahmen wir die Situation gelassen. Ich beschloss, mich trotz Rucksack hinzusetzen, oder eher auf den Rucksack zu liegen, wie ein Käfer auf dem Rücken. Das war nicht so eine gute Idee, denn seit dem Abstieg aus Camp 4 plagte mich ein leichter trockener Husten. Die eingenommene Lage begünstigte diesen. Also versuchte ich meine Bauchmuskeln zu aktivieren und mich wieder aufzurappeln. In dem Moment traf mich ein Schneeball im Rücken. Verwirrt versuchte ich herauszufinden, wer hinter mir wäre, den ich kenne. Und stehe da, ein strahlender Phunuru steht vor mir. Er hatte beschlossen, ebenfalls loszugehen, etwa eine Stunde nach uns, um uns im Camp 1 einzuholen. Er war ebenso erstaunt wie wir, dass er uns schon vor der zweiten Steilwand einholen konnte. Der Westler in der Wand war wohl langsamer unterwegs als wir erwartet hatten. Sobald das Seil seines Begleiters frei war, rief mich Chirring zu ihm und half mir beim Einhängen, damit alles ein wenig schneller geht. Das Ziel war, dass ich die 2 unten überholen könnte, damit wir bei der dritten Steilwand nicht wieder so lange warten müssten. Also seilte ich mich schnellstmöglich ab. Mit dem schweren Rucksack in der Vertikalen ein sehr einfaches Unterfangen. Man musste einfach schauen, dass man früh genug bremst, vor allem wenn man eher rutschige Handschuhe hat, wie ich. Ich schaffte es also tatsächlich vor dem Duo am Anker umzuhängen und ein bisschen Smalltalk mit den beiden zu machen. Es stellte sich heraus, dass einer der beiden Andrej ist, den wir auf der Rotation schon im Camp 1 getroffen hatten. Der andere stellte sich als sein Kunde heraus, der ziemlich angeschlagen war. Sie waren am Vortag um 17.30h direkt von Camp 3 auf den Gipfel aufgebrochen und seit dem unterwegs. Mittlerweile also seit knapp 24h, ohne Schlaf oder grosse Ruhepause. Sie liessen mir netterweise den Vortritt und da ich wusste, dass Chirring und Mingma schneller als ich sind, ging ich gleich weiter. Nach etwa 50m kam ich um eine Ecke und sah etwas Unerwartetes: eine riesige Menschenschlange die wie aus dem Nichts auftauchte. Etwa 30 Personen standen sich die Beine in den Bauch und einige sahen schon ziemlich verfroren aus. Da im Eisfall Einbahn herrscht, und man keinen Umweg machen kann, blieb mir nichts anderes übrig, als mich einfach ebenfalls anzustellen. Einige Minuten später stand Chirring neben mir und versuchte herauszufinden, was denn los war. Ich dachte da noch, dass sicher ein kleines Problem besteht, das sie schon lange gelöst hatten und wir nur noch ein paar Minuten warten müssten, bis wir weiter gehen könnten. Mittlerweile standen hinter mir alle Sherpas, die mir vorher bei der ersten Wartezeit den Vortritt gelassen haben, inklusive Phunuru. Alle Sherpas diskutierten herum, wir Westler standen einfach ruhig da und versuchten uns warmzuhalten. Ich zog wieder meine Daunenjacke über, die ich im Camp 2 im Rucksack verstaut hatte. Noch hatte ich warme Finger und das wollte ich auch möglichst lange so belassen. Denn abseilen mit kalten Fingern in einer Senkrechten muss nicht unbedingt sein. 

Noch nahm ich die Situation mit Humor, schliesslich konnte das Problem ja nicht so lange dauern. Erst als ein Russe hinter mir ein wenig ungeduldig nach vorne schrie, dass sich seit 15 Minuten niemand bewegte und was denn das Problem sei, wurde mir bewusst, dass er Recht hatte. Wir standen schon etwa 20 Minuten da und niemand hatte sich bewegt. Der Russe rief wieder: „Das wird ewig dauern. Wenn jeder nur 5 Minuten zum Abseilen hat, was denkt ihr, wie lange wir hier noch stehen?“ und er hatte Recht! Ich begann die Leute vor mir zu zählen, hörte aber nach 20 auf, denn 20x5 wären schon 100 Minuten…. Ich überlegte fieberhaft, welche Optionen wir sonst noch hätten. Zurück ins Camp 2 klettern schloss ich aus. Denn die 2 Vertikalen, die wir uns schon abgeseilt hatten, waren nicht gerade in einem guten Zustand, um sie zu erklimmen und immerhin war mein Rucksack bis oben hin voll mit Gewicht. Ich dachte, dass vielleicht einer der Sherpas ein Seil dabei hätte, das man als Umweg befestigen könnte. Doch ich sah weit und breit kein Seil. Ich versuchte mich zu erinnern, wo in der Route wir überhaupt stehen und mir wurde klar, dass wir oberhalb der Sektion sein müssen, wo die Leiter angebracht ist. Ich überlegte mir, ob vielleicht der Serac eingestürzt ist, oder die Leiter verlängert werden müsste. Oder dass die Eisbrücke nicht mehr da ist, über die man zur Leiter gelangt. Vielleicht wäre je,and am Hochklettern, aber da es 2 Seile gab, war diese Möglichkeit für mich eher unrealistisch. Leider konnten wir nichts erkennen und ob Chirring die Antwort wusste, konnte ich nicht herausfinden, denn er schüttelte nur den Kopf. Also nahm ich mein Handy hervor und machte immerhin ein paar Fotos von der schönen Aussicht. Die Berge lagen nämlich schön in der Dämmerung und strahlten irgendwie in er ungewöhnlichen Farbe und Schärfe. Aus Jux schaltete ich den Flugmodus auf dem Handy aus, um zu sehrn, ob ich vielleicht mitten im Eisfall Empfang hätte. Ihr hättet mein Gesicht sehen sollen, als plötzlich Nachrichten aufploppten… in jedem Camp hatte ich Empfang gesucht und nicht gefunden. Und jetzt hier, mit der Aussicht der Berge und der weniger tollen Aussicht über eine Stunde warten zu müssen, hatte ich plötzlich die Möglichkeit, meinen Liebsten mitzuteilen, dass ich auf dem Weg zum Basecamp bin. Ich schaffte es sogar, ein Foto des Staus in den Familienchat zu schicken (siehe Foto oben) und ein Foto in meinen Status zu laden, dass ich nicht tausende einzelne Nachrichten schreiben musste, um jeden zu beruhigen. Meine Schwester war zufällig online und konnte mich gleich nocv über die Resultate der Puzzle-WM updaten. Da ich den Akku schonen wollte, schaltete ich den Flugmodus nach etwa 20 Minuten wieder ein. Man weiss ja hier nie, wie schnell man vorwärts kommt. Ich sah mich schon im Camp 1 übernachten, weil wir hier stundenlang ausharren müssen. In dieser Handyzeit hatte sich immer noch nichts getsn in Sachen Bewegung. Das einzige war, dass sich ein Sherpa vordrängelte an den Kopf der Schlange, um das ganze irgendwie zu beschleunigen. Ich hötte es zwar nie für möglich gehalten, aber das nützte tatsächlich etwas. Nach kprzester Zeit hängte sich die erste Person in das Seil und verschwand in der Tiefe. Natürlich dauerte es unendlich lange, bis die zweite Person das Ganze nachmachte, aber so langsam kam ein wenig langsamer Schwung in den Stau. Ich wusste, dass da zwei Seile waren, um runter zu kommen: eine Senkrechte, fast überhängende Direjte, die wir bei der Rotation den Sherpas überlassen hatten. Und die Indirekte über den schiefen Serac mit 2 Ankerplätzen, wo man sich umhängen muss. Vor allem der zweite Wechsel war scheisse, da man eigentlich mit dem gesamten Gewicht im Abseilget hängt und für die Füsse nur gsnz kleine Kanten zum Stehen hat. Nach dem Umhängen muss man ca.50cm herunter klettern, so dass man seine Hände wieder gut für die Bremsstbeit positionieren kann. Definitiv nicht mein favourite Teil der Route. 

Für uns dauerte es nochmals fast 45 Minuten, bis wir endlich an der Reihe waren. In dieser Zeit kamen wir auch darauf, was das Problem war. Eventuell erinnert ihr euch an das ungleiche Duo, das uns auch dem Weg zum Camp 3 schon das Leben schwer gemacht hatte. Die undöhige Dame mit dem ungeduldigen Sherpa? Nun, dieses Duo hatte keine Pause gemacht im Camp 3 und offensichtlich auch keine in Camp 2. genau diese 2 steckten über eine halbe Stunde in diesem Teil der Route fest. Ich kann mir nicht vorstellen, was sich der Sherpa gedacht hat. Diese Dame gehörte mit Sauerstoff in einen Schlafsack in Camp 3 oder 2, damit sie sich ausruhen konnte. Ich sah sie zugällig unterhalb der Steilwand stehen, oder besser gesagt schwanken. Sie war völlig orientierungslos und guckte umher, wie ein neugieriges Kind, das zum ersten Mal einen Gletscher sieht. Mittlerweile trug sie keinen Rucksack mehr und die Handschuhe die Stunden zuvor an ihren Handgelenken gebaumelt hatten, waren auch verschwunden… ich sah das Gute in der ganzen Situation. Ich stand so weit hinten in der Schlange, die die beiden verursacht hatten, dass ich sicher noch da stehen würde, wenn sie weit weg im Camp 1 sein würden… 

Chirring war vorgegangen, um die Route zu begutachten und als ich an der Reihe war, fragte mich der Sherpa, ob ich alleine oder mit Guide unterwegs wäre. Ich sgte, dass ich mit Chirring unterwegs sei. Mingma und Phunuru waren nämlich mindestens noch 10 Personene weiter hinten im Stau platziert. Also dirigierte mich der liebe Koordinator ans gleiche Seil wie Chirring, das sich leider als dir indirekte Linie herausstellte. Der obere Teil war kein Problem. Aber mittlerweile war das Umhängen an den beiden unteren Ankern nicht ganz unproblematisch. Hinzu kommt, dass unter mir ein kleiner Sherpa unterwegs war, deren Rucksack so schwer war, dass es ihn automatisch in die Tiefe zog. So hatte er keine Chance, sein Abseilgeröt auszuhängen, gescheige denn umzuuhängen. Er versuchte alles, wirklich alles. Ich spührte das, weil ich im selben Seil hing und bei seinen Bemühungen hin und her geschleudert wurde. Nicht so geil, wenn man eiskalte Hände, Höhenangst und seit Stunden einen schweren Rucksack am Rücken hat und über einem Serac baumelt, der sich noch mehr geneigt hat. Nicht zu reden von der Gletscherspalte, die darunter lauerte. Ich versuchte wirklich einen kühlen Kopf zu bewahren, aber das war doch des Guten ein wenig zu viel. Wenn ich merke dass ich in Panik gerade, beginne ich schön tief und lauf ein- und auszuatmen. Wahrscheinlich so, wie jede Schwangere das im Geburtsvorbereitungskurs eingeschärft bekommt. Also hänge ich da am Pendel und versuche mich auf das Atmen zu konzentrieren. In der Zwischenzeit hatten  anscheinend einige Personen die oben hinter mir gestanden waren, am direkten Seil den Abstieg geschafft. Denn als ich versuchte, mich auf etwas zu fokussieren, sah ich Phunuru am unteren Ende jenes anderen Seils stehen. Er sah die Misere des Sherpas an meinem Seil jnd versuchte ihm zu helfen. Irgendwie gelang es ihm so, einen einigermassen sicheren Stan zu halten jnd sein Abseilgeröt unzuhängen. Keine 30 Sekunden später war er unten und ich endlich an der Reihe, diesen Anker zu überwinden. Auch ich brauchte mindestens 5 Minuten, in denen ich nicht nur mit dem Seil, sondern auch gegen die Tränen kämpfte. Ich hatte Angst zu fallen und das stresste mich - wie immer an einer senkrechten Wand - extrem. Von oben bekam ich von einem netten Sherpa ein wenig Zuspruch und auch Chirring, noch weiter oben, versuchte mich zu beruhigen. So klappte das Umhängen auch bei mir endlich und ich konnte die letzten 3m abseilen. Meine Beine zitterten aber mittlerweile ziemlich, schlechteste Voraussetzungen für die nun folgende Leiter. Diese steht nämlich nun ca.im 50 Grad Winkel und nur auf einer Sprosse, da sich die Schneebrücke weiter abgesenkt hatte. Ich hängte meinen Sicherheitskarabiner schnellstmöglich ein und versuchte so kontrolliert wie möglich dieses Ding zu erklimmen, schliesslich sind es nur etwa 20 Sprossen zweiter kurzer aneinandergeknüpfter Aluleitern. Ich redete dabei laut bei jedem Schritt vor mich hin: du schaffsch das, du schaffsch das, du schaffsch das. Oben angekommen, hängte ich schnell um und dann machte ich erst einmal 5 Minuten Atempause. Ich war völlig ausser Atem und konnte das einige Minuten nicht kontrollieren. Was mich wieder zur Besinnung brachte, war die Erkenntnis, dass es mittlerweile mehr dunkel als hell war. Eigentlich schon lange Zeit, die Stirnlampe aus dem Rucksack zu kramen. Aber jetzt wollte ich nicht mehr vernünftig sein, sondern einfach schnellstmöglich aus diesem doofen Eisfall raus. Also lief ich, ohne auf Chirring zu warten, weiter. Die Route war immer noch ganz klar erkennbar und überall waren Seile. Aber nach weiteren 10 Minuten musste ich einsehen, dass ich ohne Licht nicht mehr lange weiter gehen könnte, ohne in ein Loch zu treten, oder das Seil beim Umhängen zu verpassen. Zum Glück sah ich etwa 100m weiter zwei Kletterer sitzen, denn ich wollte meinen Rucksack nicht vom Rücken nehmen, um die Stirnlampe heraus zu nehmen, wenn nicht unbedingt nötig. Die zwei Kletterer waren niemand anderes als Andrej und sein Kunde, der noch mieser aussah, als noch 2 Stunden zuvor beim Amstehen. Trotzdem halfen sie mir mit der Stirnlampe und whrebd dem schloss auch Chirring zu uns auf. Ich konnte ihm nun ebenfalls die Stirnlampe aus dem Rucksack reichen, so dass keiner von uns seinen Rucksack ausziehen musste. Wir überholten Andrej und Co dabei und standen kurze Zeit später bei der letzten technischen Stelle im Gletscher. Eine 5m Wand, die man gut ihne Abseilgeröt meistern kann, wenn man die Sherpatechnik anwendet: beide Hände ans Seil und dann rückwärts Tritt für Tritt die Wand herunter laufen. Das letzte Mal bündelte ich dafür meine Konzentration und so meisterte ich auch diese letzte Hürde in der Dunkelheit ohne Probleme. Der Rest zum Camp 1 ist Geharbeit über einige kleine Hügelchen, immer schön dem Seil entlang und dauerte vielleicht noch 10 Minuten. 

Ich war echt froh, als wir endlich im Camp angekommen waren, wo Phunuru uns schon mit einem Grinsen erwartete. Neben ihm stand noch grinsender Devras, unser Esszelt-Sherpa, der mit Cola und Esswaren winkte. Ich hatte ein Deja-Vu, denn genau diese Szene spielte sich schon an der Ama ab. Da läuft man nichtsahnend ins Camp 1 und da steht ein strahlender Devras mit Lebensmittel die er einem zur Belohnnng abgeben möchte. Wie schon an der Ama hatte er leider das Falsche dabei: eine Portion Popcorn, Schokolade oder ein Eistee wren perfekt gewesen, seine Cola und Sandwiches leider nicht. Aber er war nicht beleidigt, als ich stattdessen eine heisse Tasse Tee annahm. Ich glaube die Sherpas hier kennen mich langsam und hoffentlich nehmen sie es mir nicht allzu böse. 

Phunuru unterrichtete mich derweil, dass Mingma und Chirring im Camp 1 bleiben werden, weil sie am nächsten Tag wieder ins Camp 2 hochgehen müssen, um die letzten Materialien herunter zu tragen, das Ziel war, vor dem grossen Unwetter, das bald kommen würde, alles Matetial im Basecamp zu haben, um die Expedition abzuschliessen. Phunuru würde aber mit mir zusammen ins Basislager weitergehen, begleitet von Devras, der die Ladung von Mingma und Chirrin übernimmt („nur“ 6 leere Sauerstoffflaschen…). Phunuru wollte im BC mit dem Organisieren der Bewilligungen für die Heliflügw beginnen, so dass wir baldmöglichst nach Kathmandu zurück fliegen könnten. 

Ca. Um 19h liefen wir von Camp 1 los. Der Weg war auch hiet klar markiert und wir gingen im flotten Sherpatempo los. Ich konnte auch nach dem langen Tag problemlos mit dieser Pace mithalten und folgte Phunuru Schritt und Tritt in Richtung Gletscherkante. Nun hatten wir keinen Gegenverkehr oder Stau mehr und so kamen wir sehr gut voran. Nur knapp 50 Minuten brauchten wir - mittlerweile durch Schneegestöber - bis zum Crampon point, wo ich endlich wieder in meine kleinen, unklobigen Wanderschuhe wechseln und die Steigeisen loswerden konnte. Weil mein Rucksack schon voll war, schnallte ich die Bergschuhe und die Steigeisen einfach darauf, obwohl das Gewichtsverhältnis so alles andere als optimal war. Aber vor uns lagen nur noch eine knappe Stunde Wanderweg und das schaffte ich jetzt so auch noch irgendwie. Uns war schon lange wsrm, aber ich war zu faul ummmeine Daunenjacke auszuziehen. Zudem hatte sich das Schneegestöber sich noch in Regen verwandelt und die Jacke war eh schon nass. Warum diese ausziehen und auch noch einen nassen Pulli bekommen? Lieber nässte ich meine Kleider von innen mit Schweiss ein.. aber das war mir egal, ich wollte jetzt wirklich einfach nur noch ins Basislager, meine Schuhe ausziehen und was trinken und meine Popcorn essen. Devras war beim Crampon point nur kurz stehen geblieben und war uns weit vorsus, denn er musste sich um unser Abendessen kümmern. Ich hoffte, dass wr sich daran erinnerte, dass ich ausser Popcorn nichts anderes wollte. Also stapften Phunuru und kch durch den Regen, peinlichst aufpassend, dass uns so kurz vor dem Ziel kein Misstritt passierte. Die kurze Kletterpassage meisterten wir am Siel ebenso souverän, wie die steilen Teile des Weges kurz bor dem Basecamp. Die Aussicht war wunderschön, das ganze Camp hell erleuchtet und das hielten wir natürlich nochmals fotografisch fest. Um kurz nach 21h war es dann endlich soweit, ca.17h nachdem ich auf dem Gipfel des Manaslu stand, setzte ich meine letzten Schritte und lief ins Basecamp. Die gesamte Küchencrew wartete schon auf uns und gratulierte uns mit Handschlag und Umarmungen. Ich fühlte mich endlich sicher, wusste aber, dass ich mich noch nicht setzen konnte. Wie schon bei der Ama, war es mir erst ein Anliegen, beim Pujaplatz vorbei zu gehen, und mich für die sichere Passage zu bedanken, für die wir während der Puja angefragt hatten. Die 2 Minuten mussten einfach sein, denn ich war wirklich dankbar, dass ich so gesund wieder zurück bin. Danach ging ich zum Esszelt, wo ich endlich meinen Rucksack loswerden und mich setzen konnte. Ach was war ich glücklich und der Blick in Phunurus Gesicht sagte mir, dass es ihm genau gleich ging. 

Die Popcorn liessen nicht lange auf sich warten und dazu gab es ein Sprite, das Phunuru und ich uns teilten. Er genoss eine Nudelsuppe und dann war erst einmal eine Stunde Ruhe, da wir beide am Handy waren. Ich konnte die Familie kurz updaten, versuchte ein paar Nachrichten von Freunden zu beantworten, was mir eher schlecht als recht gelang. Ich war zu überwältigt und wusste nicht, wie ich meine Gedanken in Worte packen sollte. Also liess ich das Handy Handy sein und kümmerte mich um meinen Rucksack. Phunuru wollte mir nicht glauben, dass ich meine Sauerstoffflasche und allen Rest selber herunter getragen hatte. Er meinte zwar, dass sie in Camp 2 eine Flasche gesucht hatten, weil eine gefehlt hatte. Ich hatte ihnen dort schon gesagt, dass ich die Flache im Rucksack habe, aber offensichtlich glaubte mir niemand. Als ich dann vor den Augen Phunurus die Flasche aus dem Rucksack zog, war er ziemlich baff. Sein Kommentar dazu: „wie kann ein so kleines Mädchen so stark sein?“ ich habe darauf keine Antwort, ich bin glaube ich einfach glücklich geschätzt mit meinen Beinen. 

Kurz vor dem Zubettgehen musste ich Phunuru dann noch die Frage aller Fragen stellen, nämlich ob er denke, dass ich bereit wäre für den Everest. Seine Antwort dazu war zwar kurz aber genau das was ich hören wollte: 100%! 

Das war mein Stichwort, um noch glücklicher zu sein, jedoch merkte ich auch langsam die Müdigkeit. Wir beschlossen, den Ofen im Esszelt durch die Nacht laufen zu lassen und alle unsere nassen Sachen im Esszelt aufzuhängen, damit sie trocken können. Danach nahm ich meine Stirnlampe und ging zu meinem Zelt, das ich erst vor 3 Tagen verlassen hatte, um auf diese Gipfeltour zu gehen. 

Ich fand mein Zelt noch genau so vor, wie ich es verlassen hatte: eine Schlaufe oben und zwei Steine vor der Öffnungsklappe, dass kein Wasser reinlaufen würde, falls es regnet. 

Im Zelt zog ich schnell meine Thermosachen an, die ich als Pijams benutze, schlüpfte in meinen Schlafsack und schlief ziemlich schnell ein. 

Mittwoch, 25.September - Der Tag danach

Ich schlief in dieser Nacht prächtig, ohne einmal zwischendurch einmal aufzuwachen. Das ist wahrscheinlich auch kein Wunder, wenn man bedenkt, dass ich zuvor um Mitternacht bereit sein musste, um auf 8000m zu wandern. Trotzdem fühlte ich mich nicht übermässig erschöpft oder ausgelaugt. Am nöchsten Morgen wachte icv von Phunuru auf, der mit jemandem telefonierte oder dunkte. Es war halb 7 Uhr morgens und als ich mich im Schlafsack undrehte, spürte ich sowohl meine Schultermuskeln, wie auch meine Oberschenkelmuskeln. Schliesslich war ich am Vortag 700m hoch und 3300m runter gelaufen, es wäre komisch, wenn ich das am nächsten Tag nicht merken würde.

Ich blieb noch ein wenig liegen und versuchte zu begreifen, was ich da überhaupt geleistet hatte. Ich war gestern auf dem Gipfel des Manaslu auf 8163m gestanden und hatte jeden Schritt davon genossen! Wie crazy ist das bitte??? Ich musste es mir sogar laut sagen, aber irgendwie dringt es noch nicht so ganz in mein Gehorn vor. Ich schaute meine Gipfelbilder an, aber das half mir auch nicht weiter. Dieser Zustand hält bis jetzt, 4 Tage später an. Ich bin gespannt, wie lange es geht, bis das Ganze in meinem Kopf gespeichert ist. Da wir normalerweise um 8h frühstückten, schälte ich mich kurz vorher aus meinem Schlafsack und schlüpfte wieder in meine Klettersachen. Ich wollte nach dem Frühstück duschen und die frischen Sachen, die ich für diese Gelegenheit aufgehoben hatte, noch nicht schmutzig machen. Phunuru sass nicht in unserem Esszelt, sondern im Cafe nebenan, mit einem Grinsen im Gesicht und einem grossen Schokodonut in der Hand. Wir gratulierten uns nochmals zu unserem Erfolg und wiederholten das bei den anderen anwesenden Kletterern. Dann ging ich in unser Esszelt, um mir einen Tee zu holen. Ich hatte vergessen, dass der Ofen die ganze Nacht lief, so dass mich die Wärme fast wieder aus dem Zelt trieb. Im Zelt sah es lustig aus: überall unser Zeug verteilt und ziemlich chaotisch. Ich sammelte meine sieben Sachen zusammen, die sllesamt trocken waren und stopfte sie zurück in den Rucksack. So hatten wir immerhin zj 2.Platz um zu frühstücken. Devras brachte mir einen Toas mit ein paar Früchten, wie ich ihm das am Vorabend gesagt hatte. Ich wollte nicht, dass sie mir extra was weiss ich kochen, obwohl ich nun nicht mehr gezwungen war, viel zu essen. Ich genoss meinen Toast mit Nutella-ähnlichem Irgendwas und startete einen zweiten, eher erfolglosen Versuch, Nachrichten von Freunden und Familien zu beantworten. Ich hoffe, mir ist niemand böse wegen der kurzen Antworten. Ich glaube mein Gehirn braucht wirklich einfach noch viel Zeit um das Ganze zu realisieren. Ebenfalls versuchte kch mit Raphael zu telefonieren, aber das Wifi war so grottenschlecht, dass ich mich alle 3 Minuten neu verbinden musste. Also liess ich das Handy bald liegen und genoss ein wenig die Athmosphäre des Basecamps. Bald war meine Dusche fertig und ich packte meinen letzten frischen Klamotten zusammen, die ich am sonnigen Ruhetag vor ein paar Tagen mühsam gewasceb hatte. Ich nahm mir Zeit beim Duschen, obwohl die Luft kälter war, als erwartet. Die Haare wurden so gut wie es ging auch gewaschen. Danach packte ich mich in die frischen Kleider, schlüpfte wieder in die Daunen und ging zurück ins Esszelt, wo noch immer der Ofen lief. Dort wartete ich bis mekne Hasre trockneten jnd spielte ein wenig am Handy rum. Die anderen waren mittlerweile schon vom Camp 2 ins Camp 1 gelangt, offenbar ohne grossen Stau. Devras war, wie am Tag zuvor, wieder ins Camp 1 hochgelaufen, um auch JC und Dean mit Leckereien willkommen zu heissen. Sie waren hell begeistert von den Springrollen und dem Sprite und genossen im Camp 1 eine wohlverdiente Pause. Gemeinsam mit der gesamten Sherpatruppe machten sie sich danach auf den letzten Teil des Gipfelsturms in Richtung Basecamp.

Da wir geneinsam Mittagessen wollten (JC hatte sich Hamburger mit Pommes gewünscht), warteten Phunuru und ich mit dem Essen bis um ca.13h als erstes JC eintrudelte. Er war ab dem Crampon point in seinem Tempo gegangen und wit konnten uns endlich so richtig über unsere Leistung freuen. Natürlich stand das kalte Bier für ihn schon bereit und bald nach Snkunft sass er mit einem riesen Grinsen in seinem Stuhl und genoss sein Gipfelbier. Eine knappe Stunde später sahen wir auch Dean sich auf dem letzten Wegstück herunterkämpfen und schlossen ihn einige Minuten später in unsere Arme. Endlich ist es zu 100% sicher, dass wir alle wieder gesund zurück sind, diese Expedition also ein voller Erfolg ist.

Das Mittagessen wurde Minuten später serviert und gemäss JC war das der beste Burger den er je gegessen hat. Man sieht, wir sind alle auf einem ziemlichen High, aber meiner Meinung nach absolut verdient!

Am Nachmittag tauschten wir Fotos aus, JC und Dean genossen ebenfalls die warme Dusche und ich versuchte ein wenig zu lesen und die Dufflebags zu packen. Da ab morgen Nachmittag das schlechte Wetter sufziehen wird, ist unser Ziel am nächsten Tag nach Samagaon abzusteigen und hoffentlich vor dem Sturm noch herauszufliegen.

Dass es da einen kleinen Haken gibt, hatte mir Phunuru schon am Vormittag veraten. In Samsgaon streiken momentan die Locals wegen den Heliflug-Bewilligungen. Während diese beim Ministerium für uns Westler wenige Minuten herumliegen und bewilligt werden, braucht es bei den Locals mehrere Tage. So starben in den letzten Monaten anscheinend zwei Personen aus Samagaon, weil sie zu krank waren, und die Zeit zur Genesung kürzer war als die Wartezeit: dies wollen sie sich nicht mehr gefallen lassen. Deshalb habe sie das Helipad mit Holz und Steinen verunstaltet und einen Antrag bei der Regierung gestellt. Samsgaon liegt in der restricted zone, weshalb das Bewilligungsverfahren komplizierter ist. Sie wollen, dass Samagaon nicht mehr zu dieser Zone gehört, damit es für die locals sicherer ist im Krankheitsfall schneller zu reagieren. Dieser Streik dauert schon seit 3 Tagen, weshalb auch Klettere, die vor uns auf dem Gipfel waren und nach Samagaon abgestiegen waren, noch immer dort fest stecken. Das Bewilligungsverfahren zählt übrigens nichh für Rettungsflüge, wie ihn zim Beispiel Tim gebraucht hat.

Um den Streik zk beenden, war für morgen Vormittag ein Treffen amberaumt worden. Wog hofften einfach, dass sie eine Einigung finden wprden und wir dann  morgen Nachmittag ausgliegen könnten. Deshalb stand der heutige Nachmittag nochmals im Zeichen, das Basecamp zu geniessen, da wir morgen definitiv abreisen würden. Am Abend gab es zur Feier des Erfolgs nochmals heisse Pfannen mit Ei und Pasta und Pommes, das wir alle genossen. Zum Dessert erhielten wir von der Küchencrew unseren Gipfelkuchen, den wir zusammen mit allen assen. Natürlich machten wir such noch Gruopenfotos, um die Leistung aller zu feiern. Dazu gehören sowohl die Sherpas, wie auch unsere Köche, denn nur im Zusammenspiel aller kann eine solche Expedition erfolgreich sein. Dazu gab es Bier, Wein, Cola und Wodka, jeder bekam was er wollte. Es war eine wunderbar ausgelassene Stimmung, für mich ein perfekter Abschluss der drei Wochen Basecamp-Leben. Natürlich durften sn einem

Solchen Abend auch die Dankesworte nicht fehlen. Uns dreien ist vollkommen klar, dass wir ohne diese fantastische Gruppe keine Chance auf den Gipfel gehabt hätten. Die Sherpas Chirring, AngKarma, Mingma mit Phunuru zusammen haben unermüdlich für uns geschufftet, um für uns den Gipfel möglich zu machen. Devras, Tendi und ihre Jungs haben ihrerseits die Küche geschmissen und uns mit so vielen kulinarischen Höhepunkten verwöhnt. Als ich nicht fit war, haben sie mir immer genau gebracht, was ich essen konnte. Die vielen Teller Reis haben sich schlussendlich gelohnt.

Um halb 10 waren Dean und ich müde und gingen zum Zelt. Der Weg ist zwar kurz, aber dass er Schmerzen im Fuss hat, war offensichtlich. Ich hoffte, dass die Bettruhe auch seinen Füssen guttun würde, denn der Abstieg nach Samagaon war nicht ganz ohne: 1000hm und oft ziemlich steiles und rutschiges Gelände

Ich schlüpfte gleich in den Schlafsack und einmal mehr war ich bald eingeschlafen um von Kathmandu zu träumen.

Donnerstag, 26.September - Basecamp nach Samagaon

Am Donnerstag, 26.September war der Tag gekommen, an dem wir dem Basislager tschüss sagen mussten. Wir starteten den Tag einmal mehr mit Frühstück um 8h. Ich verzichtete auf grosses Plimborium und ass wieder einen Toast mit nutellaähnlichem Aufstrich. Die anderen genossen die Variante mit Pancake und Shrimps, um sich für den Abstieg zu stärken. Danach hatten wir genügend Zeit, um unsere beiden Duffles zu packen. Wir sollten wieder eine Kletter- und eine Trekkingtasche unterscheiden. In die Kletterduffle sollte alles Material, das wir bis Kathmandu nicht mehr brauchen. Also die Schmutzwäsche, Kletterschuhe, Luftmatratze, usw. in die Trekkingtasche kam der Rest, vor allem Dinge, die wir in Samagaon noch brauchen würden, wie Necessaire, Schlafsack oder Kleider.

Danach stellten wir sie vor dem Zelt bereit und traffen uns im Esszelt. Im Rucksack war nur das nötigste: etwas zu trinken und Regenkleider für den Fall dass der Regen einsetzen würde. Zudem lagen 2-3 Schirme für uns bereit.

Wir assen noch gemeinsam ein letztes Mittagessen: Sandwich und Pommes, wobei ich auf das Sandwich verzichtete. Nach einem letzten Abschied mit der Küchencrew machten wir uns auf die Socken in Richting Samagaon. Ein letztes Mal ging ich zum Pujaplatz, um danke zu sagen und mich zu verabschieden. Ein letzter Blick hinauf in die Wolken in Richtung Gipfel. Ich durfte heute in meinem Tempo den Abstieg machen, zufälligerweise entsprach das ziemlich genau demjenigen von Mingma, so dass wir gemeinsam unterwegs waren. Der Weg war steil und natürlich begann es etwa 10 Minuten vor unserem Aufbruch zu regnen. Also zogen wir alle mit unseren Regenjacken los. Diese geben schön warm und so genoss ich ein letztes Mal eine Sauna während dem Gehen. Der Regen machte den Weg nocv ein wenig rutschiger, weshalb wir gut aufpassen mussten. Das gelang uns problemlos und schon 45 Minuten später machten wit Pause in einem „Teahouse“

Auf dem Weg, ungefähr in der Hälfte des Steilhangs. Teahouse steht darum in Anführungs- und Schlusszeichen, weil es eher ein Zelt ist. Also eine Mauer, die aus den herumliegenden Steinen aufgeschichtet wurde, dann ein Holzstab, der auf zwei anderen Holzstäben gelegt wurde und alw Dachgiebel fungiert. Auf der anderen Seite eine weitere, viel tiefere Steinmauer. Und darüber 2-3 Schichten Plastikplane. Am vorderen Teil wurde mit Steinen ein kleiner Eingang angedeutet und that‘s it. Als Haus würde ich das Ganze also nicht bezeichnen. Im Innern sind mit Steinplatten jeweils vor den Mauern Bänke improvisiert und am hinteren Ende steht ein kleines Blech-Stövchen, in dem feuer brennt und auf dem eine Pfanne mit Wssser kocht. Das Zelt wird von zwei Damen betrieben, die jedes Jahr während der 6-8-wöchigen Saison ausharren, um Westler und Sherpas gleichermassen zu bedienen. Man könnte hier sogar Momos essen, wenn man einen  starken Magen hätte. Hier warteten wir auf den Rest unserer Gruppe und genossen die Aussicht. Der Regen hatte wieder aufgehört und die Wolkendecke sich ein wenig gehoben. So sahen wir das Tal runter, den Brendra-See von unserer Akklimatisierungstour zu beginn der Expedition, oder das Dorf Samagaon mit dem Kloster. Kurz bevor Phunuru um dir Ecke kam, näherten sich von unten drei Damen und wir sich herausstellte, war eine davon die Besitzerin des Teahouses in Samso, in dem wir bei der Akklimatisierung übernachtet hatten. Als Phunuru sie entdeckte, gab es kein Halten mehr und eine richtige, lange Pause mit heissem Tee war im Zelthaus angesagt. Dort sassen wir rund eine halbe Stunde und hörten dem unverständlichen Nepalischen Geplapper zu. Dean verzichtete aufgrund seiner Füsse auf die Pause. Das Weitergehen schien sinnvoller, da er einen guten Rhythmus gefunden hatte. Während der Pause begann es wieder zu regenen, so dass wir nachher wieder im Regen herum tapsen kommten. Doch so schnell er begonnen hatte, so schnell hörte er wieder auf. Auch den zweiten Teil konnte ich im eigenen Tempo gehen, dieses Mal war ich aber alleine, da Mingma bei den Sherpas in der Nöhe blieb. Der seteilhang ging bald in den Wald über, wo der Weg ein wenig flacher wurde. Irgendwann begannen dann liebevoll gestaltete Treppen, die von den Localen alle von Hand aus den herumliegenden Steinen geschlagen wurde. Das ist eine immense Arbeit und macht das Gehen sehr angenehm. Für das Heruntergehen sind die Stufen zwar fast zu flach, aber ich kann mich erinnern, dass mir die Stufen den Aufstieg massiv erleichtert haben.

Ich denke, alles in Allem sind etwa 1km Stufen und 500m gerade Flächen so gestaltet. Die Wegbauer schlafen am unteren Ende in Zelten, respektive unter Blachen, die sie über eine Steinmauer gelegt haben. Ein Ding der Unmöglichkeit in Europa. Aber immer wieder spannend zu sehen, aus wie einfachen Verhältnissen die Locals so viel zaubern können und wollen.

Nun führt der Weg durch Gebüsche am Fluss entlang bis nach Samagaon. Unterwegs traf ich hin und wieder auf Locals, vor allem die Jungs wollten jeweils 2-3 Worte mit mir wechseln. Lustig, wie anders sie sich verhalten, wenn man alleine unterwegs ist, im Vergleich mit der Gruppe. In der Gruppe hatte mich nie jemand angesprochen. Ich fühlte mich sber trotzdem sicher, da ich nahe dem Dorf war und die Sherpas hinter mir wusste. Der Moment an dem ich die Hauptstrasse, oder besser den Hauptweg von Samagaon vor mir erblickte, war unbeschreiblich. Ich war nun einen grossen Schritt nöher an der Zivilisation, würde wieder Wände - also richtige, nicht nur Zeltwände - um mich jnd ein richtiges Dach über haben. Eine Western Toilette benutzen können und auf einem richtigen Bett schlafen. Dies zwar noch im Schlafsack, aber trotzdem eine kleine Verbesserung. Wie auf Befehl fing es wieder sn zu regnen und ich machte mich schnell auf zim Hotel Norling, wo wir übernachten werden. Es war nur noch 5 Minuten weg, weshalb micv der Regen nicht mehr so sehr störte. Vor dem Hotel traf ich zufällig auf Asha und Andrew vom 14Peaks, respektive SevenSummit-Team. Wir haben uns im Basecamp kennen gelernt und sie waren schon am Vortag abgestiegen, in der Hoffnung dass sie heute nach Kathmandu fliegen können. Der Streik hat dies verhindert und nun steckten sie schon 24h im Sama fest. Sie wären am liebsten wieder ins Basislager hoch gegangen, wenn sie gekonnt hötten. Da sei das Essen und die Gesellschaft viel besser. Sie hatten sich mit anderen Klettern angefreundet, die alle noch im Basislager sitzen, darum kann ich sie gut verstehen. Und dass das Essen im BC fantastisch war, muss ich mittlerweile auch niemandem mehr erklären, oder?! Sie gingen wieder zurück ins Nachbar-Teahouse, während ich es mir im Esszimmer des Norlings bequem machte und auf die anderen wartete. Nach etwa einer Stunde kam JC ziemlich nass herein. Seit ich angekommen war, hatte sich der Regen verstärkt und er war froh, dass er endlich im Ttockenen war. Nicht anders erging es dem Rest, der kurz darauf folgte. Wir sammelten uns erst einmal im Essraum und tranken etwas Heisses. Danach bestellten wir Pommes, um einen Nachmittagssnack nach der Wanderung zu haben. Zuerst kam aber ein Teller wilder Kartoffeln. Das ist nichts anders als gekochte Kartoffelhälften. Diese musste man nur noch schölen, in scharfe Sauce tauchen, oder salzen und dann essen. Ich hielt mich zurück, da in 3h schon wieder das Abendessen auf uns wartete. Die anderen, inklusive Sherpas, genossen die Zwischenmahlzeit sehr. Sie mussten nämlich danach beim Helipad unsere Trekking-Taschen holen. In der Zwischenzeit kommten offensichtlich 2-3 Transportflüge gemacht werden, unter anderem mit unseren Duffles. Dir Klettertaschen liessen sie auf dem Helipad unter der Blache. Leider hatte auch ein Mitglied von Seven Summit die gleiche Tasche wir ich, so dass die armen Kerle die falsche Tasche erwischten. Also mussten sie dir 10‘ im strömenden Regen wieder zurück gehen, um die eichtige Tasche zu holen. Ich nahm ihnen das überhaupt nicht übel und sass einfach länger im Essraum, während Dean und JC sich im Zimmer schon einrichten konnten. Viel ist ja eh nicht zu machen für eine Nacht: Schlafsack auspacken, Necessaire raus und eventuell ein pasr warme Socken oder der Ebook-Reader.

Nach 20 Minuen war alles bereit für die Nacht und ich setzte mich wieder in den Essbereich. Wir hatten mehr Leute erwartet, da es im Basecamp hiess, dass in Sama sehr viele Westler suf den Heliflug warteten. Aber offensichtlich war es noch nicht so schlimm. Wir hatten auf jeden Fall viel Platz und genossen das Sitzen auf den weichen Bänken im Sunroom des Hotels. Zum Abendessen bestellte ich wieder Pommes, denn die waren hier sehr knusprig und fein. Dean und JC hatten die gleiche Meinung, denn auch auf ihrem Teller lag eine Portion. Sie ergänzten das Ganze aber noch mit Frühlingsrollen. Die Sherpas assen traditionsgemäss ein Dahl Baht. Keine Ahnung, ob sie nichts anderese bestellen dürfen, wollen oder können.

Dieses Abendessen war das letzte gemeinsame Essen, denn die Jungs würden am anderen Tag Richtung Kathmandu losgehen. Wir machten nochmals gemeinsam Spässe, Gruppenfotos, gratulierten einsnder, stiessen miteinander sn und wir Kunden übergaben ebenfalls auch noc den Gipfelbonus. Neu ist dieser von IMG festgelegt und war hier am Manaslu 1500$. Ich finde es gut, dass der Betrag festgelegt ist, denn wie soll man eine solche Leistung, die die Jungs in den letzten 3 Wochen gezeigt haben, in einen Wert unwandeln? Für mich ist das unmöglich. Ohne sie sind wir an diesen Bergen nichts und wenn wir es auf den Gipfel schaffen, sind sie nichts und wir alles. Wie kann man also in Form von einem Geldbetrag dafür danken? Wenn man wollte, konnte man auch etwas auf diesen Betrag daeauf legen. Das hatten wir schon am Vortag gemacht und an Phunuru abgegeben. Denn hier ist es für Phunuru wichtig, dass der Zusatz gerecht durch alle aufgeteilt ist, so dass alle am Schluss den gleichen Betrag erhalten. Auch das finde ich sehr transparent und kann ich nur befürworten. Nach dem Essen ging ich mit einem dankbaren Lächeln ins Bett, denn ich hoffte, dass wir morgen ausfliegen können.

Samstag, 28.September - Samagaon im Regen

Als ich gestern zu Bett ging, hatte es seit meiner Ankunft des Abstiegs ununterbrochen geregnet und dies blieb die ganze Nacht so. Als ich also am Freitag früh erwachte, prasselte der Regen noch immer unaufhörlich auf das Dach. Ich war froh, dass wir nicht mehr im Zelt im Basislager waren, denn dort wäre der Weg zum Esszelt deutlich länger, ergo deutlich nasser gewesen.

Ich genoss wie immer am Morgen meinen Schlafsack und seine Wärme noch ein bisschen bis ich aufstand. Im Essraum angekommen, war die Stimmung so mässig. Der Wetterbericht für die nächsten Tage sagte kein Flugwetter voraus. Ja genau, die nächsten Tage, nicht die nächsten Stunden. Ich sah meine heisse Dusche und das Bett ohne Schlafsack in weite Ferne rücken. In meiner Vorstellung wären wir heute nach Kathmandu geflogen, wo ich meinen Rückflug auf Samstag verschoben hätte und ich wäre am Sonntag Vormittag wieder bei meinen Liebsten gewesen…

Wie weit meine Vorstellung von der Realität weg ist, erahnte ich erst später: der Streik der Locals ist nocht nicht beendet. Sie haben zwar Zustimmung für einige ihrer Forderungen erhalten, sind aber noch nicht zufrieden. Der Wetterbericht sagt bis Sonntag Vormittag Dauerregen voraus mit Schnee in höheren Lagen, wie zum Beispiel dem Basecamp. Phunuru bereitete uns darum  schon mal vor, dass wir hier mindestens 2 Tag fest stecken werden. Sollten die Heliflüge möglich werden, würden diejenigen zuerst berücksichtigt, die schon länger in Sama sitzen, wie zum Beispiel Asha und Andrew, die schon einen Tag vor uns hier angekommen waren. Zudem lägen 4 Personen in diversen Camps am Berg, die zuerst gerettet werden müssten, bevor an Flüge nach Kathmandu zu denken wäre..

Mir blieb also nichts anderes übrig, als zu Hause mitzuteilen, dass ich wohl nicht schon am Weekend zu Hause sein würde.

Ich weiss, dass solche Situationen in Nepal immer wieder passieren, habe das ja eigentlich auch auf jedem Trip miterlebt. Trotzdem überraschte es mich einmal mehr. Aber was will man gegen das Wetter machen?? Mitttlerweile tauchten auf den Sozialen Medien Bilder vom tief verschneiten Basecamp auf. Sie hatten über Nacht ca.20cm Neuschnee erhalten. Jetzt als ich das schreibe, 24h später, sind wir schon bei knapp einem Meter.  Wir alle sind froh, dass wir hier unten sind, obwohl wir fests stecken. Im Basislager klappen Zelte unter dem schweren Schnee zusammen und es warten einige Kletterer noch immer auf ihren Gipfelsturm. Ich persönlich denke ja nicht, dass das so eine gute Idee ist: wenn es im Basislager auf rund 4800m schon einen Meter Neuschnee hat, wie viel hat es dann am Rest des Berges? Und wie zum Henker soll man so auf sicherem Weg durch den Eisfall, oder von C3 ins C4 kommen? Die ersten die diese Wege machen müssen, sind die Sherpas. Das ist in meinen Augen für diese absolut nicht sicher und darum sollte man es sein lassen. Im Tiefschnee zu spuren, mit schwerem Rucksack auf dem Rücken in perfekten Lawinenhängen? Nope, das hört sich für mich nicht richtig an. Ich bin gespannt, wie  sich das ausgeht. Ein Gerücht geht auf jeden Fall um, dass man überlegt aufgrund des Schnees die Expeditionnen zu beenden. Phunuru glaubt nicht, dass das passieren wird. Wir werden sehen. Seit dem Frühstück am Freitag sitzen wir nun also im Teahouse herum und hören den Uhren beim Ticken zu. Ich schreibe an meinem Blog, lese, versuche im wackligen Wlan Nachrichten auszutauschen und warte auf besseres Wetter. Zwischendurch pläuderln wir ein bisschen, schauen zum Fenster raus und essen unsere drei Mahlzeiten am Tag, wobei ich auf das Frühstück verzichte, wie ich es im Alltag auch mache.

Wir versuchen positiv zu bleiben, aber mich kackt es schon ziemlich an, dass wir hier feststecken. Jeder, der schon mal so irgendwo festsass und nur nach Hause will, kann wahrscheinlich mit uns mitfühlen. Immerhin habe ich seit gestern Freitag Nachmittag mit der Nepalesischen SIM-Karte Empfang, so dass ich nicht mehr vom WLAN abhängig bin. Dafür bleibe ich strommässig ein wenig auf der Streclke. Ich hatte nämlich meinen Adapter in Kathmandu gelassen und nur das Ladekabel dabei. Ich setzte auf meine Powerbank, die ich mit einer Solarpanele auflade. Aber wenn ich den ganzen Tag rumsitze, bin ich viel am Handy, Ipad oder Ebookreader und diese kann man nicht unendlich mit der Powerbank laden. Im Moment läuft mein Handy bei 13%, mein Ipad ist tot und der Ebookreader hat noch 40%. Bald geht mir also die Unterhaltung aus. Zum Glück habe ich noch 3 kleine Puzzles dabei, dann ist aber Ende Gelände. Denn sowohl meinen Stift und Papier, wie die Jasskarten und Würfel habe ich in die Klettertasche gepackt und der Weg durch den Regen zum Helipad ist schlammig und grauslig und es darum meiner Meinung nach auch nicht wert.

Vorher beim Mittagessen hatte der Regen plötzlich aufgehört und 3-4 Sonnenstrahlen hatten sich für ein paar Minuten durch die Wolken verirrt. Ein hier gestrandeter Helipilot hat die Chance gepackt und ist ein paar Mal zum Basecamp geflogen. Eigentlich müssten aus Camp 2 dringend Personen ausgeflogen werden, aber die Wolkendecke ist dafür zu tief. Wir hoffen, dass immerhin im Basecamp Rettungen möglich waren, wissen es aber nicht. Gemäss Wetterbericht sollte der Regen morgen früh aufhören und für ein paar Stunden einigermassen Flugwetter herrschen. Ob der Streik bis dahin gelegt ist und wir zu den Glücklichen gehören würden, falls Flüge möglich sind, steht allerdings in den Sternen. Ich versuche das stoisch über mich ergehen zu lassen, die Situation ändert sich ja doch nicht, auch wenn ich mich aufregen würde. Aber ich weiss, je länger das Gewarte geht, desto mühsamer wird es nicht nur für mich. Zum Glück sind zu Hause jetzt Herbstferien, ich muss also keinen beelenden wegen der Schule. Aber ich würde halt meine Liebsten trotzdem gerne sehr bald wieder sehen und drücken, denn ich vermisse sie nach den 4 Wochen halt doch ein wenig ;) und wenn wir es morgen nach Kathmandu schaffen würden, ist noch nicht klar, auf welchen Flug ich meinen Rückflug umbuchen kann. Im schlimmsten Fall ist das nicht möglich und ich stecke noch bis am 6.Oktober hier fest. Aber ich hoffe einfach fest, dass es nocht soweit kommen wird. Ich bin gespannt, was noch alles passieren wird in den nächsten Tagen.

Sonntag, 29.September - Samagaon - Kathmandu

Der gestrige Tag ging ohne grosse Störgeraäusche über die Bühne. Die Helikopter blieben bald wieder auf dem Boden und unsere Tagesroutine blieb grösstenteils dieselbe. Wir pendelten vom Essraum zum Zimmer und wieder zurück. Da ich irgendwann im Essraum kalte Füsse bekam, holte ich zum Beispiel heisses Wasser für meine Flasche und ging zurück ins Zimmer. Dort legte ich die Flasche in den Schlafsack und schlüpfte zumindest mit den Beinen hinterher. Ich las ein wenig und versuchte mit den letzten Stromreserven den Blog fertig zu schreiben, was mir zum Glück gelang. Um kurz vor 19h trafen wir uns wieder für unser Abendessen, das ähnlich ausfiel, wie die vergangenen: Wir assen Pommes mit irgenwas. Für mich gab es einmal mehr Spiegeleier dazu und für die anderen zwei Frühlingsrollen. Während dem Essen durfte ich mit dem Adapter von Dean mein Handy ein wenig aufladen, so dass ich nicht ganz auf dem digital Trockenen sass. Mein Ziel war es, vor dem zu Bett gehen nochmals in Ruhe mit Raphael zu telefonieren, damit er einen guten Start ins Weekend hat. Natürlich füllte ich meine Flasche nochmals mit heissem Wasser vor dem Zubettgehen. Das Schlafen im Schlafsack ist so viel angenehmer, wenn der Schlafsack von einer Flasche schon vorgewärmt wird. Glücklicherweise war die Verbindung dieses Mal sehr gut, so dass das Telefonieren wieder mal eine Wohltat war. Man musste die Verbindung nicht jede 3 Minuten neu beginnen und konnte ein fliessendes Gespräch führen. Somit war die Basis für ein gutes Einschlafen gelegt. Ich hoffte dabei darauf, dass dies meine letzte Nacht im Schlafsack sein würde.
 Am nächsten Tag, am Sonntag, wachte ich wie üblich um kurz nach 6h morgens auf. Wie immer blieb ich noch einen Moment liegen. Von draussen drang eher helleres Licht durch das Fenster, was mir die Hoffnung gab, dass draussen tatsächlich besseres Wetter herrschte als noch die Tage zuvor. Ich schälte mich also aus dem Schlafsack und siehe da: Mich erwartete blauer Himmel mit klitzekleinen Wölkchen am Horizont. Im Esssaal traf ich die anderen drei, die schon fleissig in ihr Frühstück bissen. Da ich zu Hause normalerweise kein Frühstück esse und das nur auf Expeditionen mache, weil ich muss, habe ich kein Frühstück bestellt. Darum wollten die anderen auch nicht bis 8h warten, was für mich völlig kein Problem ist. Ich nahm mir im Gegensatz dazu unsere Bestellliste vor. Auf dieser mussten alle Beträge der Mahlzeiten notiert werden, die wir seit unserer Rückkehr nach Samagaon verzerrt hatten. Dean half mir dabei und schon nach kurzer Zeit hatten wir den Betrag zusammen: 47'400 Rupien, was umgerechnet ca. 300 Franken sind. So viel hatten wir also zu 4., repsektive mit dem Abendessen der Sherpas, in 4 Tagen ausgegeben. Nicht wahnsinnig viel, wenn man bedenkt, dass wir den ganzen Tag im Essraum gesessen waren und konstant irgendetwas konsumiert haben.
 Danach gab uns Phunur den Auftrag unsere Duffles zu packen, damit wir bereit wären für den Fall eines Fluges. Wir hörten die Helikopter schon seit den frühen Morgenstunden herumsurren. Noch immer hatten natürlich die Rettungsflüge Priorität. Phunuru verbrachte die nächsten Stunden auf dem Helipad oder in der Nähe der Locals. Denn mit einem der ersten Helis aus Kathmandu flogen 2 Regierungsvertreter nach Sama, um den Locals schriftlich die Abmachungen mitzubringen. Phunuru sagte uns beim Frühstück, dass er damit rechne, dass um ca. 12h alles unter Dach und Fach sei. Da die Flugzeit von Kathmandu rund 50 Minuten betrage, würde er die ersten Helikopter nach 13h erwarten. Dies hatte ich im Kopf, als ich nach dem Frühstück in mein Zimmer ging, um meine Duffle zu packen. Ich nahm mir Zeit, denn bis 13h waren es noch mehr wie 4.5h. Als ich fertig war, beschloss ich, vor dem Zimmer ein wenig in der Sonne zu sitzen und Musik zu hören. Nach einer Weile standen plötzlich Asha und Andrew vor mir, die im Teahouse gegenüber logierten. Sie wollten mich zu ihnen auf die Sonnenterrasse holen, was ich eine super Idee fand. Dort verbrachte ich dann die nächsten 2h, plaudernd mit diversen Bergsteigern aus verschiedenen Ländern. Die meisten davon hatte ich schon im Basecamp gesehen und zum Teil dort schon mit ihnen gesprochen. Als sich alle langsam in Richtung Essraum aufmachten, um Mittagessen zu bestellen, ging auch ich wieder zurück zu meinem Teahouse, um zu schauen, wie die Lage steht und Essen zu bestellen. JC und Dean waren schon bereit für die Bestellung. Normalerweise dauert der Prozess der Bestellung bis zum Abgeben des Essens lange und auch heute war keine Ausnahme. Wir warteten fast 1.5h, bis wir unsere Pommes und Frühlingsrollen auf dem Tisch hatten. Wir hielten uns eigentlich immer an die gleichen 4 Gerichte, da diese wirklich fein sind und wir wussten, dass sie uns verdauungstechnisch keine Probleme bereiten würden. Während dem wir assen, kam Phunuru vom Helipad zu uns und gönnte sich ebenfalls etwas zu essen, nämlich einen schönen Teller voll gedämpften Momos. Danach organisierte er 2 Jungs, die unsere Dufflebas zum Helipad tragen mussten. Es schien tatsächlich so, dass wir unserem Flug sehr viel näher kamen, als wir am Vormittag noch dachten. Ich setzte mich wieder vor mein Zimmer, um weitere Sonnenstrahlen zu geniessen. Keine 10 Minuten später stand Phunuru in der Tür und meinte, dass wir uns langsam zum Helipad bewegen sollten. Das liessen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und nur 2 Minuten später standen wir bereit für den 5-minütigen Spaziergang. Ich glaubte noch immer nicht daran, dass wir wirklich fliegen würden, aber so nahe waren wir noch nie.. Die Flüsschen-Überquerung zum Helipad überstanden meine Füsse nur nass, aber ich dachte mir, dass das in Kathmandu dann keine Rolle spielen würde. Ich hatte die Schuhe nicht gebunden, und ein Stein war wackliger als gedacht... Shit happens.. Als wir auf dem Helipad ankamen, sahen wir wie viel Trubel hier eigentlich herrschte. Es gibt 2 Pads und bei beiden stapelten sich Dufflebags, sassen Menschen herum, war Material deponiert für die Teahouses und ab und zu kam ein Heil an, oder flog ab. Man kann quasi auf dem Pad sitzen und warten, bis der Heli kommt. Dort sassen wir dann 1.5 Stunden bis klar war, dass wir beim nächsten landenden Heli Everest Heli an der Reihe waren. 2 Minuten vorher standen plötzlich 3 wichtig aussehende Personen auf dem Pad und alle, inklusive Phunur, diskutierten wild. Für mich sah es so aus, als ob die drei in den nächsten Heli steigen wollten, genau den Heli, der eigentlich für uns reserviert war. Da pro Flug 5 Personen Platz finden, war auch noch ein Westler von CTSS eingeplant. Als dann der Heli im Begriff war zu landen, legte Phnuru unsere Duffles bereit, was mich ein wenig beruhigte. Als aber die Türe vom Beifahrer, respektive Beiflügler (oder wie nennt man diesen Sitz neben dem Piloten im Heli?) frei wurde, setzte sich einer der drei wichtigen Personen einfach auf den Platz. Wir drei schauten Phunuru verdutzt an und er meinte zu uns, er würde uns alleine fliegen lassen, und nachkommen und schickte uns zum Heli. Vom Westler von CTSS war zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu sehen und wir hofften schon, dass Phunuru seinen Platz einnehmen könnte. Aber weit gefehlt, der Herr war nur kurz pinkeln, oder vielleicht auch auf dem Weg zurück zum Dorf. Aber sie pfiffen ihn zurück und setzten ihn in den Heli. Kurz danach hoben wir ab und konnten Phunuru nur noch winken. In diesem Moment konnte ich mich nicht wirklich freuen, dass wir wirklich im Heli in der Luft waren, denn unser Leader stand immer noch unten auf dem Pad. Aber was hätten wir tun sollen? Auf den Flug verzichten wollten wir irgendwie auch nicht und hätten auch nicht gekonnt. Denn wie sich herausstellte, waren wir im allereinzigsten Heli, der direkt nach Kathmandu flog. Alle anderen Helis, die vorher schon unterwegs waren, waren nämlich alle nur bis Sodikola geflogen (der Ort, an dem wir beim Hinflug einige Stunden unter der Brücke warten mussten). Wir flogen aber direkt nach Kathmandu, weil unsere Pilotin danach nicht mehr fliegen durfte und den Heli wieder zurück in die Hauptstadt bringen musste. Der Flug dorthin dauerte etwa 45 Minuten und zeigte uns einmal mehr fantastische Aussichten. Am Anhang Jurassic Parc mässig, danach mit mehr Wolken, aber auch mehr Horizonten mit diversen Tälern und am Schluss einen Überflug über Kathmandu, inklusive Tempel. von den Fluten, von denen wir in den Medien gelesen hatten, war auf dem Flug nicht viel zu sehen. Offensichtlich waren die Schäden eher im südlichen Teil der Stadt. Um ca. 16.15h landeten wir dann tatsächlich in Kathmandu auf dem Flughafen. Die Luft war deutlich düoiger als noch in Sama und viel wärmer. Wir mussten auf dem Landeplatz noch ein paar Minuten warten, bis uns ein Auto abholte und zum Terminal brachte. Unterwegs wurde der wichtige Mann vom Nebenpilotensitz noch standesgemäss beim VIP-Raum abgeladen. Es stellte sich heraus, dass er einer der 2 Regeerungsmitglieder war, der die Locals besänftigt hatte. Obwohl ich ihm dankbar für seine Arbeit war, weil wir ohne diese eventuell heute keinen einzigen fliegenden Heli gesehen hätten, war ich trotzdem wütend auf ihn, weil er Phnuru den Platz im Heli weggenommen hatte. Er versuchte währen dem Warten ein wenig Smalltalk zu machen, aber ich ignorierte ihn einfach und Dean und JC hatten Erbarmen mit ihm. Beim Terminal wollte der Beamte unsere Pässe, und wir schoben ein wenig Panik, weil wir diese nicht dabei hatten. JC und Dean hatten wenigstens eine Kopie davon. Ich hatte gar nichts, bis mir in den Sinn kam, dass ich vor dem Abflug zu Hause ein Foto des Passes meiner Schwester gemailt hatte. Es dauerte ca. 10 Minuten bis ich auf meinem Handy diese Datei laden konnte, und so verzögerte sich unser Abgang am Terminal ein bisschen. Mohan war dafür schon da, um uns abzuholen. Wir konnten jeweils unsere Trekking-Duffle im Heli mitnehmen, so dass wir nur die Hälfte unseres Materials dabei hatten. Wir hoffen, dass die Kltter-Duffles dann mit Phunuru folgen würden. Die Fahrt zum Hotel war mitten im Pendlerverkehre, weshalb sie ein wenig dauerte. Wir waren aber einfach happy, dass wir es tatsächlich nach Kathmandu geschafft hatten. Noch am Morgen hätte ich keine 5 Franken darauf verwettet. Wir residieren dieses Mal im Hotel Tibet, weil wir uns das gewünscht haben. Die Zimmer sind viel grösser und sauberer und die Duschen ebenfalls besser. Bei der Ankunft wartete schon AngJanbu auf uns, der Bruder von Phunuru, um uns zu empfangen und uns unsere originalen Pässe zu geben. Diese hatten wir mit anderen Dingen bei ihm gelagert bis zur Rückkehr. Danach ging es ab ins Zimmer, wo wir alle eine warme, lange Dusche genossen. Um 19h trafen wir uns zu dritt auf der Dachterrasse für das Abendessen. Phsnuru plant morgen mit einem der ersten Helis nach Kathmandu zu fliegen, im Idealfall mit unseren restlichen Duffles. Erst wenn das ganze Material hier ist, können wir unseren Rückflug nach Hause verschieben. Ich hoffe auf den Flug am 30.9. oder 1.10. und bin gespannt, welcher es wird. Nach dem Abendessen gingen wir ins Zimmer, alle drei voller Vorfreude auf die erste Nacht ohne Schlafsack seit 3.5 Wochen.

Dienstag, 1.Oktober - Kathmandu

Zum ersten Mal auf dieser Expedition schreibe ich den Blog auf Englisch statt auf Deutsch. Wenn Sie also denken, dass es anders geschrieben ist, liegt das daran, dass es nicht von KI übersetzt wurde. Nach der Ama wusste ich, wird es eine Zeit geben, in der mein Gehirn beginnt, sich in das Denken auf Englisch zu verwandeln. Das ist letzte Woche passiert, also wann immer ich darüber nachdachte, was ich in meinem Blog schreiben sollte, tauchten englische Sätze auf. Diesmal hat mein Gehirn eine Woche länger gebraucht. Ich schätze, es liegt daran, dass die Gruppe kleiner war und es ab und zu einige Gesprächspausen gab, mit denen wir alle vertraut waren. Ich kann die deutsche Übersetzung von KI kaum erwarten...
 
Wir drei haben in der ersten Nacht in Kathmandu sehr gut geschlafen, auch wenn ich anfangs Probleme beim Einschlafen hatte. Wie an einem normalen Tag wachte ich gegen 6 Uhr morgens auf und genoss das Bett für eine weitere Stunde. Danach ging ich zum Frühstück nach unten und traf Dean und JC, die das Essen bereits beendet hatten. Wir unterhielten uns ein wenig und beschlossen, in den Everest Outfit Store zu gehen, um die letzten Einkäufe zu erledigen. Wir haben noch nichts von Phunuru gehört, also hofften wir, dass er bereits einen Heli erwischt haben könnte, um nach Kathmandu zu fliegen. Kurz bevor wir das Hotel verließen, schrieb er uns, dass er einen Platz im Hubschrauber gefunden hatte. Wir waren froh zu hören, denn es fühlte sich seltsam an, ohne den Boss in Kathmandu zu sein. Nachdem wir den Everest Outfit Store verlassen hatten, machten sich JC und ich auf den Weg in das echte touristische Stadtzentrum, um mehr einzukaufen. Dean kauft überhaupt nicht gerne ein, also trug er unsere frisch gekauften Sachen ins Hotel und genoss ein oder zwei Kuchen im Café dort.
 
 JC wollte unbedingt ein paar Aufkleber finden, schloss sich mir aber an, um zuerst einen Teppich zu kaufen. Er mochte die Größe, also kaufte er ebenfalls einen kleinen Manaslu-Teppich, um ihn mit nach Hause zu nehmen. Danach war er wirklich mit dem Einkaufen fertig, musste aber noch Aufkleber finden. Es scheint, als ob ich zu aufgeregt aussah, um den ganzen Tag einzukaufen, also trennten wir uns irgendwann, damit er zurück ins Hotel gehen konnte, nachdem er Aufkleber gefunden hatte. Ich habe nach dem Shop gesucht, in dem Stu, Justin und ich letztes Jahr ein paar schöne Gemälde gekauft haben. Da ich ein Genie darin bin, mich an Straßen, Restaurants und Geschäfte in Thamel zu erinnern, brauchte ich nur 10 Minuten, um den winzigen 2 Quadratmeter großen Laden zu finden. Der Besitzer erinnerte sich noch an uns drei vom letzten Jahr (wir haben letzten November etwa 12 Gemälde gekauft und fast eine Stunde im Laden verbracht und versprochen, wiederzukommen). Er hat mir dieses Mal einen sehr guten Preis angeboten und ich weiß das wirklich zu schätzen. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen, da er so viele schöne Gemälde vom Everest in Hunderten von verschiedenen Größen hat. Danach habe ich beschlossen, dass es Zeit für eine weitere Massage ist. Also ging ich ins Gebäude von Seeing Hands, um mir etwas Entspannung zu gönnen. Ich hoffte auf gute Nachrichten über die Rückkehr von Phunuru und dem Rest unserer Reisetaschen nach der einstündigen Massage. Die gute Nachricht war, dass Phunuru sicher in Kathmandu angekommen war und unsere Duffles mit einem der ersten Hubschrauber voraus geschickt hatte. Die schlechte Nachricht ist, dass der Pilot die Duffles in Sodikhola entladen hat, das auf halbem Weg zwischen Sama und Kathmandu liegt. Also musste er organisieren, dass sie in einen Bus geladen werden, um sie bald nach Kathmandu zu bringen. Ich beschloss, meinen Flug trotzdem zu ändern, da ich nicht noch einen Tag warten wollte, um dies zu tun. Ich war zu 100% sicher, dass die Duffles rechtzeitig ankommen würden. Also unterhielt ich mich mit meiner Schwester, um die Änderung zu erledigen. Zum Glück gab ich ihr alle Papiere bereits vor der Abreise, so dass sie keine Probleme hatte, meinen Flug auf den nächsten Tag zu ändern. Dann kaufte ich noch Postkarten und Magnete und kehrte ins Hotel zurück, wo ich Dean traf, der ein weiteres Stück Kuchen hatte. Ich hatte in einem Supermarkt angehalten, um einige der geliebten Pringles mitzubringen, und er schien diese Tatsache zu lieben.
 Nach einiger Zeit kehrte ich ins Zimmer zurück, um meine Trekkingtasche auszupacken und neu zu packen.
 Sie haben das Gewicht auf dem Hubschrauberlanderad überprüft und es waren 13,7 kg. Ich wusste also, dass ich noch ein paar Dinge hinzufügen kann, ohne dass es zu schwer ist.
 Ich konnte auch endlich Claudine erreichen, um ein nettes Telefonat zu haben. Es war mein vierter Versuch und endlich hatte sie Zeit, ans Telefon zu gehen :).
 Wir haben uns entschieden, wieder auf dem Dach zu Abend zu essen, das Essen ist einfach köstlich und die Aussicht ist großartig. Wir haben unsere Bestellung nicht wirklich variiert, wir hatten Hühnchen-Satay, Pommes und ich habe wieder denselben Salat gegessen. Ich kann es kaum erwarten, wieder mein eigenes Essen zu kochen, damit es genau so schmeckt, wie ich es gewohnt bin. Aber dieses Essen war perfekt, um die Wartezeit zu verkürzen. Da wir alle ziemlich früh aufgestanden sind, verließen wir das Dach um halb neun Uhr, um schlafen zu gehen.
 
 Am nächsten Tag - also heute - wachten alle wieder früh auf, ich kam spät zum Frühstück, so dass JC bereits wieder im Zimmer war. Dean war ruhiger als sonst und es stellte sich heraus, dass er schlechte Nachrichten bekommen hatte: Ein Freund von ihm starb beim Klettern/Wandern in Colorado vor unserer Gipfelrotation und seine Frau sagte ihm erst heute Morgen beschei, da sie ihn nicht vor dem Aufstieg augregen wollte. Er war im gleichen Alter und kam einfach nicht von seinem Tagesausflug zurück. Wir weinten beide kurz und es war schwer zu sehen, wie er mit diesen verheerenden Nachrichten zu kämpfen hatte. Für mich zeigt es, wie glücklich wir uns nennen können, nach unserem Aufstieg sicher nach Hause zu kommen. So wenig muss schief gehen, um eine große Wirkung zu haben. Die Berge geben, die Berge nehmen, das ist alles, was ich denken konnte. Wir hatten so viel Glück und der Manaslu gab uns so viel, und es ist einfach schwer zu glauben, dass wir gerade auf der richtigen Seite dieser dünnen Linie waren. Ich weinte für alle, die nicht so viel Glück hatten wie wir. Ich weinte für Deans Freund, seine Familie, ich weinte für die Großmutter von Raphael, die diesen Sonntag starb, für den Seelenverwandten einer Kollegie, der auf einer Skitour auf einer instabilen Schneebrücke auf einem Gletscher eine Pause machte. Ich weinte für all die unglücklichen Seelen, die in die Berge/Natur gingen, weil sie das lieben und einfach nicht zurückkehrten. Sie alle werden von ihren Lieben für immer vermisst und geliebt. Und ich bin auf jeden Fall in Gedanken mit all den Kletterern, die immer noch auf dem Mt.Manaslu sind, um ihre Chance zu bekommen, ihn nach dem starken Schneefall letzte Woche zu besteigen.
 
 Ich hoffe, dass Dean einen Weg findet, mit der Situation umzugehen und an der Beerdigung teilnehmen zu können.
 
 Nach dem Frühstück musste ich zurück nach Thamel, um eine weitere kleine Duffle für meinen Bruder zu holen. Danach ging ich ein letztes Mal in diesem Jahr ins Fire&Ice Restaurant, um einen Bananenshake zu genießen. Danach kehrte ich ins Hotel zurück, weil Phunuru uns warnte, dass er heute früh wieder im Rudel sein wird. Er war bereits da, als ich ankam, und es war schön, zu erfahren, was am vergangenen Tag passiert ist. Er schaffte es, einen Platz in einem der frühen Hubschrauber zu bekommen und konnte den Rest des Tages mit seiner Familie genießen. Ich habe auch meine Koffer gepackt und pünktlich ausgecheckt. Danach aßen wir zusammen zu Mittag und um 14.30 Uhr kam Mohan an, um mich zum Flughafen zu bringen. Wir haben viel Zeit eingeplant, um dorthin zu fahren und einzuchecken, aber die Straßen waren nicht so voll und der Flughafen war auch ruhig. Ich brauchte also nur 50 Minuten vom Hotel zur Flughafenlounge. Ich konnte die Ruhe vor dem Flug genießen und obwohl wir 40 Minuten zu spät abflogen, genoss ich den ganzen Flug mit etwas Essen und 2 interessanten Dokumentationen. Jetzt sitze ich in der Lounge am Flughafen in Doha. Ich muss noch eine Stunde warten, bis ich in mein zweites Flugzeug einsteigen kann. Ich kann es kaum erwarten, wieder in der Schweiz zu sein, obwohl dieser Monat voller Aufregung und Freude war. Zuhause ist Zuhause und ich kann einfach nicht zu lange von zu Hause weg sein. Ich versuche, die gesamte Reise innerhalb der nächsten Tage zusammenzufassen, aber ich brauche noch einige Tage, um zu realisieren, was ich erreicht habe, und ich bin auch neugierig auf die nackten Zahlen des Aufstiegs.
 
Aber zuerst werde ich herausfinden, ob die deutsche Übersetzung dieses Blogeintrags nützlich ist oder nicht ;)
Und tatschlich, so schlimm ist sie gar nicht. Ich musste zwar hier und da ein wenig justieren, aber sonst passt es für einmal. Der Rest wird aber auf jeden Fall wieder deutsch geschrieben.

Dienstag, 8.Oktober - Home is where your heart is

Nun bin ich seit nicht ganz einer Woche wieder zu Hause und versuche mich im Alltag wieder neu einzufinden. Ich bin so froh, dass ich mitten in den Herbstferien angekommen bin, so habe ich noch genug Zeit für das Ankommen. Aber so recht sehe ich mich noch nicht, ab Montag wieder dem Schulalltag zu frönen.
 Der zweite Flug auf meiner Rückreise war ein absolutes Highlight. Wir sind zwar etwa 20 Minuten später los als geplant, aber ich hatte tatsächlich das Glück, eine Q-Suite geniessen zu können. Wer schon einmal mit Qatar geflogen ist, hat vielleicht die Business Class schon einmal begutachten können. Normalerweise sitzt man da auf grösseren Sessel, die man in ein volles Bett umwandeln kann. Der Bildschirm ist ein wenig grösser als in der Eco und das Essen viel besser. Die Q-Suite ist sogar noch mehr. Man hat eine Türe, die man schliessen kann, so dass man für sich ist. Man erhält ein Pijama, damit man besser schläft. Die Flight Attendant richtet einem das Bett ein mit einer zusätzlichen dünnen Matratze, und für den Toilettengang stehen einem Pantoffeln zur Verfügung. Es war fast ein wenig schade, dass der Flug nur 6h dauerte und ich eigentlich den Grossteil des Fluges verschlafen wollte. So schlief ich halt ein bisschen weniger, stieg aber trotzdem mit einem grossen Lächeln aus. Als ich beim Gepäckband war, drehten meine Taschen schon ihre Runden und die kleinen Umwege auf dem Heimweg nach Basel zum Hallosagen waren allesamt toll. So kam ich zwar erst am frühen Abend nach Hause, aber was solls. Ich versuchte dann vor dem Schlafengehen noch die Kletter-Duffle auszuräumen, damit sämtlichen nassen Sachen endlich trocknen konnten. Meine Wohnung sah dann eher wie ein Bazar aus, aber so konnte ich wenigstens alles vor Schimmel bewahren. Am nächsten Tag war ich schon zum Mittagessen mit einer guten Freundin verabredet, schliesslich müssen die verlorenen 5-6 Kilos schnellstmöglich wieder zurück gewonnen werden. Am nachmittag machte ich mich dann an die grosse Wäsche und ordnete alle Sachen im Keller wieder richtig, dass ich in einem halben Jahr vielleicht ein wenig schneller bin im Packen.
 Heute habe ich es endlich auch noch geschafft, eine kleine Übersicht über die Tracking-Daten zu erhalten. Ich habe sämtliche Touren mit meiner Uhr aufgezeichnet, damit ich einen Richtwert habe, wie lange und wie weit wir jeweils gegangen sind. Zudem wollte ich auch wissen, wie hart mein Körper arbeiten musste, denn wie schon im Blog zum Gipfeltag geschrieben, hatte ich nicht das Gefühl, dass das Gehen auf 8000m so anstrengend wäre. Für alle, die sich dafür interessieren, hier die nackten Zahlen: Bis zum Start unserer Gipfel-Besteigung waren wir 50.9km zur Akklimatisierung unterwegs. Dafür brauchten wir 25.5h und stiegen 4138m hoch und 2815m wieder runter. Mein Puls war am Höchsten beim Start des steilen Stücks auf dem Weg von Samagaon zum Basislager mit 164 Schlägen pro Minute. Das war an dem Tag, an dem ich gegen Übelkeit und Durchfall kämpfen musste und einfach nur froh war, als wir endlich im Basislager angekommen waren.
 Die Gipfel-Rotation vom 21.-24.September war total 24.2km lang, wobei ein Grossteil der Strecke vom Basislager zum Camp 1 zurück gelegt wird. Dafür brauchte ich rund 26h, inklusive Stau und Pausen. Zum Gipfel und zurück zeichnete die Uhr genau 5367 positive Höhenmeter auf, negative Höhenmeter gibt sie 5597hm an. Vor allem oben am Berg stimmen die Daten nicht ganz, respektive scheint die Uhr nicht ganz so akkurat zu messen. Wahrscheinlich waren wir einfach ein wenig zu langsam unterwegs ;)
 Was mich sehr stolz macht, ist der durchschnittliche Puls am Gipfeltag, der nur bei 88 Schlägen pro Minute liegt. Den Maximalpuls von 148bpm erreichte ich kurz nach dem Start am ersten Steilstück und das nur während knapp 5 Minuten.
 Ich habe also die Bestätigung, dass ich mich nicht nur super fühlte am Gipfeltag, sondern auch mein Körper für diese Leistung bereit war. Dies freut mich extrem und gibt mir Selbstvertrauen für den Mount Everest.
 Nun geht es für mich in die letzte Trainings-Phase meines Projekts. Ich hoffe auf einen wunderschönen Herbst mit spätem Schnee, so dass ich noch einige Bergtouren ohne Schneeschuhe und Sorgen machen kann. Wenn dann der Schnee da ist, muss ich improvisieren, respektive mehr Zeit im Fitnesscenter verbringen. Aber ich freue mich auf die Zeit, denn jede Minute, die ich jetzt trainiere, werde ich im Himalaya hoffentlich weniger leiden :)